09.08.2018, 13:18 Uhr

Urlaubsvorbereitung Was ein Experte in die Reiseapotheke packt

Dr. Mario Kager, Leiter der Klinikums-Apotheke. Foto: ad  (Foto: Schmid)Dr. Mario Kager, Leiter der Klinikums-Apotheke. Foto: ad (Foto: Schmid)

Reisepass, Wanderstiefel, Schnorchel, Badehose – wer seinen Urlaubskoffer packt, darf vor lauter Vorfreude aber vor allem eines nicht vergessen: die Reiseapotheke. Auch in der schönsten Zeit des Jahres kann es einen schlimm erwischen. Wir haben einen Experten, Dr. Mario Kager, den Chef-Apotheker des Klinikums, gefragt, was unbedingt mit in den Koffer muss. Das ist gar nicht so wenig.

LANDSHUT „Auf keinen Fall darf man die Medikamente vergessen, die man auch zu Hause dauernd einnehmen muss. Da empfiehlt es sich, etwa ein Drittel mehr einzupacken, als man für den Zeitraum des Urlaubs eigentlich braucht“, so Kager. Der Grund ist einfach: Schnell ist ein Flieger oder eine Fähre verpasst und es geht nicht wie geplant weiter. Gehen dann die wichtigen Pillen aus, hat man ein Problem. Zwar gibt es auch in den Reiseländern Apotheken, allerdings mahnt der Klinikums-Apotheker zur Vorsicht. „Im Ausland gibt es ein Riesenproblem mit gefälschten Medikamenten. Man kennt die Vertriebswege nicht genau.“ Ein Risiko, das man nicht eingehen sollte – nicht einmal in Ländern der Europäischen Union. So gebe es zum Beispiel in Griechenland Probleme mit gefälschten Medikamenten. Deshalb: Lieber auf Nummer sicher gehen und einen größeren Vorrat mitnehmen.

Was auch unbedingt ins Gepäck muss, sind natürlich die Klassiker: Medikamente gegen Durchfall, Fieber und Schmerzen. „Wer mit Kinder verreist, sollte dabei allerdings beachten, dass Aspirin für sie nicht geeignet ist. Für sie sollte man lieber Paracetamol einpacken.“ Für Kinder unter 12 könnte der oft als „Hausmittel“ eingesetzte Wirkstoff Acetcylsalicylsäure unter Umständen schwerwiegende Nebenwirkungen haben.

„Ich nehme auch immer Lutschtabletten und Hustenblocker mit“, so der 59-Jährige. Oft liegt man im Urlaub mit der ganzen Familie in einer Ferienwohnung oder einem gemeinsamen Hotelzimmer. Wenn dann einer plötzlich unter Reizhusten leidet, kann das für die Mitreisenden nachts schnell zur Tortur werden.

Außerdem sollten Medikamente gegen Verdauungsprobleme, wie Sodbrennen und Verstopfung, im Notfallköfferchen nicht fehlen. Absolut empfehlenswert: An Medikamente gegen die Reisekrankheit denken. Die kann nämlich plötzlich auftreten und sogar diejenigen treffen, die bisher noch nie darunter gelitten haben. „Mir selbst ist das auf einer mehrstündigen Busreise so passiert. Das taucht dann ganz plötzlich auf und man fühlt sich hundeelend“, so der Chef-Apotheker des Klinikums. Beachten sollte man allerdings, dass man nach der Einnahme dieser Medikamente nicht mehr selbst ein Fahrzeug führen darf.

Wer einen Tauchurlaub plant, sollte Nasen- und Ohrentropfen nicht vergessen. Abschwellende Medikamente für die Schleimhäute sind wichtig, damit die Eustachi‘sche Röhre – die Verbindung zwischen Rachen und Mittelohr – frei bleibt. „Auch können Kinder, die im Flieger sitzen, den Druckausgleich nicht so gut machen wie Erwachsene“, so Kager. Für die empfehlen sich dann auch abschwellende Medikamente. Außerdem sollte man an Repellents für die Mückenabwehr, eventuell sogar an ein Moskitonetz denken, wenn man in südliche Länder reist. Bei Fernreisen darf man zudem die nötigen Impfungen nicht vergessen und sollte unbedingt zeitig auf die Empfehlungen der Tropeninstitute achten. In Endemie-Gebieten sollte man zudem Malaria-Medikamente dabei haben bzw. einnehmen. Vor der Reise in bestimmte Urlaubsländer empfiehlt es sich auch, vom Hausarzt präventiv Antibiotika gegen Durchfallkrankheiten verschreiben zu lassen.

Und, ganz wichtig: Wer Schmerzmittel, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, in andere Staaten ausführt, braucht auf alle Fälle ein entsprechendes ärztliches Attest. Bei Reisen in Nicht-EU-Staaten sollte man sich über die geltenden Einfuhrbestimmungen informieren. Sonst kann es bei der Zollkontrolle schnell unangenehm werden – auch ohne Fieber und Durchfall.


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