29.10.2018, 11:00 Uhr

Uniklinik informiert Ein Leben mit Schuppenflechte

Veronika Zajontz und Professor Dr. Mark Berneburg informieren über Schuppenflechte. (Foto: UKR/Franziska Holten)Veronika Zajontz und Professor Dr. Mark Berneburg informieren über Schuppenflechte. (Foto: UKR/Franziska Holten)

Es begann mit einer kleinen trockenen Stelle am Ellbogen und verbreitete sich rasant: Seit ihrer Pubertät leidet Veronika Zajontz unter Schuppenflechte. Zum Welt-Psoriasistag am Montag, 29. Oktober, informiert das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) über die Entzündungskrankheit.

REGENSBURG Sie war zwölf Jahre alt, als sie die ersten silbernen Schuppen an ihrem Ellbogen entdeckte. Nachdem verschiedene Cremes keine Wirkung zeigten und sich die Schuppen ausbreiteten, suchte Veronika Zajontz Hilfe bei einem Dermatologen. „Die Diagnose Psoriasis war zunächst ein Schock für mich, denn die Behandlungsmöglichkeiten zu Beginn der 60er Jahre waren sehr eingeschränkt“, erinnert sie sich.

„Schuppenflechte lässt sich heute dagegen sehr gut therapieren, sodass Patienten möglichst unbeschwert mit ihrer Krankheit leben können. Durch den gezielten Einsatz von Medikamenten in Folge einer individuellen und interdisziplinären Beratung, kann die Psoriasis häufig sehr gut unter Kontrolle gebracht werden“, weiß Professor Dr. Mark Berneburg, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie des UKR.

Schuppenflechte erblich bedingt

Der Name „Psoriasis“ leitet sich vom lateinischen Begriff „psoa“ ab, was so viel wie „ich kratze“ bedeutet. Die juckenden Hautschuppen waren vor allem in Zajontz‘ Jugend ein Problem: „Kurze Kleidung zu tragen oder ins Schwimmbad zu gehen war lange Zeit undenkbar. Die Blicke und das Unverständnis meiner Mitmenschen waren für mich unerträglich.“

Die Entzündungskrankheit, bei der das Immunsystem das eigene Gewebe angreift, ist häufig genetisch bedingt. So auch im Fall von Veronika Zajontz, deren Vater ebenfalls davon betroffen war. Durch die Überproduktion und dauerhafte Ausschüttung eines entzündungsfördernden Botenstoffs kommt es zur Schuppenbildung. „Unsere oberste Hautschicht, Epidermis genannt, erneuert sich etwa alle 28 Tage. Bei Psoriasis-Betroffenen dauert diese Erneuerungsphase aber nur wenige Tage. Durch das unkontrollierte Wachstum der Oberhaut entstehen stark juckende Plaques“, erklärt Professor Berneburg den Verlauf eines Psoriasis-Schubs. „Auslöser können verschiedene körperliche oder mentale Belastungen sowie Infektionen, Hormonschwankungen, die Einnahme bestimmter Medikamente oder falsche Ernährung sein.“

Nicht heilbar, aber symptomfrei

In den vergangenen Jahren konnte das Therapiespektrum zur Behandlung von Schuppenflechte deutlich erweitert werden. Betroffenen in Niederbayern und der Oberpfalz steht das Universitätsklinikum Regensburg in Zusammenarbeit mit niedergelassenen Hautfachärzten als medizinische Anlaufstelle zur Verfügung, in der das gesamte Therapiespektrum angeboten werden kann. „Bei einem schwachen Krankheitsverlauf eignet sich die äußere, auch als topische Therapie bezeichnete Behandlung, wie beispielsweise das Auftragen bestimmter Salben auf die betroffenen Hautstellen. Bei mittelschweren und schweren Krankheitsbildern kommt neben der Photo- und Lasertherapie auch die systemische Behandlung mittels Medikamenten zum Einsatz“, erklärt Professor Berneburg, der in seiner Klinik zahlreiche Patienten in der Psoriasis-Sprechstunde berät.

Eine neue Behandlungsoption in der systemischen Therapie bieten sogenannte Biologika. Diese biotechnologisch hergestellten Eiweiße setzen erstmals an der Ursache der Schuppen an. „Diese neue Therapiemöglichkeit ist ein bedeutender Schritt in der Psoriasis-Behandlung. Sie bietet vor allem für Patienten Hoffnung, deren Lebensqualität durch die Erkrankung stark beeinträchtigt ist“, so der Dermatologe. „Durch die enthaltenen Zytokine, Fusionsproteine und therapeutischen Antikörper ist eine gezielte Hemmung der entzündungsfördernden Botenstoffe möglich. Indem man die Entzündungsreaktion unterdrückt, tritt rasch auch ein positiver Effekt für den Patienten ein.

Durch das heterogene Krankheitsbild ist eine gesamtheitliche Therapie gefragt. Im UKR finden Betroffene deshalb interprofessionelle Beratung. „Die Versorgung dieser Krankheit erfordert, neben der Behandlung der Haut, auch die Berücksichtigung von Begleiterkrankungen wie Adipositas, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Hypertonie und Depressionen“, klärt Professor Berneburg auf.

Veronika Zajontz ist dank der zahlreichen Therapiemöglichkeiten seit neun Jahren nahezu psoriasisfrei. „Über den medizinischen Fortschritt bin ich wirklich sehr froh. Heute kann ich meine Krankheit akzeptieren und habe gelernt, mit ihr zu leben. Dadurch bin ich viel gelassener geworden“, sagt die 69-Jährige.

„Jede Schuppenflechte ist anders“

Die meisten der rund zwei Millionen betroffenen Deutschen leiden unter Typ-1 Psoriasis, welche zumeist zwischen dem 15. und dem 25. Lebensjahr auftritt. An Typ-2 erkranken dagegen Menschen zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr. Diese Form kommt seltener vor und verläuft meist schwächer.

Obwohl Psoriasis in unterschiedlichen Formen auftritt, handelt es sich meist um die gewöhnliche Psoriasis vulgaris. Die Schuppen können sich im Verlauf auf den gesamten Körper ausbreiten, besonders häufig sind sie jedoch auf den Streckseiten von Armen und Beinen sowie der Kopfhaut zu finden. „Jede Schuppenflechte ist anders, der Ausprägungsgrad ist individuell. Einige Formen sind nicht auf die Haut beschränkt, die sogenannte Psoriasis-Arthritis beispielsweise macht den Gelenken zu schaffen. Beschwerden und Schwellungen sollten deshalb eingehend untersucht werden“, empfiehlt Professor Berneburg.


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