16.02.2018, 13:29 Uhr

Grippewelle Schon 1.105 Fälle in Stadt und Landkreis Passau – wie schützt man sich?


Grippewelle: Dr. Walter Wifling informiert

PASSAU Deutschland leidet unter einer Dauer-Grippe; die Neuerkrankungen haben ein neues Hoch erreicht, auch in Bayern explodiert die Zahl der Grippe-Erkrankungen. In der ersten Februar-Woche meldeten Hausärzte und Krankenhäuser einen Rekord an Neuerkrankungen. Die PaWo sprach mit Gesundheitsamts-Chef Dr. Walter Wifling über die aktuelle Situation.

Stichwort: Grippeimpfung. Was spricht dafür und was eventuell dagegen?

Die Grippeimpfung kann das Risiko, an einer echten Influenza zu erkranken, deutlich senken. Diese stellt eine akute, schwere Erkrankung mit Komplikationsmöglichkeiten dar und ist nicht zu verwechseln mit banalen grippalen Infekten, die durch verschiedene andere Viren verursacht werden. Die Impfung ist deshalb insbesondere chronisch Kranken mit Herzkreislauf-, Atemwegs-, Stoffwechselerkrankungen, Immungeschwächten, Älteren über 60 Jahren sowie Schwangeren zu empfehlen. Personen mit vielen Kundenkontakten, in Gemeinschaftseinrichtungen oder im medizinischen Bereich sollten sich impfen lassen, um die Ausbreitung von Infektketten zu vermindern. Man muss sich allerdings bewusst sein, dass nicht alle Geimpften eine ausreichende Immunität entwickeln, der Impfstoff eventuell nicht alle auftretenden Influenzastämme abdeckt und es nach Impfung etwa 10 bis 14 Tage dauert, bis ein Schutz auftritt. Die Impfung ist zudem jährlich zu wiederholen. Man kann also trotz Impfung an Grippe erkranken, wenn auch mit geringerer Wahrscheinlichkeit. Selbstverständlich hilft die Impfung auch nicht gegen andere Erreger von Atemwegsinfekten. Grippeimpfstoffe sind gut verträglich; die Indikation zur Impfung kann großzügig gestellt werden. Menschen mit Hühnereiweißallergie dürfen nicht geimpft werden. Die manchmal geäußerte Meinung, man sei wegen einer Impfung dann besonders schwer an Grippe erkrankt, gehört in das Reich der Mythen.

Ausgeprägte Influenza-Saison

Haben Sie aktuelle Zahlen für uns?

Für die Saison 2017/2018 liegen uns für Stadt und Landkreis Passau bislang 1.105 laborbestätigte Fälle vor, wobei die Meldungen in den letzten beiden Wochen mit jeweils etwa 400 Fällen stark angestiegen sind. Die tatsächlichen Erkrankungszahlen sind natürlich wesentlich höher, da längst nicht bei allen Fällen ein Rachenabstrich zur Diagnosesicherung vorgenommen wird. Es ist noch für einige Wochen mit einer hohen Influenza-Aktivität zu rechnen, die dann im Laufe des März/April allmählich abflauen wird. Es zeichnet sich somit wieder eine ausgeprägte Influenza-Saison ab, die sich aber auch nicht grundsätzlich von anderen Jahren oder Regionen unterscheidet. In der vergangenen Saison wurden deutschlandweit 112000 Fälle, in Bayern 17.500 Fälle und in Stadt- und Landkreis Passau 1324 meldepflichtige Fälle nach dem Infektionsschutzgesetz registriert.

Wie schützt man sich allgemein am besten vor einer Ansteckung?

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt allgemeine Hygienemaßnahmen wie häufiges Händewaschen mit Seife, in den Ärmel husten oder niesen, um die Ausbreitung der infektiösen Tröpfchenwolken zu begrenzen sowie Verwendung von Papiertaschentüchern, die nur einmal benutzt werden. Wer die Hände von den Schleimhäuten der Nase, des Mundes und der Augen fernhält, schützt sich vor Infektionen. Temperaturangepasste Kleidung sowie ein allgemein stärkender Lebenswandel mit gesunder Ernährung, ausreichend Schlaf und Abhärtung des Körpers tragen zur Gesundheit bei. Kranke sollten im eigenen Interesse, aber auch im Interesse ihrer Mitmenschen zu Hause bleiben. Ansteckung erfolgt am ehesten dort, wo viele Menschen zusammenkommen, wie in Einkaufszentren, öffentlichen Verkehrsmitteln, aber auch Festlichkeiten, wie jetzt in der Faschingszeit. Abstand halten ist wohl die wichtigste Vorsichtsmaßnahme. Allerdings sollte man vor lauter Risiko auch nicht die Freude am Leben und am Umgang mit Mitmenschen vergessen. Diese Abwägung und Balance muss jede(r) entsprechend der individuellen Risikotoleranz selber treffen. Einen hundertprozentig sicheren Schutz gibt es nicht.

Eine Frage, die sich viele Eltern stellen: Muss mein Kind wirklich Hausaufgaben machen, wenn es krank ist?

Ein krankes Kind mit Fieber und Allgemeinsymptomen sollte man nicht auch noch mit Hausaufgaben belasten. Neben der körperlichen ist auch die geistige Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Hausaufgaben zu machen bringt dann wenig; Gelerntes bleibt nicht haften. Bei Beschwerdebesserung oder wenn das Fernbleiben vom Unterricht überwiegend deshalb erfolgt, um Mitschüler nicht anzustecken, kann das Kind adaptiert an den Gesundheitszustand schrittweise wieder an geistig fordernde Tätigkeiten herangeführt werden. In dieser Situation sollten Hausausgaben jedenfalls nicht als Belastung oder Bestrafung wegen der durchgemachten Erkrankung empfunden werden.


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