07.11.2018, 14:51 Uhr

Tagung in Furth im Wald Rettungsdienstexperten beraten über Optimierungsmöglichkeiten im grenzüberschreitenden Rettungswesen

Christof Chwojka (rechts stehend) aus Niederösterreich erläuterte den rund 20 Teilnehmern des Fachgesprächs sein grenzüberschreitendes Rettungssystem. (Foto: Bezirk Oberpfalz)Christof Chwojka (rechts stehend) aus Niederösterreich erläuterte den rund 20 Teilnehmern des Fachgesprächs sein grenzüberschreitendes Rettungssystem. (Foto: Bezirk Oberpfalz)

Wer im grenzenlosen Europa unterwegs ist, erwartet im Ernstfall schnelle Hilfe. Dafür bedarf es praktischer Instrumente, die eine reibungslose Abstimmung zwischen den Rettungsleitstellen ermöglichen. Nachdem in den vergangenen Wochen medizinische Notfälle deutscher Staatsbürger auf tschechischem Gebiet für Aufmerksamkeit gesorgt hatten, trafen Rettungsdienstexperten aus der Oberpfalz und Pilsen in Furth im Wald zu einem Fachgespräch zusammen.

FURTH IM WALD Unter der Leitung von Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler und Theo Zellner, Präsident des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), berieten die rund 20 Teilnehmer über Optimierungsmöglichkeiten im grenzüberschreitenden Rettungswesen. Fachliche Unterstützung erhielten sie dabei aus Niederösterreich. Der Geschäftsführer der dortigen Rettungsdienstorganisation, Christof Chwojka, erläuterte der Gesprächsrunde das in Niederösterreich bestehende System Notruf 144, das eine computergestützte Koordination von grenzüberschreitenden Rettungseinsätzen mit den tschechischen Nachbarregionen ermöglicht. Eine Übernahme dieses Konzepts ist prinzipiell auch für den bayerisch-tschechischen Grenzraum denkbar. Vermittelt hatte den Kontakt zu den Niederösterreichern Markus Meinke von der beim Bezirk Oberpfalz angesiedelten Stabsstelle Europaregion Donau-Moldau, der das System gemeinsam mit BRK-Rettungsdienstleiter Michael Daiminger und Manfred Maurer, stellvertretender Leiter des Projekts Grenzüberschreitender Rettungsdienst, bereits im September besichtigen konnte.

Ein ähnliches System wird derzeit auch im Bezirk Pilsen im Rahmen des Projekts „Grenzüberschreitender Rettungsdienst“ entwickelt. Dr. Jiří Růžička und Josef Trefil vom Rettungsdienst Pilsen stellten ihr Programm Babylon 2 vor, das ebenfalls auf einem Onlineportal aufbaut. Einsätze können hier direkt auf dem Bildschirm bearbeitet werden und alle relevanten Informationen für die Rettungssanitäter hinterlegt werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten sind zudem auf Deutsch und Tschechisch anwählbar. Babylon 2 befindet sich seit dem 1. November 2018 in den Rettungsleitstellen Weiden und Pilsen im Versuch und soll bei Erfolg weiter ausgebaut werden.

Landrat und Bezirkstagspräsident Löffler begrüßte die vorgestellten Initiativen und wies auf die dringende Notwendigkeit hin, den Rettungsdienst grenzüberschreitend optimal zu organisieren. „Die politischen Rahmenbedingungen sind auf der Vertragsebene bereits geschaffen. Es liegt nun an uns, in der Praxis die bestmögliche Lösung für die Menschen zu finden“. Er regte daher an, beide Systeme auf ihre Anwendbarkeit für die bayerisch-tschechische Grenzregion zu prüfen und zeitnah in Einsatz zu bringen.

Auch BRK-Präsident Theo Zellner betonte, dass es einer raschen Lösung bedarf. „Es kann nicht sein, dass in einem grenzenlosen Europa alle über die Grenze fahren dürfen außer den Rettungsdiensten. Wir müssen jetzt die Frage klären, welches Konzept für uns am besten nutzbar ist“, so Zellner. Hierfür soll die Fachgruppe bereits in den nächsten Wochen wieder zusammentreten und weiter die Einsatzmöglichkeiten eines grenzüberschreitenden Rettungssystems prüfen – damit Probleme bei der Kommunikation und Koordination im Ernstfall künftig der Vergangenheit angehören.


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