21.11.2017, 16:13 Uhr

Situation im Landkreis Ärztliche Versorgung soll durch Anreize verbessert werden

Sprachen über die Situation der ärztlichen Versorgung im Landkreis Rottal-Inn (v. li.): MdL Reserl Sem, Martin Degenhardt (Repräsentant der KVB) und Landrat Michael Fahmüller. (Foto: Landratsamt Rottal-Inn)Sprachen über die Situation der ärztlichen Versorgung im Landkreis Rottal-Inn (v. li.): MdL Reserl Sem, Martin Degenhardt (Repräsentant der KVB) und Landrat Michael Fahmüller. (Foto: Landratsamt Rottal-Inn)

Wie steht es um die ärztliche Versorgung der Bürger im Landkreis Rottal-Inn jetzt und in der Zukunft? Diese Frage diskutierten Landtagsabgeordnete Reserl Sem und Landrat Michael Fahmüller in einem Informationsgespräch mit Martin Degenhardt, einem Repräsentanten für die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns.

ROTTAL-INN Dabei wurde vor allem eines deutlich: Um die ambulante ärztliche Versorgung in der Region zu sichern, braucht es Mediziner, die bereit sind, sich in der Region niederzulassen – und für die gibt es durchaus attraktive Anreize! Noch sieht es im Landkreis Rottal-Inn gut aus mit der ärztlichen Versorgung. Die meisten Gebiete liegen beim Versorgungsgrad deutlich über dem Durchschnitt. Lediglich im Bereich „Eggenfelden Nord“ ist der Versorgungsgrad kritisch – beispielsweise im Gemeindegebiet von Roßbach.

Aus diesem Grund weisen MdL Sem, Landrat Fahmüller und die KVB ausdrücklich darauf hin, dass für Ärzte, die bereit sind, sich im Planungsbereich Eggenfelden Nord niederzulassen, eine maximale Förderung durch Zuschüsse der KVB und der Bayerischen Staatsregierung möglich ist.

So kann ein Vertragsarzt oder Vertragspsychotherapeut, der sich in diesem Bereich niederlässt, mit einem einmaligen Zuschuss bis zu 112.500 Euro rechnen, eröffnet ein bereits niedergelassener Arzt oder Psychotherapeut eine Zweigpraxis in diesem Bereich, so ist ein Zuschuss bis zu 28.125 Euro möglich.

Zur Praxisaufbauförderung wird ein Zuschuss zum Honorar von bis zu 85 Prozent des durchschnittlichen Honorarumsatzes der Fachgruppe gewährt. Wird zusätzlich ein Arzt oder Psychotherapeut in der Praxis angestellt kann eine Förderung bis zu 5.000 Euro pro Quartal gewährt werden, und ältere Ärzte können mit bis zu 4.500 Euro Zuschuss pro Quartal rechnen, wenn sie ihre Praxis über das 63. Lebensjahr hinaus fortführen. Weitere Förderungen sind für die Beschäftigung von Weiterbildungsassistenten und Psychotherapeuten in Ausbildung sowie von Versorgungsassistenten/Präventionsassistenten in der Kinder- und Jugendmedizin möglich.

Was die allgemeine fachärztliche Versorgung im Landkreis angeht, so liegt man auch hier in allen Bereichen über dem Durchschnitt der Grundversorgung. Allerdings wissen alle Beteiligten auch, dass dies eine rein rechnerische Aussage ist, die sich nicht unbedingt immer mit der Realität der Bürger deckt. Obgleich beispielsweise eine 126-prozentige Abdeckung mit Kinderärzten im Landkreis mathematisch gesehen eine überdurchschnittliche Versorgung suggeriert, können Bürger in manchen Gegenden durchaus Probleme haben, einen Termin bei einem guten Kinderarzt zu bekommen.

Noch stärker tritt diese Problematik in der spezialisierten fachärztlichen Versorgung zutage, da der Versorgungsgrad hier auf größere geographische Einheiten berechnet wird: So liegt beispielsweise der Versorgungsgrad mit Kinder- und Jugendpsychiatern in der „Raumordnungsregion Landshut“ bei über 160 Prozent. Das Problem: Die meisten davon sitzen eben tatsächlich in Landshut und der näheren Umgebung, im Landkreis Rottal-Inn sieht es dagegen schlecht aus. Diese Problematik müsse jedoch durch den Gesetzgeber gelöst werden.

Ein weiteres, dringliches Thema des Gesprächs waren die Bereitschaftsdienste. Hier plant die KVB eine Neuordnung, wobei feste Bereitschaftspraxen eingerichtet werden sollen, die dann abwechselnd von den diensthabenden Bereitschaftsärzten besetzt werden. Eine Problematik besteht hierbei darin, dass nur niedergelassene Ärzte die Pflicht zu Bereitschaftsdiensten haben. Gibt ein niedergelassener Arzt den Dienst beispielsweise an angestellte Ärzte ab, so bleibt die Haftung bei ersterem – auch ein Kriterium, das so manchen Arzt davon abhalten könnte, sich in unterversorgten Regionen niederzulassen.

Auch hier will die KVB tätig werden, indem ein Pool aus Bereitschaftsärzten gebildet wird, in dem dann beispielsweise auch Ärzte im Ruhestand, Krankenhausärzte und angestellte Ärzte offiziell tätig sind. Ausdrücklich wird hier auf die Telefonnummer 11.6117 der KVB hingewiesen, über die Bürger jederzeit erfahren können, an welchen Bereitschaftsarzt sie sich wenden können.

MdL Reserl Sem und Landrat Fahmüller sind sich einig darin, dass eine gute ärztliche Versorgung der Bürger im Landkreis oberste Priorität hat. Beide begrüßen daher ausdrücklich die Förder- und Neuerungsmaßnahmen der KVB, weisen jedoch auch darauf hin, dass diese bezogen auf die Zukunft der ärztlichen Versorgung nur ein Baustein sein können.

Um die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum dauerhaft zu gewährleisten seien weitere Maßnahmen notwendig, die seitens des Gesetzgebers bzw. der Regierung auf den Weg gebracht werden müssten.


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