20.04.2020, 13:15 Uhr

Tausende Schutzschilde am Tag Dräxlmaier steigt in Produktion von Corona-Visieren ein


Bisher war Dräxlmaier als Zulieferer der Automobilindustrie bekannt. In wenigen Tagen soll ein neuer Geschäftszweig wachsen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Vilsbiburg wird Großproduzent von Gesichtsvisieren, die in der Corona-Krise dringend gebraucht werden. Schon am Freitag soll es los gehen.

Landshut. Unternehmenssprecher Dr. Tobias Nickel bestätigte auf Anfrage die Pläne: „Wir haben dafür extra ein Werkzeug gefertigt“, erklärte er. Bei diesem Werkzeug handelt es sich um einen Metallblock, in den der Kunststoff für die Masken gespritzt wird. Das Verfahren ermöglicht eine Produktion in großem Maßstab. Wie viele Visiere genau am Tag produziert werden können, müsse sich zwar erst noch herausstellen, so Nickel. „Es werden mit Sicherheit aber einige Tausend sein.“

Gesichtsschilder oder Visiere werden im Zuge der Corona-Krise dringend gebraucht. Das medizinische Personal in Krankenhäusern ist auf die Schutzausrüstung angewiesen, aber zum Beispiel auch Zahnärzte, von denen bereits vor der Corona-Krise viele mit solchen Schilden ausgerüstet waren. Sie halten möglicherweise infektiöse Speicheltröpfchen vom Gesicht des Trägers fern und sind damit eine wichtige Schutzkomponente.

Schon vor einigen Wochen hatte Dräxlmaier dem Landkreis 80 Visiere für medizinisches Personal gespendet. „Die waren noch im 3D-Drucker hergestellt worden“, so Nickel. Effektiv sei das aber nicht gewesen. Der Grund: Die Produktion dauert auf diese Art viel zu lange. Auch die 2.000 Visiere, die die Hochschule für den Katastrophenschutz der Stadt Landshut zur Verfügung gestellt hat, konnten nur deshalb innerhalb von zwei Wochen angefertigt werden, weil sich viele Studenten, die zu Hause einen Kunststoffdrucker haben, an der Hilfsaktion beteiligt hatten. Rund viereinhalb Stunden, so wurde Wissenschaftsminister Bernd Sibler bei einem Besuch in der letzten Woche in der Hochschule erklärt, hätte der Druck einer Maske gedauert.

„Wir wollen das stärker industrialisieren“, So Nickel zu den Plänen Dräxlmaiers. Das Spritzguss-Verfahren, das zur Anwendung komme, mache wesentlich größere Stückzahlen möglich. „Derzeit läuft auch die CE-Zertifizierung“, so der Unternehmenssprecher. Die Schilde „Made in Niederbayern“ sollen die erforderlichen Qualitätsstandards erfüllen.

Mit den Masken will Dräxlmaier dann zwar zunächst die Einrichtungen in der Region unterstützen – aber auch den weltweiten Markt versorgen. Wie genau der Vertrieb organisiert werde, sei noch nicht bis ins Detail geklärt, so Nickel. Wahrscheinlich werde man die Visiere, die an einem Dräxlmaier-Standort in Niederbayern gefertigt werden sollen, direkt vertreiben, „aber wohl auch über Amazon“.


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