18.06.2018, 15:08 Uhr

Schulmedizin und Naturheilkunde Wadenwickel und Zwiebelsaft im Krankenhaus

Dr. Catharina Amarell.Foto: privat  (Foto: privat)Dr. Catharina Amarell.Foto: privat (Foto: privat)

Im Landshuter Kinderkrankenhaus St. Marien gibt es eine Abteilung, in der zusätzlich zur Schulmedizin auch bewährte Hausmittel angewandt werden. Dort gibt es Wadenwickel und schon mal Zwiebel- statt Hustensaft. Basierend auf ihren klinischen Erfahrungen mit Haus- und Naturheilmittel hat Dr. Catharina Amarell jetzt ein Buch veröffentlicht. Darin kann man nachlesen, was wirklich hilft – und wann man unbedingt mit dem Nachwuchs zum Arzt muss.

LANDSHUT Isabelle ist eigentlich ein Energiebündel. Doch auf Toben hat die Fünfjährige heute keine Lust. Ihr Blick ist glasig, die Stirn glüht, sie hat schon 39 Grad Fieber. Die Kleine hustet nachts so stark, dass an Schlafen nicht zu denken ist. Am Morgen machen sich ihre besorgten Eltern mit ihr auf den Weg ins Kinderkrankenhaus St. Marien. Dort verordnet Oberärztin Dr. Catharina Amarell eine eher ungewöhnliche Therapie. Statt Antibiotika bekommt Isabelle erst einmal Wadenwickel von der Krankenschwester. Gegen ihre Halsschmerzen empfiehlt die Ärztin den erstaunten Eltern Zwiebelsaft.

Mittlerweile ist das Alltag in St. Marien. Die Klinik ist eines von nur drei Kinderkrankenhäusern in Deutschland, in dem es eine Abteilung für „integrative Medizin“ gibt. Zum Einsatz kommen hier, neben der Schulmedizin, auch Hausmittel und Arzneien aus der Naturheilkunde. Angewendet wird, was hilft. Basierend auf ihren klinischen Erfahrungen mit diesem Ansatz der sanften Medizin hat die junge Ärztin jetzt ein Buch geschrieben. Auf 300 Seiten hat Dr. Amarell das gesammelte Wissen aus drei Medizinwelten gepackt, wie man Kindern ab zwei Jahren sinnvoll mit Hausmitteln, Akupressur und Homöopathie helfen kann.

Die Kosten für diese Art der sanften Medizin übernehmen die Krankenkassen übrigens nicht. Die Leitung des Krankenhauses ist von dem Weg der sanften Medizin aber so überzeugt, dass es die Mittel zur Verfügung stellt. Jetzt gehören Wadenwickel bei Fieber und Quarkpackungen bei Insektenstichen zum Alltag.

„Ich bin mit natürlichen Mitteln groß geworden, in unserer Familie wurde das gelebt“, sagt die Landshuter Ärztin. Ihr Interesse an Hausmitteln ließen sie auch nach dem Medizinstudium nicht los. Einige Kollegen in den Krankenhäusern, in denen sie arbeitete, begegneten ihr deshalb mit Skepsis. Vor zwei Jahren dann entschloss sich das Kinderkrankenhaus, diese Heilmethoden vermehrt oder gezielt einzusetzen – und holte Amarell nach Landshut.

Es geht dabei nicht um die Frage: Schul- oder Alternativmedizin, sondern nur darum, was sinnvoll ist und was nicht.

Das Kinderkrankenhaus St. Marien in Landshut. (Foto: lw)

Die Kinderärztin: „Wir sprechen deshalb auch gar nicht von alternativer Medizin, sondern von integrativer oder komplementärer.“

Akupunktur, Akupressur, Homöopathie sowie Naturheilverfahren und die klassische Schulmedizin unterstützen sich gegenseitig. „Es gibt Symptome, bei denen man sofort zum Arzt sollte – ein epileptischer Anfall zum Beispiel“, so Amarell. Bei vielen Kinderkrankheiten wie Schnupfen, Fieber, Bauch- oder Ohrenschmerzen würden aber auch uralte, traditionelle Hausmittel helfen. „Es ist natürlich manchmal eine Gratwanderung. Man sollte immer auf das eigene Gefühl hören. Ich sage immer: Lieber einmal zu oft zum Arzt, als komplett unsicher zu sein oder gar etwas Entscheidendes falsch zu machen.“

In ihrem Buch gebe es deshalb nicht nur Informationen zu allen Kinderkrankheiten und Anwendungen für zu Hause, sondern auch Empfehlungen, „wann man auf alle Fälle einen Arzt konsultieren sollte.“ Dazu gibt es viele Ratschläge zu Ernährung, Entspannung und Bewegung, damit Kinder von Anfang an ihre Abwehrkräfte stärken und schnell wieder gesund werden.

Isabelle jedenfalls geht es schon bald wieder besser. Die Antibiotika-Keule stand zwar bereit, blieb dieses Mal aber im Arzneimittelschrank stehen.

Dr. med. Catharina Amarell, Angelika Dietrich, „So bleibt mein Kind natürlich gesund. Sanft heilen und vorbeugen mit Hausmitteln, Akupressur und Homöopathie

ISBN 978-3-89883-744-6


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