05.06.2018, 18:20 Uhr

Projektwoche „Gesundheit“ Kindergartenkinder lernen richtige Händehygiene mit Stofftier-Erregern und Bakterienkultur

In den Ellenbogen husten verringert die Ansteckungsgefahr: Professor Dr. Wulf Schneider, die Hygienefachkräfte Josef Hartenberger und Martina Ischar mit den Kindern und Kitaleiterin Lydia Müller. (Foto: UKR/Franziska Holten)In den Ellenbogen husten verringert die Ansteckungsgefahr: Professor Dr. Wulf Schneider, die Hygienefachkräfte Josef Hartenberger und Martina Ischar mit den Kindern und Kitaleiterin Lydia Müller. (Foto: UKR/Franziska Holten)

Krankenhaushygieniker des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) erklärten am Dienstag, 5. Juni, rund 20 Vorschülern eines Kindergartens im Regensburger Stadtteil Kumpfmühl spielerisch, wie sie mit einfachen Hygienemaßnahmen gesund bleiben können. Der Besuch erfolgte im Rahmen der Projektwoche „Gesundheit“.

REGENSBURG „Der Schnupfen ist so niedlich“, erfreute sich die sechsjährige Lena an einem millionenfach vergrößerten Rhinovirus in Kuscheltierform, den Professor Dr. Wulf Schneider am 5. Juni in den Kindergarten St. Wolfgang I im Regensburger Stadtbezirk Kumpfmühl-Ziegetsdorf-Neuprüll einschleppte. Der Professor für Krankenhaushygiene am UKR und seine Mitarbeiter Martina Ischar sowie Josef Hartenberger (beide staatlich geprüfte Hygienefachkräfte) besuchten die Einrichtung, um den Kindern zu vermitteln, wie sie sich und ihre Familien vor Krankheitserregern wie dem Rhinovirus schützen können. „Erkältungen und andere Infekte bleiben bei unseren Kindern nicht aus. Der Besuch der Krankenhaushygieniker des UKR soll ihnen den Zusammenhang zwischen Ansteckungsgefahr und Händehygiene deutlich machen“, freut sich Kindergartenleiterin Lydia Müller über die Hygienestunde.

Kuschelige Riesenmikroben veranschaulichen Norovirus & Co.

Bis zu zwölf leichte Infekte pro Jahr gelten bei Kindergartenkindern als normal und trainieren sogar das Immunsystem im Kampf gegen die Erreger. Bei der Übertragung von Bakterien, Viren oder Parasiten auf Familienmitglieder oder andere Kinder können aber selbst die Kleinsten große Taten vollbringen, wie Professor Dr. Schneider und seine Mitarbeiter erklärten. „Typische Infekte im Kindergarten sind Erkältung, Grippe oder Magen-Darm-Infektionen. Die Ansteckung lässt sich mit kinderleichten Hygienemaßnahmen verringern, diese müssen aber geübt werden“, verdeutlichte Professor Schneider, warum ihm der Besuch des Kindergartens am Herzen liegt. Die Hygienestunde bei den Vorschülern im Alter von fünf bis sechs Jahren erfolgte kindgerecht: Neben dem Rhinovirus hatten die Hygieneexperten den Norovirus, die Grippe, Halsschmerzen und Husten als Anschauungsmaterial im Gepäck. Natürlich alles im Stofftiermodell und ohne jegliche Ansteckungsgefahr. „So konnten wir die Erreger sichtbar machen. Das war wichtig, um zu verdeutlichen, dass Bakterien und Viren keine abstrakte Erfindung sind, sondern real existieren“, begründete Josef Hartenberger das „Einschleppen“ der Stofftier-Mikroben in den Kindergarten.

Seifenblasen zeigen den Weg der Bakterien

Mit Seifenblasen veranschaulichten die Hygieneexperten des UKR, wie Bakterien sich zum Beispiel beim Niesen oder Husten im Raum bewegen und an der Kleidung oder Nahrungsmitteln haften bleiben. Dass es hygienischer ist, in den Ellenbogen statt in die Hand zu husten, wussten die Vorschüler bereits. „Außerdem haben wir Proben von der Bakterienbesiedlung der Kinderhände genommen. Ein paar Tage im Brutkasten werden offenbaren, welche Keime zum ganz normalen Kindergartenalltag gehören“, kündigte Martina Ischar an. Dafür durften Lena und ihre Freunde auf sogenannten Abklatschplatten, also mit einem Nährmedium gefüllten Kunststoffschalen, einen Handabdruck hinterlassen. „Wir wollen den Kindern vermitteln, dass Bakterien ein ganz natürlicher Teil unserer Umwelt sind, vor dem man sich nicht zu ekeln und dem man auch nicht mit übertriebener Hygiene zu begegnen braucht. Gleichzeitig kann aber jedes Kind die Verbreitung von Krankheitserregern vermindern“, erklärt Professor Schneider. Die Kinder erfuhren auch, dass die Hygiene im Krankenhaus anders abläuft als zu Hause: In voller OP-Montur demonstrierte Josef Hartenberger die hygienische Händedesinfektion und informierte sie über die hygienischen Schutzmaßnahmen im UKR.

Beim Händewaschen immer ein Lied auf den Lippen

Am kommenden Freitag steht für die Vorschulkinder des Kindergartens St. Wolfgang I die zweite Hygienestunde an. „Wir erwarten am Freitag bei den Kindern einen Aha-Effekt, wenn die Mikroorganismen ihrer Hände als Teppich auf den Abklatschpatten sichtbar geworden sind“, freut sich Professor Schneider schon auf den nächsten Kindergarten-Besuch. Mittels Knete wird Martina Ischar für die Kinder dann den Übertragungsweg von Infektionen nachstellen: Was zunächst nur an der eigenen Hand klebt, werden die Kinder schnell an Spielzeugen, Kleidungsstücken und der Brotdose des Spielkameraden wiederfinden. Mittels UV-Licht können die Vorschüler testen, ob ihre Hände beim Waschen auch tatsächlich sauber geworden sind. „Händewaschen ist nicht gleich Händewaschen – das möchten wir den Kindern beibringen. Am wichtigsten ist das gründliche, lange Einseifen der kompletten Hand, also auch zwischen den Fingern und an den Fingerspitzen. Das sollte eine halbe Minute dauern, die Zeit lässt sich prima mit einem Händewaschlied überbrücken“, nennt Professor Schneider die zentrale Hygienemaßnahme zur Infektionsprävention. Und er muss es wissen: Schließlich hat er die erste Professur für Krankenhaushygiene in Bayern inne und erhielt erst kürzlich für die hervorragende Händehygiene im Universitätsklinikum Regensburg als eines der wenigen deutschen Uniklinika das begehrte Goldzertifikat der „Aktion Saubere Hände“. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Infektionsprävention ist das Auskurieren, was Kindergartenleiterin Lydia Müller besonders am Herzen liegt: „Kranke Kinder sollten zu Hause bleiben. Wer zu früh wieder in den Kindergarten oder zu seinen Freunden spielen geht, gefährdet nicht nur seine eigene Gesundheit mit einem Rückfall, sondern steckt eventuell noch andere an“.


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