11.05.2018, 16:50 Uhr

Pilotprojekt Fliegende Spezialisten können 190 Millionen Nervenzellen retten

Das Team beim ersten Eingriff in Eggenfelden (v. li.): Pilot Dieter Lehr, Assistentin Agnes Jansen, Dr. Stephan Hofer, Dr. Frank Kraus, Dr. Christian und Pilot Jürgen Würtz. (Foto: Rottal-Inn Kliniken)Das Team beim ersten Eingriff in Eggenfelden (v. li.): Pilot Dieter Lehr, Assistentin Agnes Jansen, Dr. Stephan Hofer, Dr. Frank Kraus, Dr. Christian und Pilot Jürgen Würtz. (Foto: Rottal-Inn Kliniken)

Beim Schlaganfall zählt jede Minute. Um allen Patienten die schnellste und bestmögliche Therapie anbieten zu können, nehmen die Rottal-Inn Kliniken seit Februar 2018 am Pilotprojekt „TEMPiS Flying Interventionalists“ (TEMPiS-FIT) teil. Im Notfall wird ein spezialisiertes Interventionsteam aus München per Helikopter eingeflogen, um schwierige Eingriffe direkt in der Rottal-Inn Klinik Eggenfelden durchzuführen.

EGGENFELDEN Die Thrombektomie, eine bahnbrechende neue Behandlungsmethode, hat die Therapie des Schlaganfalls in den letzten Jahren revolutioniert. Dabei wird ein Blutgerinnsel, das eine Hirnarterie verstopft, mechanisch mithilfe eines Katheters entfernt. Der Eingriff erfordert große medizinische Erfahrung und muss so schnell wie möglich durchgeführt werden, um schwere Behinderungen zu vermeiden.

„Patienten in Eggenfelden, die für einen solchen Eingriff in Frage kommen, mussten bisher in einer aufwändigen Prozedur in eines der großen Schlaganfallzentren in München-Harlaching oder Regensburg verlegt werden“, erläutert Bernd Hirtreiter, Vorstand der Rottal Inn-Kliniken.

Um den damit verbundenen Zeitverlust zu vermindern, kehrt das Pilotprojekt „Flying Interventionalists“ dieses Prinzip jetzt um: der auf den Eingriff spezialisierte Experte fliegt zum Patienten, die Behandlung findet in Eggenfelden statt. Dadurch können schwer betroffene Patienten in Eggenfelden nun viel schneller behandelt werden.

Im Vergleich zu einer konventionellen Verlegung ist die neue Versorgungsstruktur nach Einschätzung des Projektleiters Dr. Gordian Hubert, Oberarzt am Klinikum Harlaching, im Schnitt 100 Minuten schneller, „und das bedeutet 190 Millionen Nervenzellen, die gerettet werden können“.

In der Pilotphase nehmen neben der Rottal-Inn Klinik Eggenfelden noch 10 weitere regionale Kliniken in Oberbayern, Niederbayern und der Oberpfalz an dem Projekt teil. Die fliegenden Ärzte sind erfahrene interventionelle Neuroradiologen aus dem Klinikum Harlaching und dem Klinikum rechts der Isar in München.

Die Flugbereitschaft wird zunächst an 26 Wochen im Jahr, 7 Tage die Woche, jeweils in der Zeit zwischen 8 und 22 Uhr zur Verfügung stehen.


0 Kommentare