31.01.2019, 12:44 Uhr

Individuell personalisierte Medizin Optimiertes Konservierungssystem – neuer Ablauf der Blutstammzellspende


Die Gewinnung von Blutstammzellen kann sehr aufwendig sein. Umso wichtiger ist der sorgsame Umgang mit diesem kostbaren Gut. Das Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin führte gemeinsam mit der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) nun ein optimiertes Konservierungssystem ein.

REGENSBURG Verena Bauer (Name geändert) hat ein fortgeschrittenes Lymphom. Trotz Chemotherapie bildet sich die Erkrankung bei ihr nicht zurück. Die 51-Jährige ist von einer lebensrettenden Blutstammzelltransplantation abhängig. In Bauers Fall setzen die Experten auf die autologe Stammzelltransplantation, bei der ihr eigene Stammzellen entnommen und nach einer hochdosierten Chemotherapie wieder zurückgegeben werden. Verena Bauer profitiert am UKR von einer optimierten Konservierungsmethode der Stammzellpräparate. Bisher ließen sich die gewonnenen Spenden nur symmetrisch geteilt einfrieren, was im Einzelfall mehr Stammzellentnahmen bedingt und auch zu einem Überschussverwurf von Zellen führen kann. Kürzlich optimierten Forscher des Instituts für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin des UKR die Konservierung von Blutstammzellen: Mit der sogenannten asymmetrischen Kryokonservierung können im UKR ab sofort Zellen in unterschiedlich hohen Konzentrationen eingefroren werden.

„Durch die verschiedenen Portionierungen ist es möglich, nahezu verlustfrei zu transplantieren. Wir können auf jeden Patienten angepasst die individuell benötigte Menge an Stammzellpräparaten herstellen und den Patienten somit gezielt helfen. Ebenso können wiederholte Transplantationen sichergestellt werden“, bringt PD Dr. Norbert Ahrens, Leiter der Transfusionsmedizin im Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin, die Vorteile der Methode auf den Punkt, die Betroffenen in Niederbayern und der Oberpfalz ab sofort zur Verfügung steht.

Bevor Verena Bauer Stammzellen entnommen werden, wird mithilfe ihres Körpergewichts bestimmt, wie viele Zellen sie bei der späteren Rückführung benötigen wird. Die Spende, Leukapherese genannt, erfolgt ähnlich einer Blutspende. Dabei werden die gesunden Stammzellen aus dem Blut gefiltert. Die nicht benötigten Bestandteile fließen wieder in den Blutkreislauf des Spenders zurück. Im Anschluss an die Entnahme werden die Stammzellen untersucht und gezählt. Ist die gewünschte Anzahl an Zellen noch nicht erreicht, muss der Vorgang wiederholt werden. Für jeden Spendetag wurden die Zellen bislang symmetrisch geteilt. „Die Menge variiert von Spender zu Spender teilweise stark, sodass man Beutel mit einem Überschuss konserviert, was anschließend zu einem Verlust dieser wertvollen Zellen führt“, bemängelt PD Dr. Ahrens. Um diesen zu reduzieren, entschied sich das Stammzellteam deshalb für individuelle Portionierungen in den Beuteln statt der bisher üblichen symmetrischen Aufteilung. Dafür wird pro Beutel genau die richtige Dosis zum Transplantieren eingefüllt und nicht eine zufällige, größere Portion. Somit können die entnommenen Zellen effektiver genutzt werden.

„Durch die neue Methode können wir Blutstammzellen so aufteilen, dass wir sie ohne Überschuss konservieren können. Die Beutelportionierungen sind so individuell auf den Patienten abgestimmt, wodurch wir keine Zellen mehr verlieren und der Patient bestenfalls weniger Apheresen benötigt“, erklärt Ahrens. „Dies erfordert eine wesentlich sorgfältigere Berechnung, da genau analysiert werden muss, wie sich die Menge optimal teilen lässt.“

Im Anschluss an die Portionierung erfolgt die sogenannte Kryokonservierung der Blutstammzellen. Es bezeichnet ein Verfahren, bei dem Zellen eingefroren und aufgetaut werden können, ohne dabei ihre Vitalität zu verlieren. Um die Zellen vor dem Erfrieren zu schützen, werden sie im Reinraum mit einem Frostschutzmittel namens Dimethylsulfoxid versetzt. Vor der Lagerung bei unter minus 154 Grad Celsius in einem Stickstofftank gibt man die verschlossenen Beutel für eine Stunde in den Einfrierautomaten. Auf diese Weise lässt sich die Spende über mehrere Wochen, Monate oder sogar Jahre für den Patienten konservieren.

Denn bevor Verena Bauer ihre Stammzelltransplantation erhält, muss sie sich zuerst einer hochdosierten Chemotherapie unterziehen, in der alle kranken und gesunden Blutstammzellen und damit ihr Immunsystem zerstört werden. Im Anschluss werden ihr die zuvor entnommenen Stammzellen gegeben, mit denen ihr Immunsystem neu aufgebaut werden kann. Dabei finden die Zellen ihren Weg ins Knochenmark und können dort mit der Produktion neuer Blutzellen beginnen. Dank der individuell berechneten Menge, kann die Patientin im Bedarfsfall auch leichter mehrmals transplantiert werden, falls die Erkrankung des Patienten dies erfordert. „Durch das Verfahren der asymmetrischen Kryokonservierung können Transplantate mit einer optimalen Stammzellzahl gegeben werden“, resümiert Professor Dr. Ernst Holler, leitender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III und Leiter der Allogenen Transplantation auf Station 21 B.


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