22.12.2017, 10:00 Uhr

Heiß und gesund Nach dem Tee ist für die Seele Sommer

Schmeckt und tut gut: Eine heiße Tasse Tee ist in der kalten Jahreszeit nicht nur wohltuend, sondern oft auch gesund. (Foto: AOK)Schmeckt und tut gut: Eine heiße Tasse Tee ist in der kalten Jahreszeit nicht nur wohltuend, sondern oft auch gesund. (Foto: AOK)

Der wohltuende Fitmacher lässt Schnee und Eis vergessen.

PASSAU Egal ob bei Erkältung, Magen-Darm-Problemen, Stress oder Blasenentzündung: Kräutertees können leichte Beschwerden beheben – und das mit keinen oder kaum Nebenwirkungen. Qualität und Zubereitung müssen allerdings stimmen.

„Nach dem Tee ist für die Seele Sommer“, so lautet ein russisches Sprichwort. Denn eine heiße Tasse Tee vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit und wärmt Körper wie Seele – gerade wenn es draußen nasskalt ist, wenn es stürmt oder schneit.

Zusätzlich kann die Kraft so mancher Kräuter auch leichte gesundheitliche Beschwerden lindern und eine ärztliche Therapie unterstützen.

„Die besondere Wirkung von Heilpflanzen ist nicht auf einen einzelnen Inhaltsstoff zurückzuführen, sondern auf ein Wirkstoffgemisch“, erklärt Dorothea Jansen, Ernährungsberaterin bei der AOK. Ätherische Öle, Flavonoide, Bitter-, Gerb- und Schleimstoffe zum Beispiel ergänzen sich auf natürliche Weise in dem für die jeweilige Pflanze spezifischen Ensemble an Stoffen. So ist auch zu erklären, warum eine Heilpflanze nicht nur zur Behandlung eines Symptoms geeignet ist, sondern der Cocktail an Inhaltsstoffen oft auch bei ganz anders gelagerten Beschwerden hilft.

Kamille zum Beispiel ist eine sehr vielseitige Heilpflanze. Sie wirkt entzündungshemmend, krampflösend, desinfizierend und immunstimulierend. Die getrockneten gelb-weißen Blütenköpfchen helfen deshalb bei Erkältungskrankheiten, vor allem bei einer Reizung der Mund- und Rachenschleimhaut, aber auch bei Verdauungsproblemen, Übelkeit und Magenschleimhautentzündung. Und: Die Kamillezubereitung ist auch äußerlich anzuwenden – bei Erkältungskrankheiten ist vor allem Inhalieren oder Gurgeln angesagt. Umschläge und feuchte Verbände mit Kamillentee können bakterielle Hauterkrankungen bekämpfen. Auch die Pfefferminze ist vielseitig einsetzbar. Der beliebte Kräutertee wirkt krampflösend und regt den Gallenfluss an. Pfefferminztee ist deshalb besonders bei krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden hilfreich. Den mentholhaltigen Blättern werden aber auch keimtötende Eigenschaften zugeschrieben, sodass ein Pfefferminztee auch bei Entzündungen der Schleimhäute im Bereich der Atemwege eingesetzt werden kann.

Egal, ob Kamillen-, Pfefferminz-, Fenchel- oder Melissentee: Sie sind zwar in jedem Lebensmittelladen zu kaufen – doch nur als Arzneitee ist der Gehalt an Inhaltsstoffen geprüft und entspricht den Richtlinien des Deutschen-Arzneibuchs. So muss ein Kamillentee für seine Heilwirkung mindestens vier Milliliter ätherisches Öl je Kilo Blüten enthalten, bei einem herkömmlichen Kamillentee reicht ein Zwanzigstel. Pfefferminze als Arzneitee enthält zwölf Milliliter ätherische Öle pro Kilo Blätter, ein „normaler“ Pfefferminztee nur 0,6 Milliliter. Wenn ein Tee nicht nur den Abend gemütlicher, sondern gesundheitlich wirken soll, ist es also ratsam, ihn in der Apotheke oder im Drogeriemarkt zu kaufen. Erkennbar sind Arzneitees am Vermerk „verwendbar bis“, bei herkömmlichen Tees ist das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) angegeben.

Alleskönner: Kamillentee und Pfefferminztee

Der Hals kratzt, die Nase läuft – gegen Erkältungssymptome ist neben der Kamille noch so manches andere Kraut gewachsen. Ein Tee aus Lindenblüten zum Beispiel kann die Abwehrkräfte aktivieren und möglicherweise einen grippalen Infekt noch abwenden, wenn gleich bei den ersten Symptomen zwei bis drei Tassen getrunken werden. Ist die Erkältung schon ausgebrochen und geht mit Fieber einher, eignet sich Lindenblütentee für eine Schwitzkur im Bett. Ein ausgesprochen gutes Hustenmittel ist Thymian. Ein Tee mit dem herb-würzigen Kraut enthält ätherische Öle, die zähen Schleim verflüssigen, das Abhusten erleichtern und zusätzlich Hustenkrämpfe stillen. Wegen seiner antibakteriellen Eigenschaften ist Thymiantee generell bei Entzündungen der Atemwege geeignet. Bei Halsschmerzen kann ein Trunk aus Salbei Keime abtöten und die Entzündung an den Mund- und Rachenschleimhäuten eindämmen. „Wenn allerdings das Fieber über längere Zeit anhält oder über 39 Grad steigt, sich Atemnot einstellt, die Stirn- oder Kiefernhöhlen schmerzen, ist ein Arztbesuch angesagt“, betont AOK-Expertin Jansen.

Die „Wunderwurzel“ Ingwer kann als heißer Trunk sowohl Entzündungen und Hustenreiz lindern als auch Verdauungsstörungen bekämpfen. Dabei hat sich die scharfe Knolle vor allem bei Reiseübelkeit bewährt. Die Stärke von Anis, Fenchel und Kümmel: Als Tee tun diese Mittel bei Blähungen wohl, weil sie die Krämpfe lösen. Bei Verstopfung kommen Sennesblätter infrage. Sie reizen die Darmwand und regen den Darm dazu an, sich häufiger zusammenzuziehen. Doch Achtung: Ein solcher Abführtee sollte nicht länger als ein paar Tage getrunken werden, weil sich der Darm sonst daran gewöhnt.

Ein unaufschiebbarer Harndrang, verbunden mit Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen – diese Symptome lassen an eine Blasenentzündung denken. Ein Tee aus Bärentraubenblättern gilt als klassisches Mittel gegen leichte Blasenentzündungen, denn die Blätter der Bärentraube können Blase, Niere und ableitende Harnwege desinfizieren. Weil jedoch nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann, dass Bärentraubenblätter bei längerer Anwendung krebserregende und erbgutverändernde Eigenschaften haben, sollte ein solcher Tee nur in der akuten Phase getrunken werden. Zusätzlich zur Desinfektion ist eine Entwässerung sinnvoll, die ableitenden Harnwege sollten ordentlich durchgespült werden. Als Durchspülungstees eignen sich Brennnessel, Birke, Goldrute, Heuhechel, Orthosiphon oder Schachtelhalm. Viele Blasen-Nieren-Tees enthalten deshalb eine Kombination einiger dieser Mittel, mit oder ohne Bärentraubenblätter.

Wirksam sind pflanzliche Mittel auch bei innerer Unruhe, Stress und nervös bedingten Einschlafstörungen. Insbesondere Baldrian ist dafür bekannt zu beruhigen, ohne die Konzentrationsfähigkeit zu beeinträchtigen. Deshalb ist ein Tee aus der Baldrianwurzel nicht nur als Einschlaftee geeignet – eine Stunde vor dem Schlafengehen getrunken –, sondern kann auch gut tagsüber eingesetzt werden, zum Beispiel gegen Prüfungs- und Auftrittsängste. Hopfenzapfen sind nicht nur für Bierbrauer interessant, sondern auch für Menschen mit Schlafstörungen und Nervosität. In Kombination mit Melisse und Lavendel wird die ausgleichende Wirkung von Baldrian und Hopfen noch verstärkt. Besonders beruhigend ist es, wenn wir den heißen Trunk bewusst genießen, Schluck für Schluck. Allein dieses Ritual bringt Ruhe in den Alltag.


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