12.10.2018, 13:46 Uhr

Gesundheit Die Woche des Sehens – endlich wieder lesen können

Handlupen sind ein einfaches, aber effektives Hilfsmittel, um die Lesefähigkeit sehbehinderter Menschen zu erhalten. (Foto: UKR Marion Schweiger)Handlupen sind ein einfaches, aber effektives Hilfsmittel, um die Lesefähigkeit sehbehinderter Menschen zu erhalten. (Foto: UKR Marion Schweiger)

Die Woche des Sehens informiert noch bis Montag, 15. Oktober, über nachlassendes Sehvermögen. In der Ambulanz für vergrößernde Sehhilfen des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) erfahren Betroffene, was sie tun können, wenn Brille und Augenoperation nicht mehr helfen.

REGENSBURG Das Auge gilt als unser wichtigstes Sinnesorgan: Rund 80 Prozent aller Umweltinformationen nehmen wir über die Augen wahr, schätzen Experten. Entsprechend belastend erleben es Betroffene, wenn die Sehkraft nachlässt. Schätzungsweise rund 155.000 blinde und eine halbe Million sehbehinderte Menschen leben in Deutschland. Allein in Bayern bezogen im Jahr 2016 weit über 13.000 Menschen das Bayerische Blindengeld. „Schwindendes Augenlicht ist mit nichts zu ersetzen. Für viele Betroffene gibt es allerdings eine Vielzahl gut funktionierender Hilfsmittel, um den Alltag zu erleichtern. In unserer Ambulanz können wir durch eine individuelle Beratung und Anpassung häufig die Lesefähigkeit wieder herstellen“, erklärt Augenoptikermeisterin Yvonne Rudek. Sie berät in der Ambulanz für vergrößernde Sehhilfen der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde des UKR Patienten ganz nach ihren Bedürfnissen zu den entsprechenden Hilfsmitteln, vermittelt Strategien im Umgang mit der Sehbehinderung im Alltag, leitet wenn nötig ein Rehabilitations- und Mobilitätstraining ein und informiert sehbehinderte Menschen über weitere Unterstützungsangebote.

Optische und akustische Hilfsmittel erleichtern den Alltag

Zu den vergrößernden Sehhilfen zählen Lupenbrillen, Handlupen und elektronische Hilfsmittel. Für ein besseres Sehen in der Ferne gibt es kleine Ferngläser, die auf unterschiedliche Distanzen eingestellt werden können. „Mit diesen Hilfsmitteln können meine Patienten endlich wieder ein Straßenschild lesen oder die Busnummer erkennen“, nennt Yvonne Rudek ein Beispiel, und ergänzt: „Ein solches Produkt muss aber auch richtig eingesetzt werden. Selbst eine stärkere Lupe bedarf einer gewissen Handhabung.“ Häufig ist eine Seheinschränkung auch mit einer erhöhten Blendungsempfindlichkeit verbunden. Abhilfe schaffen hier spezielle Brillengläser. Deren sogenannte Kantenfilter reduzieren eine Blendung und verstärken Kontraste. In jedem Fall müssen diese speziellen Filter individuell erprobt werden. In ihrer Ambulanz nimmt sie sich deshalb pro Termin etwa eine Stunde Zeit für die Beratung, um das passende Hilfsmittel zu finden und den Umgang damit zu trainieren. Stark sehbehinderte Menschen berät Yvonne Rudek bei der Auswahl von sprechenden Hilfsmitteln. So kann ein spezielles Gerät zum Beispiel einen maschinell geschriebenen Brief, ein Buch oder einen Kontoauszug vorlesen. Blinde erhalten so wieder ein Stück Eigenständigkeit zurück.

Viel Zeit für Anpassung, Schulung und Nachkontrolle

Die Ambulanz für vergrößernde Sehhilfen besteht seit über 18 Jahren als wichtige Anlaufstelle für sehbehinderte Menschen am UKR. Bei einem Beratungstermin werden hier nach einer ausführlichen Anamnese die Restsehschärfe gemessen, das Ausmaß der Sehbehinderung abgeklärt und der Vergrößerungsbedarf ermittelt. „Wir haben eine große Auswahl an Sehhilfen vorrätig und können diese gemeinsam mit den Betroffenen je nach Sehproblemen und persönlichem Bedarf testen. Meist können die Hilfsmittel direkt vor Ort durch ein Rezept verordnet werden. Wichtig ist auch eine Kontrolle, um die richtige Handhabung und gewünschte Erfolge zu prüfen. So kann bei Bedarf noch nachgeschult werden“, informiert Yvonne Rudek über den Ablauf. Neben Hilfsmitteln erhalten sehbehinderte Menschen in der Ambulanz für vergrößernde Sehhilfen auch eine soziale Beratung zu Blindengeld, zum Anspruch auf und über die Rechte mit dem Schwerbehindertenausweis, zur Versorgung mit Sehhilfen am Arbeitsplatz oder in der Schule und zu Organisationen, die auf die Unterstützung sehbehinderter Menschen spezialisiert sind. „Wir verfügen über langjährige Erfahrungen bei der Betreuung von Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen und in der Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen. Unser wichtigstes Ziel ist der Erhalt der Selbstständigkeit unserer Patienten“, fasst Professor Dr. Herbert Jägle, Leiter der Ambulanz für vergrößernde Sehhilfen, zusammen. Die Anmeldung in der Ambulanz kann telefonisch unter 0941/ 9449282 oder über den behandelnden Augenarzt erfolgen.

Hintergrund: Ursachen für Sehverlust

Die häufigsten Ursachen für Sehverlust sind hierzulande Netzhauterkrankungen wie die Altersabhängige Makuladegeneration, an der rund 6,9 Millionen Menschen in Deutschland leiden, oder die Diabetische Retinopathie, mit der nahezu alle Diabetiker irgendwann einmal konfrontiert werden. Bei den Betroffenen kommt es zu einem Ausfall des scharfen Sehens im Zentrum, zu Problemen beim Lesen oder beim Sehen in der Ferne. Diese Krankheiten lassen sich lediglich lindern, nicht aber heilen.


0 Kommentare