19.12.2019, 11:28 Uhr

Gelungene Operation im Klinikum Landshut Ärzte implantieren kleinsten Herzschrittmacher der Welt


Gerhard Haasner ist der erste Patient, der in Landshut einen Kapsel-Schrittmacher eingesetzt bekommen hat. Es handelt sich laut Hersteller um den kleinsten Herzschrittmacher der Welt.

LANDSHUT Der winzige Schrittmacher ist nur wenige Zentimeter lang und ein kleines Technikwunder. Mitte Dezember wurde das Gerät erstmals in Landshut – im Herzkatheterlabor des Klinikums – eingesetzt. Der etwa 45-minütige Eingriff sei reibungslos verlaufen, berichtet Privatdozent Dr. Joachim Seegers, Leiter der Sektion Elektrophysiologie an der Klinik für Kardiologie.

Bei dem minimal-invasivem Eingriff ist nur ein kleiner Schnitt an der Leiste nötig – anders als bei einem normalen Schrittmacher, bei dem eine Operation über das Schlüsselbein notwendig ist. Durch ein Blutgefäß wird ein Draht bis zum Herzen geführt. Das Blutgefäß wird dabei etwa fingerdick aufgedehnt, bis es groß genug ist für die sog. Arbeitsschleuse. An dieser Arbeitsschleuse ist auch der Schrittmacher befestigt. Sehr vorsichtig wird der Schrittmacher dann über die Herzklappe immer weiter vorgeschoben. Das Ziel ist die rechte Herzkammer: Dort wird der Schrittmacher mit den Widerhaken an der Wand verankert. „Der Eingriff erfordert eine hohe Aufmerksamkeit, man muss sehr langsam und bedächtig vorgehen“, so Dr. Seegers, der das Verfahren am Universitätsklinikum in Regensburg erlernt hat. Zwölf Jahre hält die Batterie, dann muss das winzige Gerät gewechselt werden – damit hält der kleine Schrittmacher genauso lange wie die großen.

Der Mini-Schrittmacher ist nur für ausgewählte Patienten geeignet, wenn nämlich Nachteile von einem klassischen Schrittmacher zu erwarten sind. Das sind vor allem Dialyse-Patienten, die zusätzlich herzkrank sind. So wie bei Gerhard Haasner: Bei ihm war vor etwa einem Jahr eine Dialysepflicht festgestellt worden – jetzt musste sein transvenöser Schrittmacher gegen die kleine Kapsel getauscht werden. Auf seinem alten Schrittmacher war es bereits zu einer Keimverschleppung gekommen. „Bei dem Kapsel-Schrittmacher ist das Infektionsrisiko viel geringer“, so Dr. Seegers. Einer der größten Vorteile ist außerdem, dass das Mini-Gerät ohne Elektrodenkabel auskommt und direkt in der Herzkammer mit Widerhaken an der Herzwand eingesetzt wird. Das Kabel kann somit nicht mehr verschleißen. Bei extrem schlanken Patienten ist der Schrittmacher außerdem nicht mehr von außen sichtbar.

Gerhard Haasner hat den Eingriff gut überstanden. „Mir geht es gut, nur die Leiste tut noch etwas weh“, erzählt der 72-Jährige.


0 Kommentare