21.12.2017, 00:29 Uhr

Gefahr für Augen, Ohren und Hände Tipps für den sicheren Umgang mit Silvester-Knallern und Rakete

(Foto: 123rf.com)(Foto: 123rf.com)

Silvester bedeutet nicht nur ausgelassenes Feiern, sondern auch Gefahr für Augen, Ohren und Hände – Dr. Thomas Etti rät zur Vorsicht!

LANDKREIS CHAM Silvester steht vor der Tür. Schon jetzt werden Feuerwerk, Böller und Co. verkauft, doch nur wer mit gebührendem Respekt damit umgeht und die Sicherheitshinweise beachtet, wird seine Freude daran haben. Dr. Thomas Etti, Chefarzt der Interdisziplinären Notaufnahme der Sana-Kliniken des Landkreises Cham, gibt Tipps zum sicheren Umgang mit Silvester-Knallern und -Raketen.

Auch in diesem Jahr wird es an Silvester wieder laut werden. Unzählige Knallkörper werden explodieren und Raketen werden gen Himmel zischen, um das neue Jahr zu begrüßen. Dr. Thomas Etti will niemandem die Freude am Feuerwerk nehmen, aber er mahnt zur Vorsicht: „So schön wie Silvesterfeuerwerk auch ist, Böller sind richtig gefährlich und verursachen jedes Jahr viele Verletzungen. Deshalb ist unbedingt größte Vorsicht geboten, um Verbrennungen, Verletzungen der Augen sowie Gehörschäden oder gar verstümmelnde Verletzungen an den Händen zu vermeiden.“

Verletzungen mit üblen Folgen

Explosionswunden beim Anzünden von Silvesterkrachern führen schnell zu ausgedehnten Verletzungen an der Hand bis hin zum Funktionsverlust. Wunden und Verbrennungen durch Feuerwerkskörper bedeuten häufig eine schwere Schädigung der Haut und auch des tiefer liegenden Gewebes. „Bei ‚größeren‘ Verletzungen sollte deshalb der oder die Betroffene immer in die Notaufnahme gebracht werden. Bei einer rechtzeitigen und richtigen Versorgung kann Folgeschäden vorgebeugt werden“, erklärt der Chefarzt der Interdisziplinären Notaufnahme.

Erste Hilfe bei Brandverletzungen – kühlen, aber nicht unterkühlen

Grundsätzlich gilt: Verletzte oder bewusstlose Personen müssen in dieser Jahreszeit mit Jacken und Decken warm gehalten und damit vor Unterkühlung geschützt werden. Bei Silvesterfeiern im Freien kann das lebensrettend sein. Leichte, nur wenige Zentimeter große Verbrennungen an Händen und Fingern sollten sofort unter laufendem kaltem bis lauwarmem Wasser – maximal zwei Minuten lang – gekühlt werden. Bei kleineren Verbrennungen im Gesicht kann dazu ein feuchtes Tuch verwendet werden. Das Kühlen hilft aber nur zur „gefühlten“ Schmerzlinderung und der schmerzlindernde Effekt hält nur kurz an. Es besteht immer die Gefahr, dass es bei einer zu massiven und ausgedehnten Kühlung zu einer Unterkühlung des Patienten kommt, die den Kreislauf zusätzlich belastet. Deshalb sollte auf alle Fälle das Kühlen auf die verbrannte Körperstelle begrenzt werden.

„Wenn die Brandverletzungen größer sind, die Augen geschädigt wurden oder Kinder betroffen sind, muss schnell der Rettungsdienst über die Telefonnummer 112 gerufen werden“, erklärt der Mediziner. Um blutende Wunden keimarm zu halten, empfiehlt er, die verbrannten Stellen auf jeden Fall locker zu umwickeln beziehungsweise zu bedecken, möglichst mit sterilen Verbandtüchern.

Kinder und Jugendliche schützen

Unter den Verletzten sind an Silvester zunehmend auch Kinder und Jugendliche. Besonders die acht- bis 15-Jährigen sind gefährdet und sollten deshalb nicht ohne Aufsicht an Feuerwerks-Aktivitäten teilnehmen und nicht zwischen dem Feuerwerk umherlaufen. Dr. Etti macht auf eine besonders heimtückische Gefahr aufmerksam: „Größere Kinder finden es besonders spannend, noch in den ersten Januartagen nach übriggebliebenem Feuerwerk auf der Straße zu suchen und nicht ganz abgebrannte Knallkörper erneut anzuzünden. Manchmal werden aus den Resten auch selbstgebastelte Knaller gebastelt. Das ist enorm gefährlich!“ Hier lautet die klare Botschaft: Finger weg von benutzten Feuerwerkskörpern! Sie stellen ein großes Risiko dar, weil sie nicht mehr in ihrer Wirkung und Funktion einzuschätzen sind.

Hilfe bei Schäden an Augen und Ohren

Besonders bei Verletzungen am Auge ist schnelles Handeln besonders wichtig. Dr. Etti empfiehlt: „Das getroffene Auge sollte sofort mit einer keimfreien Wundauflage aus dem Verbandskasten abgedeckt werden. Anschließend den Notarzt zur Hilfe rufen.“ Nur Fachleute sollten größere Splitter oder sonstige Fremdkörper aus dem Auge entfernen.

Und schließlich weist Dr. Etti noch auf eine weitere Gefahr hin: „Feuerwerkskörper sind nicht nur brandgefährlich, sie erzeugen in der Regel auch enormen Krach!“ Hier können sich jüngere Knallteufel und alle anderen Feuerwerksbegeisterte mittels Ohrstöpsel und ausreichendem Abstand schützen. Schließlich verursachen Böller ungefähr einen vergleichbaren Lärmpegel wie ein Presslufthammer, Raketen können es sogar bis auf Düsenflugzeugstärke bringen. Durch solchen Lärm kann ein Knalltrauma ausgelöst oder das Hörvermögen dauerhaft geschädigt werden. Auch hier gilt: Wenn das Ohr verletzt wird oder sogar Blut herausläuft, muss sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Vorbeugen ist besser als heilen

Vorbeugung beginnt schon beim Kauf eines in Deutschland ausdrücklich zugelassenen Feuerwerks mit sogenannter BAM-Nr. beziehungsweise dem europaeinheitlichen CE-Zeichen. Die Website der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) enthält die Listen mit den in Deutschland erlaubten Feuerwerksartikeln. Wer nicht zugelassene Böller kauft, macht sich strafbar. Für einige Böller gilt eine Alterseinschränkung ab 18 Jahren. Wer das ignoriert, kann im Schadensfall den Versicherungsanspruch verlieren. Achtung: Böller aus dem Ausland haben eine bis zu 50-fach größere Sprengwirkung als in Deutschland zugelassene Feuerwerkskörper.

Beim Anzünden einer Rakete oder eines anderen Feuerwerkartikels sollte unbedingt der angegebene Sicherheitsabstand eingehalten werden. Außerdem ist eine Schutzbrille sinnvoll. Feuerwerk darf auf keinen Fall in Richtung von Personen gehalten werden. Wer auf ausreichenden Abstand und auf die aktuelle Windrichtung achtet und außerdem nicht zwischen Feuerwerken herumläuft, vermeidet gefährliche Kontakte mit brennenden Raketen und umher fliegenden Böllerteilen. Gleiches gilt für das Abbrennen von Raketen: Wer sie unter Bäumen oder Überdachungen zündet, riskiert schwere Verletzungen durch zurückfallende, noch brennende Teile.


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