09.10.2018, 14:24 Uhr

Gesundheit Der Kniff mit dem Griff – so lernen Physiotherapie-Schüler am UKR

Nina absolviert im dritten Jahr ihrer Ausbildung zur Physiotherapeutin ein Praktikum im Universitätsklinikum Regensburg. (Foto: UKR/Klaus Völcker)Nina absolviert im dritten Jahr ihrer Ausbildung zur Physiotherapeutin ein Praktikum im Universitätsklinikum Regensburg. (Foto: UKR/Klaus Völcker)

Drei Jahre liegen zwischen Ausbildungsstart und dem Berufseinstieg als Physiotherapeut. Damit nach der Ausbildung jeder Griff sitzt und wirkt, lernen die Physiotherapieschüler der Berufsfachschule des BRK Regensburg unter anderem auf einer chirurgischen Station, einer Intensivstation und im Bewegungsbad des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) praxisnah, wie sie kranken Menschen wieder auf die Beine helfen.

REGENSBURG Nina strahlt Herzlichkeit und Energie aus, wenn sie festen Schrittes die grüne Oase der Physiotherapie des Universitätsklinikums Regensburg durchquert, um pünktlich bei der Morgenbesprechung zu sein. Herzlichkeit und Energie - das ist es, was die Patienten von Station 54 ein Stockwerk weiter oben jetzt benötigen: Die meisten von ihnen wurden aufgrund eines Unfalls operiert und stehen nun vor der Herausforderung, von einem Tag auf den anderen aus ihrem Alltag gerissen worden zu sein. Nicht selten müssen sie das Gehen oder Greifen wieder mühsam trainieren. „Immer, wenn ich einen Patienten dazu motivieren kann, ein paar Schritte über den Gang zu gehen, oder wenn sich die Beweglichkeit nach einer Hüftoperation messbar bessert, ist das ein großes Erfolgserlebnis für mich“, erzählt Nina mit leuchtenden Augen. Die 22-Jährige aus dem Landkreis Schwandorf lernt ihren Traumberuf Physiotherapeutin in der Berufsfachschule für Physiotherapie des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Regensburg. Sie startet mit einem Praktikum am Universitätsklinikum Regensburg in ihr drittes und letztes Ausbildungsjahr. In mehrwöchigen Praktika wie diesem können die Schüler schon während ihrer Ausbildungszeit auch praktisch tätig werden – unter genauer Beobachtung ihrer Lehrer, denn die Behandlungen werden benotet und wenn nötig korrigiert. Das Universitätsklinikum Regensburg gehört seit 25 Jahren zu den Praxisstationen der Berufsfachschule für Physiotherapie des BRK Regensburg. „Am UKR können wir ein breites Spektrum unfallchirurgischer Patienten behandeln. Mit dieser Kooperation bieten wir unseren Schülern die wichtige Möglichkeit, das im Unterricht Gelernte am Patienten umzusetzen. Wir als Lehrkräfte besprechen die Abläufe auf Station und die Behandlung direkt vor Ort genauestens mit den Schülern. Das ist entscheidend für die gute Qualität der praktischen Ausbildung“, erläutert Annette Tschochner, Fachdozentin der Berufsfachschule für Physiotherapie des BRK Regensburg.

Ganz nah dran am Patienten

„Uns wird hier viel zugetraut. Wir behandeln die chirurgischen Patienten eigenständig, haben aber auch immer einen Lehrer in unserer direkten Nähe. Auf Station gibt es die unterschiedlichsten Krankheitsbilder, sodass ich hier viele wichtige Erfahrungen sammeln kann“, berichtet Nina nach zwei Wochen am UKR. Im Gang von Station 54 wartet sie nun darauf, ihren ersten Patienten an diesem Tag behandeln zu können. Er hat im Moment nur ein Hüftgelenk. Mit Ninas Unterstützung kann er kurz aufstehen und wenige Schritte gehen. Sie trainiert seine Beweglichkeit und entlockt ihm ein herzliches Lachen. „Es ist wichtig, dass die Griffe korrekt ausgeführt werden, damit die Patienten schnell wieder auf die Beine kommen. Mindestens genauso wichtig ist aber auch Einfühlungsvermögen“, weiß die Schülerin. Auf den Intensivstationen des UKR ist von Nina und ihren Mitschülern während des Praktikums vor allem aufmerksames Beobachten gefragt: Um dem Wundliegen vorzubeugen, eine schnelle Entwöhnung der Beatmung zu erreichen oder eine möglichst frühe Mobilisation zu gewährleisten, werden die Patienten hier von erfahrenen und spezialisierten Physiotherapeuten behandelt, die den Schüler die Durchführung und Zielsetzung jedes Griffs erläutern.

Selbst abtauchen, um anderen auf die Beine zu helfen

Neben der weitestgehend selbstständigen Behandlung chirurgischer Patienten und der Hospitation auf der Intensivstation kann die Berufsfachschule für Physiotherapie des BRK Regensburg seit Kurzem auch das Bewegungsbad der Physiotherapie des UKR für die Ausbildung der angehenden Therapeuten nutzen. „Immer weniger Physiotherapiepraxen verfügen über ein solches Bewegungsbad. Dabei kann man hier besonders für Schmerz- oder Rückenpatienten sehr effektive Therapien anbieten. Wir sind froh, dass wir die Möglichkeit haben, unsere Schüler hier anzulernen“, freut sich Anette Tschochner. „Im Bewegungsbad im UKR sind wir Schüler in die Rolle der Patienten geschlüpft. Nur wenn wir selbst erfahren haben, wie sich die speziellen Bewegungen im Wasser anfühlen, können wir Patienten bei einer Krankengymnastik im Wasser später sinnvoll anleiten“, erinnert sich Nina an das Praktikum im ersten Ausbildungsjahr, als „Baden“ auf dem Stundenplan stand.

Einmalige Lernerfahrungen im UKR

Für Sebastian Meier, Leiter der Physiotherapie des UKR, ist das Bewegungsbad unverzichtbar. Er und sein Team bieten alle physiotherapeutischen Behandlungstechniken für die zum Teil schwerstkranken Patienten der 28 Kliniken des UKR an – spezielle Krankengymnastik im Wasser inklusive. Die technische Ausstattung der Physiotherapie des UKR ist mit der einer Reha-Klinik nahezu vergleichbar. „Da wir ein Krankenhaus der Maximalversorgung sind, kann unser eingespieltes Team den Schülern viel wertvolles Wissen auch für die Behandlung von Erkrankungen mit auf den Weg geben, denen man in anderen Einrichtungen eher selten begegnet“, erklärt Sebastian Meier den Mehrwert gerade dieses Praktikums für die Schüler. Viel wertvolles Wissen, das ist genau das, was Nina interessiert: „Ich möchte Physiotherapeutin werden, weil man sich in diesem Beruf immer weiterentwickeln kann, man sehr viele unterschiedliche Menschen und Krankheitsbilder kennenlernt und es viele Erfolgserlebnisse gibt.“ In einem Jahr schreibt Nina ihr Examen und wird auch praktisch geprüft. „Dann ist die Region um eine hervorragend ausgebildete Physiotherapeutin reicher, die kranken Menschen wieder zurück in den Alltag hilft“, freut sich Sebastian Meier.


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