29.07.2019, 15:11 Uhr

„Fehler im System“ Massive Einschnitte bei der Geburtshilfe in Vilsbiburg

Das Kreiskrankenhaus in Vilsbiburg.Foto: Schmid  (Foto: Schmid)Das Kreiskrankenhaus in Vilsbiburg.Foto: Schmid (Foto: Schmid)

Die Rahmenbedingungen sind eigentlich ideal um ein Kind zu Welt zu bringen. Die Atmosphäre ist entspannt, die Ausstattung hochmodern und der Landkreis Landshut steht fest zu seinem Kreiskrankenhaus in Vilsbiburg, in das er Millionenbeträge investiert. Trotzdem: Die Geburtshilfe dort steht vor einer ungewissen Zukunft. Das hat am Montag Landrat Peter Dreier im Rahmen einer Pressekonferenz mit Dr. Johann Hatzl, Vorstand beim Kommunalunternehmen Lakumed, das die Kreiskrankenhäuser betreibt, bekannt gegeben. Beide kündigten „sofortige Einschnitte in die Rund-um-die-Uhr-Versorgung“ an. Ein Gesetz hängt dabei wie ein Damoklesschwert über der Abteilung.

VILSBIBURG In Deutschland ist es laut diesem Gesetz Pflicht, dass bei jeder Geburt eine Hebamme anwesend sein muss. Das Problem bei den Hebammen geführten Kreißsälen in Vilsbiburg: „Wir haben nicht genug Hebammen“, so Landrat Dreier, der in diesem Zusammenhang von einem „Fehler im System“ spricht, der der Geburtsklinik in Vilsbiburg den Garaus machen könnte. Zwar darf demnach eine Hebamme eine Geburt alleine betreuen, nicht aber ein studierter Mediziner.

Weil es zudem in Vilsbiburg nur mehr rund 230 Geburten pro Jahr gibt, lohnt es sich für Hebammen wegen der niedrigen Geburtenzahl aber finanziell nicht, im Vilsbiburger Kreißsaal zu arbeiten. Sie kümmern sich lieber um Vor- oder Nachsorge.

Zwar hat der Landkreis finanzielle Anreize geschaffen und die Entlohnung massivst aufgestockt, geholfen hat aber nicht einmal das etwas. „Dabei gibt es derzeit in Deutschland so viele Hebammen wie noch nie“, so Dreier zu der kuriosen Situation. „Eigentlich müsste es in dem Gesetz heißen, dass eine Geburt auch ohne Hebamme stattfinden darf“, so Hatzl.

Ob das der Geburtshilfe in Vilsbiburg etwas nützen würde, ist aber fraglich. Denn es gibt auch noch einen Mangel an Ärzten, die die Betreibergesellschaft Lakumed zu weiteren Umstrukturierungen im Zusammenhang mit dem kleinen Krankenhaus zwingt. So soll die Gynäkologie in Zukunft vom Chefarzt der Abteilung im großen Kreiskrankenhaus in Achdorf, PD Dr. med. Lorenz Rieger, übernommen werden.

„Sicherheit für Mutter und Kind sind die oberste Prämisse für die Lakumed Kliniken“, so Dreier und Hatzl auf der Pressekonferenz zur Geburtshilfe. Es müsse sichergestellt sein, dass die für Geburten in Krankenhäusern geltenden Strukturmerkmale bei jeder Geburt eingehalten werden. „Das heißt, ärztliche und Hebammenbereitschaft müssen gleichzeitig verfügbar sein und die Vorschriften der Arbeitsgesetze müssen eingehalten werden“, so Dreier und Hatzl.

Diese Voraussetzungen können in der Geburtshilfe des Krankenhauses wegen nicht zu besetzender Stellen nicht mehr 24 Stunden an 365 Tagen garantiert werden, so dass zu manchen Zeiten keine Spontangeburten mehr versorgt werden dürfen.

Da der Lakumed-Verband aber mit dem Perinatalzentrum Landshut-Achdorf über eine Geburtshilfe mit einer 24-Stunden-Versorgung verfügt, können Patientinnen in den Zeiten, in denen sie in Vilsbiburg nicht versorgt werden können, nach Landshut verlegt werden. Über eine Telefonnummer (08741/60-3185) kann ab sofort angefragt werden, ob Spontangeburten im Krankenhaus Vilsbiburg noch angenommen werden.


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