27.04.2018, 11:30 Uhr

Frühjahrszeit ist Radsportzeit Warum bei Stürzen aufs Handgelenk der Gang zum Spezialisten entscheidend ist

(Foto: Sana)(Foto: Sana)

Radfahren zählt zu den beliebtesten Sportaktivitäten der Deutschen. Ob der Weg zur Arbeit, die ausgedehnte Wochenendtour mit Freunden oder als sportlich ambitionierter Fahrer im Gelände – Radeln ist eine Wohltat für den Körper. Die Muskeln kommen durch die gleichmäßige Bewegung in Schwung, das Herz-Kreislauf-System wird gefordert und die Kondition trainiert. Die Freude an der Bewegung unter freiem Himmel wird jedoch von schweren Stürzen immer wieder getrübt.

CHAM „Stürzt man mit dem Rad, streckt man reflexartig die Hände nach vorne, um sich zu schützen. Genau dieser Reflex wird sehr oft dem Kahnbein zum Verhängnis“, erklärt Dr. Marcus Walter, Chefarzt für Unfall-, Wiederherstellungs- und Handchirurgie an den Sana Kliniken des Landkreises Cham. „Solche Verletzungen sind manchmal nicht besonders schmerzhaft, sollten aber unbedingt vom Spezialisten abgeklärt werden.“

Die steigenden Temperaturen zum Frühjahrsbeginn bieten beste Bedingungen zum Start in die neue Radsaison. Im Gegensatz zu anderen Sportarten stellen Verschleiß und Überbelastung des Körpers beim Fahrradfahren eine eher geringe Gefahr dar. Verletzungen treten vielmehr durch Unfälle auf, wenn der Radler beispielsweise das Gleichgewicht verliert oder mit einem Hindernis zusammenstößt. Eine häufige Verletzung ist dabei der Sturz auf das überstreckte Handgelenk. „Hierbei kommt es zu einer Druckbelastung zwischen dem Kahnbein und der körperfernen Speiche, was sowohl einen Bruch der Speiche als auch des Kahnbeins zu Folge haben kann“, weiß Dr. Walter. „Eine Kahnbeinfraktur wird häufig mit einer Verstauchung verwechselt und vielfach unterschätzt.“ Die feinen Handwurzelknochen können jedoch Brüche aufweisen, die anhand normaler Röntgenaufnahmen nicht erkannt werden und eine weitere Abklärung mithilfe eines CTs oder MRTs notwendig machen. „Zudem kommt es häufig zu Bandverletzungen zwischen den Handwurzelknochen, die, wenn sie übersehen werden, oftmals mit einem Spätschaden einhergehen“, so der Mediziner weiter. „Sollte es hier im Verlauf von wenigen Wochen nicht zu einer spontanen Besserung kommen, ist prinzipiell eine umfangreiche Abklärung durch einen Handchirurgen ratsam.“

Die menschliche Hand ist ein komplexes Gebilde aus 27 Einzelknochen, zahlreichen Sehnen, Bändern, Nerven und Muskeln, die in enger Nachbarschaft zueinander liegen. Das Zusammenspiel aller Teile ist äußerst komplex, so dass bereits kleine Verletzungen große Wirkungen zeigen können. „Ist die Hand einmal verletzt, können Handchirurgen bereits mit konservativen Maßnahmen viel erreichen. Dies erfordert aber eine vollumfängliche Nachsorge des Patienten“, bekräftigt Dr. Walter. Der Chirurg arbeitet dazu prinzipiell mit Krankengymnasten und Ergotherapeuten zusammen. Ist eine Operation angezeigt, ist er in der Lage, nicht nur die Knochen- und Gelenkverletzungen zu versorgen, sondern auch feine Gefäße zu nähen.

Grundsätzlich können zahlreiche Verletzungen durch einfache Präventionsmaßnahmen vermieden werden. Ein Beispiel hierfür ist das richtige Einstellen der Klickpedale: Kommen Radfahrer nicht rechtzeitig aus den Pedalen, ziehen sie sich bei ihren Stürzen oftmals tiefe Schürfwunden an Armen und Beinen zu. „Die Klickpedale sollten daher entsprechend so eingestellt sein, dass ein Auslösen nicht nur an der Ampel, sondern auch im Notfall jederzeit und zügig möglich ist“, rät Dr. Walter. Die Verletzungen bei schweren Stürzen aufgrund der fixierten Klickpedale betreffen meist nicht nur die Hände, sondern vor allem auch die Bein- und Schulterpartie. „Empfehlenswert ist daher, die Gelenke mit entsprechenden Protektoren zu schützen. Zudem sollten Radsportler ihre Fahrweise entsprechend ihres individuellen Leistungsstandes wählen, denn auch Protektoren können nicht vor allen schweren Verletzungen schützen.“


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