09.05.2018, 17:48 Uhr

Neues Proframm Hygiene rettet Leben in Nepal

(Foto: UKR/Franziska Holten)(Foto: UKR/Franziska Holten)

Das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) und das Dhulikhel Hospital (DHS) in Kathmandu entwickeln ein neues Hygieneprogramm für Nepal. Ziel ist eine Verringerung vermeidbarer Wundinfektionen und der postoperativen Sterblichkeit im Land inmitten des Himalayas. Zum Projektstart im Mai hospitieren zwei OP-Schwestern aus Nepal am UKR.

REGENSBURG [Im April und Mai 2015 wurde Nepal von verheerenden Erdbeben der Stärke 7,9 und 7,4 getroffen. Nach Regierungsangaben starben damals etwa 9.000 Menschen an den Folgen der Beben, rund 22.300 wurden verletzt. 600.000 Häuser und die medizinische Infrastruktur des Landes lagen landesweit in Schutt und Asche. Wundinfektionen nach chirurgischen Eingriffen gehören in dem südasiatischen Land noch immer zur Realität. In einigen Krankenhäusern Nepals beträgt die Infektionsrate nach einer Operation bis zu 23%. Schon seit Jahren beteiligen sich engagierte Persönlichkeiten und Mediziner aus Regensburg am Wiederaufbau in Nepal. Professor Dr. Tobias Renkawitz ist Leitender Oberarzt der Orthopädischen Klinik für die Universität Regensburg am Asklepios Klinikum Bad Abbach und Mitorganisator des Projekts. Zusammen mit Professor Dr. Bernhard Graf, Direktor der Klinik für Anästhesiologie des UKR, wurde er nun im Rahmen des Programms „Internationale Klinikpartnerschaften“ vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für das Konzept zur Verbesserung der Hygiene am Dhulikhel Hospital ausgezeichnet. Das Leuchtturmprojekt soll Impulse für die Verringerung der Infektionsraten nach Operationen in Nepal geben.

Über zwölf Stunden saßen Bedana Maharjan und Sulekha Shresta im Flugzeug, bevor die zwei nepalesischen Krankenschwestern schließlich am 9. Mai 2018 ihr vierwöchiges Praktikum am UKR beginnen konnten. Bis zum 3. Juni 2018 durchlaufen die zwei OP-Krankenschwestern vom Dhulikhel Hospital in Kathmandu verschiedene Hygieneschulungen und erhalten praktische Einblicke in die Abläufe im OP, der Intensivstation und der sterilen Instrumentenaufbereitung am UKR. Ein Projektteam aus Pflegeleitung, Klinikhygiene und Ärzten hatte im Vorfeld ein detailliertes Programm für die nepalesische Delegation ausgearbeitet. PD Dr. Michaela Huber, stellvertretende Leiterin der Interdisziplinären Notaufnahme des UKR, und Dr. Henriette Müller aus Neutraubling kennen aus ihren Besuchen in Nepal die Situation am DHS. „Unser Ziel ist es, mit unseren Partnern in Nepal Konzepte zur Verbesserung der Hygiene und zur Verringerung von Wundinfekten zu entwickeln, die sich vor Ort auch tatsächlich umzusetzen lassen“, schildern die beiden Ärztinnen. Das Projekt solle dazu beitragen, die hygienischen Bedingungen in den Krankenhäusern Nepals und damit die medizinische Versorgungsqualität der nepalesischen Bevölkerung allgemein zu verbessern.

Hilfe zur Selbsthilfe

Kernidee des Programms ist es, dass die in Regensburg ausgebildeten „Trainer“ im Anschluss ihr Wissen als Multiplikatoren an alle Operationsschwestern in Nepal weitergeben. Die Kooperation soll dabei die sprichwörtliche Hilfe zur Selbsthilfe ermöglichen, damit Operationsverfahren in Nepal künftig noch sicherer durchgeführt werden können. Als eines von vielen Beispielen führt der Orthopäde Professor Dr. Renkawitz das Einsetzen von Kunstgelenken an - ein Eingriff für den in Nepal ein hoher Bedarf besteht. „Eine Infektion bei liegendem Kunstgelenk ist eine Katastrophe und mit großem Leid verbunden. Uns ist es deshalb ein besonderes Anliegen, dass wir mit unseren nepalesischen Partnern gerade bei derartig sensiblen Operationen die Abläufe nach höchstmöglichem hygienischen Standard gestalten“, sagt der Regensburger Knie- und Hüftspezialist. Krankenhausinfektionen seien dabei kein Schicksal oder Zufall, sondern oft vermeidbar. Neben praktischen Aspekten, wie beispielsweise Schulungen in der chirurgischen Händedesinfektion, wird das Programm auch wissenschaftlich begleitet. In Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Mikrobiologie und Hygiene am UKR und der noch jungen Kathmandu University in Nepal wurde ein enger Datenaustausch vereinbart, um den Erfolg des Programms zu dokumentieren. Ebenso sind Hospitationen des Regensburger Projektteams in Nepal geplant.

Regensburg und Kathmandu pflegen eine langjährige Partnerschaft

Die aktive Zusammenarbeit zwischen dem Dhulikhel Krankenhaus und den Regensburger Medizinern hat sich aus der Hospitation eines nepalesischen Arztes bei Dr. Wolfgang Sieber an der Kreisklinik Wörth an der Donau im Jahr 2012 entwickelt. Es umfasst unter anderem Rotationen für Ärzte beider Länder und den Austausch klinischer sowie wissenschaftlicher Informationen. Im November 2015 haben die Universität und das Universitätsklinikum Regensburg eine offizielle Kooperation mit der Kathmandu University School of Medical Sciences in Nepal für einen gegenseitigen Wissenstransfer geschlossen.


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