30.05.2018, 10:42 Uhr

Spitzenwerte Wie sicher ist das Planschen in Seen in und um Passau?


Interview mit Gesundheitsamts-Chef Dr. Walter Wifling

PASSAU Temperaturen um und sogar über 30 Grad Ende Mai – der Sommer hat Einzug gehalten und unsere heimischen Badegewässer laden zum genussvoll-spaßigen Planschen ein. Die PaWo sprach mit Dr. Walter Wifling vom Passauer Gesundheitsamt über die Qualität der Badeseen in und um Passau:

Wie sieht es in puncto Wasserqualität mit den Badeseen in und um Passau aus?

Die Passauer Region verfügt über acht Badeseen, die nach den strengen Vorgaben der Europäischen Union regelmäßig durch das Gesundheitsamt beprobt werden. Die Vorsaisonproben von Ende April liegen vor und zeigen – wie auch in den letzten Jahren – gleichbleibend ausgezeichnete Qualität. Untersucht wird auf Bakterien, die mit dem Darm von Menschen und Tieren ausgeschieden werden (Colibakterien, intestinale Enterokokken). Wenn hier Grenzwerte überschritten würden, wäre das Gewässer zum Baden nicht mehr geeignet. Es muss uns allerdings bewusst sein, dass ein Badesee natürlich nie vollständig keimfrei sein kann. Ein letztes Restrisiko bleibt immer, wobei am ehesten mit dem Auftreten von Durchfallerkrankungen zu rechnen ist.

Wie kann der normale Badegast die Qualität des Wassers prüfen?

Dabei kann von der Optik der Wasseroberfläche nur sehr bedingt auf die tatsächliche mikrobiologische Qualität geschlossen werden. Es versteht sich von selbst, dass Menschen mit offenen Wunden nicht ins Wasser gehen sollten; Verschlucken von Wasser sollte nach Möglichkeit vermieden werden.

Monatliche Kontrolle der Wasserqualität

Wie oft werden unsere Badeseen kontrolliert?

Die Werte unserer Badeseen werden während der Badesaison in etwa vierwöchigem Abstand nach Vorgabe des Landesamtes für Gesundheit weiter kontrolliert. Sie sind auf der Homepage des Landratsamtes veröffentlicht und werden auch auf Hinweistafeln vor Ort angeschlagen.

Welche(s) Problem(e) haben unsere Badeseen?

In den letzten Jahren war bei einigen Badeseen die sogenannte „Zerkariendermatitis“ zu beobachten. Diese tritt unabhängig von der mikrobiologischen Qualität auf, wenn Wasservögel, insbesondere Enten, die Gewässer bevölkern. Es handelt sich hierbei um Larvenstadien von Saugwürmern, die vom Entenkot ausgeschieden werden und sich an die Menschen als „Fehlwirt“ anhaften. Es stellt sich bei sensibilisierten Personen ein starker Juckreiz ein, der einige Tage anhalten kann. Der Befall ist unangenehm, jedoch nicht gefährlich. Es lässt sich auch nicht im Vorhinein prognostizieren, an welchem Gewässer und zu welchem Zeitpunkt dieser Zerkarienbefall auftreten wird. Vorbeugend empfehlen wir nach dem Verlassen des Wassers die Badebekleidung zu wechseln und den Körper mit einem Handtuch kräftig abzutrocknen. Möglichst kurzer Aufenthalt in seichten Uferabschnitten mit Pflanzenbestand, dafür Schwimmen in tieferen Gewässerbereichen senkt das Risiko erheblich.

Und was wird dagegen getan?

In unseren zahlreichen schönen Freibädern mit geregelter Aufbereitung und geringer Chlorierung wird sichergestellt, dass keine pathogenen Keime von einem Badegast auf den nächsten übertragen werden. Auch dieses Wasser muss vom Betreiber mehrmals pro Jahr mikrobiologisch und chemisch untersucht werden. Sie weisen im Vergleich zu den Naturbadeseen eher eine höhere Sicherheitsstufe auf, wobei hier selbstverständlich auch das Auftreten einer Zerkariendermatitis auszuschließen ist.


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