23.06.2020, 14:54 Uhr

Soziales „Donum Vitae“ bietet Sprechstunden an vier Standorten im Landkreis Kelheim ab

 Foto: Ida Hirthammer Foto: Ida Hirthammer

20 Jahre alt ist der gemeinnützige Verein „Donum Vitae“ in Bayern e. V. und 20 Beratungsstellen bieten inzwischen Frauen und Männern Hilfe und Unterstützung bei allen Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt sowie bis zu drei Jahren nach der Geburt.

Landkreis Kelheim. Anlass für die Gründung des Vereins durch engagierte katholische Persönlichkeiten war seinerzeit der Ausstieg der katholischen Kirche aus dem staatlichen System der Schwangerschaftskonfliktberatung, der damit die Ausstellung der Bescheinigung über die Beratung nach § 219 durch die katholischen Beratungsstellen als Voraussetzung für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch beendete. Für die Gründerväter und -Mütter galt es, das katholische Element in der staatlich anerkannten Schwangerschaftskonfliktberatung zu erhalten. Sie waren überzeugt, dass eine verpflichtende, auf das Lebensrecht des ungeborenen Kindes zielgerichtete, dabei im Beratungsprozess ergebnisoffene Beratung die beste Möglichkeit ist, um Frauen im Konflikt zu erreichen und ungeborenes Leben so weit wie möglich zu schützen. Die staatlich anerkannten Beratungsstellen von „Donum Vitae“ – Geschenk des Lebens - beraten kostenlos und unabhängig von Nation und Konfession auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes. Auf Wunsch wird am Ende des Gesprächs der Beratungsschein ausgestellt.

Der Landkreis Kelheim wird von der Beratungsstelle Landshut mit Außensprechstunden an vier Standorten betreut: in Abensberg, Stadionstraße 60, Kelheim, Ludwigstraße 8 (Eingang Brunngasse), Mainburg, Marktplatz 4, Neustadt, Goethestraße 2. Die Terminvereinbarung für die Außensprechstunden erfolgt über die Beratungsstelle in Landshut unter der Telefonnummer 0871/ 9746780. Selbstverständlich ist die Wahl des Ortes völlig freigestellt. Auch anonyme Beratungen sind möglich. Alle Mitarbeiterinnen – nicht nur die Beraterinnen − sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Bilanz über die Tätigkeit im Jahr 2019

Die Beratungsstelle Landshut konnte insgesamt nach einem krankheitsbedingten Rückgang 2018 im Berichtsjahr einen deutlichen Anstieg der Zahl der Ratsuchenden und mehr noch der Beratungskontakte und -stunden verzeichnen, wobei die Erstkontakte besonders zunahmen. Für die Außensprechstunden im Landkreis Kelheim traf dies allerdings nicht

zu: Sowohl die Anzahl der beratenen Personen als auch der Kontakte und in geringerem Maß der Beratungsstunden gingen leicht zurück. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in mehreren Fällen die Erstberatung insbesondere von Klientinnen und Klienten aus dem südlichen Landkreis in Landshut stattfand, da die Hilfesuchenden dort schneller einen Termin bekamen. An den vier Außenstellen wurden 2019 insgesamt 104 Personen in 160 Stunden beraten. Darunter waren circa ein Viertel Männer, vier davon kamen allein zur Beratung.

Mit 62 Ratsuchenden, davon 15 Männern, wurde der Außensprechtag in Mainburg wie bereits in den Vorjahren weitaus am meisten nachgefragt, die restlichen 42 verteilten sich annähernd gleich auf Abensberg, Kelheim und Neustadt. Wie schon in den vergangenen Jahren waren in Mainburg verhältnismäßig viele der Hilfesuchenden Migranten aus Osteuropa. Diese Beratungen stellen aufgrund der meist fehlenden deutschen Sprachkenntnisse der Frauen und Männer eine große Herausforderung dar. Nicht in der offiziellen Statistik gezählt werden bislang die Klientinnen und Klienten, die sich telefonisch oder per Mail an die Beratungsstelle wenden und deren Zahl 2019 weiter zunahm. „Sie sind nach unserer Meinung im Medienzeitalter genauso zu bewerten, wie bei persönlichem Kontakt“, so Stefanie Löchli, für die Außensprechstunden in Mainburg zuständige Beraterin und seit Anfang 2020 Leiterin der Beratungsstelle Landshut. Dem dürfte in Zukunft Rechnung getragen werden, nachdem dieses Jahr während der Corona-Krise zum Schutz von Beraterinnen und Ratsuchenden die physischen Kontakte auf das absolut notwendige Minimum beschränkt werden mussten.

Die Beratungsanlässe änderten sich 2019 nicht erheblich gegenüber den Vorjahren. Weiterhin nur eine untergeordnete Rolle spielte in den Außensprechstunden die Schwangerschaftskonfliktberatung nach § 219 StGB. Während 2017 noch zwölf Prozent der schwangeren Frauen sie dafür aufsuchten, waren es in den letzten beiden Jahren nur neun und schließlich acht prozent. Daraus sollte man aber nicht auf einen zurückgehenden Bedarf im Landkreis schließen, denn gerade für eine Konfliktberatung bevorzugen Frauen eher einen weniger wohnortnahen Ort und eine Stelle, wo sie schnell einen Termin bekommen. In der Beratungsstelle in Landshut selbst war sie mit 33 Prozent der zweithäufigste Anlass bei den Erstberatungen. Die Beratung soll Hilfe sein, eine eigene, freie und verantwortliche Entscheidung zu treffen. Es gilt, den Spagat zwischen gesetzlicher Pflichtberatung und vertrauensvollem Gespräch zu schaffen, bei dem sich die Frau bzw. das Paar mit ihren/seinen Ängsten und Nöten angenommen fühlt und Perspektiven für ein Leben mit dem Kind eröffnet werden können. In manchen Fällen ist das Beratungsgespräch für die Frauen die einzige Möglichkeit, über die Schwangerschaft zu sprechen und somit auch der einzige geschützte Ort, wo sie sich mit allen Konsequenzen in Bezug auf die Entscheidung für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch auseinandersetzen können. Das Angebot von Hilfen, von Unterstützung und von weitergehender Begleitung durch die Beraterin ist von großer Bedeutung für die Frau im Entscheidungskonflikt.

Den größten Raum nahm wie bisher an allen Außenstellen wie in der Hauptstelle die allgemeine Schwangerenberatung ein; sie erforderte etwas mehr als die Hälfte des Zeitaufwands der Außensprechstunden in Kelheim, zwei Drittel in Abensberg und circa 80 Prozent in Mainburg und Neustadt. Neben dem Bemühen um finanzielle Unterstützung war eine breite Palette von weiteren Hilfen erforderlich, wie zum Beispiel Hilfestellung beim Ausfüllen von Anträgen auf Elterngeld, Kinderzuschlag, Arbeitslosengeld II und Wohngeld. Die deutsche Amtssprache ist nicht nur für ausländische Klientinnen und solche mit Migrationshintergrund schwer zu verstehen, auch Menschen mit guten Sprachkenntnissen fühlen sich oft überfordert.

Benötigt wurden auch Begleitung und Hilfe bei Kontakten mit Behörden, insbesondere Jobcenter und Wohnungsamt, Unterstützung bei der Kontaktaufnahme zu anderen Beratungsstellen, etwa Schuldnerberatung, Sozialpädagogische Familienhilfe, Ehe- und Erziehungsberatung sowie bei der Unterbringung in Mutter-Kind-Einrichtungen und nicht zuletzt Kontaktaufnahme mit Vermietern bei drohender Räumungsklage. In den letzten Jahren wandten sich immer mehr Menschen mit sehr komplexen, schwierigen Problematiken an die Beraterinnen.

Für die Betreuung nach der Geburt bis zum Alter des Kindes von drei Jahren wurden in Abensberg circa neun prozent der dortigen Beratungsstunden aufgewendet, an den übrigen Orten circa 16 bis 20 Prozent. Die nachgehende Betreuung wurde besonders von jungen Frauen, Alleinerziehenden und Frauen mit Migrationshintergrund mit ihren vielschichtigen Problemen in Anspruch genommen. Die Beratungsstelle arbeitet im Netzwerk Postpartale Depression mit. Bei sehr komplizierten rechtlichen Fragen bietet die Juristin des Fachteams Unterstützung.

Außer den drei genannten verfügen die Beraterinnen von „Donum Vitae“ über eine breite Palette von weiteren Hilfsangeboten. In den Außensprechstunden wurden lediglich zwei davon in Anspruch genommen: je einmal in Kelheim eine Beratung zum Thema Bewusstseinsbildung/Prävention/Sexualaufklärung und eine anlässlich einer Fehl-/Totgeburt oder des frühen Verlusts eines Kindes. Angeboten werden darüber hinaus auch psychosoziale Beratung und Begleitung bei Kinderwunschbehandlung und im Zusammenhang mit Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik, sowie Beratung bei zu erwartender Behinderung des Kindes und nach einem Schwangerschaftsabbruch. Diese speziellen, arbeitsintensiven Angebote werden auch in Landshut sehr selten nachgefragt. Noch mehr gilt dies für die anonyme und die seit 2014 mögliche vertrauliche Geburt. Mit ihr wurde eine rechtlich geregelte Alternative zur anonymen Geburt geschaffen; jedoch ist es aus Sicht der Beratungsstelle dringend erforderlich, weiterhin beides anbieten zu können. „Donum Vitae“ ist im süddeutschen Raum mit dem „Moses-Projekt“ die einzige Stelle, die einer schwangeren Frau, die sich in einer extrem schwierigen Notsituation befindet und die Aussicht, ihrem Kind einmal ihre Identität offenbaren zu müssen, als existentiell bedrohlich wahrnimmt, mit einer anonymen Geburt eine Lösungsmöglichkeit anbieten kann. Hilfesuchende können sich rund um die Uhr bayernweit an das Notruf-Telefon 0800/ 0066737 wenden. Die Beratung und Begleitung sowohl zur anonymen Geburt als auch zur vertraulichen Geburt ist für die beteiligten Fachkräfte immer mit einer großen psychischen Belastung und einem hohen Stundenaufwand verbunden; statistisch gesehen handelt es sich um absolute Einzelfälle.

Im Vergleich zum Vorjahr konnten die Beraterinnen im Berichtszeitraum erheblich mehr Beihilfen an Ratsuchende im Landkreis Kelheim vermitteln:

Insgesamt wurden 23.756 Euro gegenüber 15.818 Euro zur Verfügung gestellt, hauptsächlich von der „Landesstiftung Hilfe für Mutter und Kind“. Aus dem im Jahr 2018 vom Landkreis Kelheim eingerichteten Verhütungsmittelfonds konnten 2019 zwei Frauen bei der Finanzierung sicherer Verhütungsmittel unterstützt werden.

Wachsende Nachfrage nach sexualpädagogischen Veranstaltungen an Schulen im Landkreis Kelheim konnte die Beratungsstelle im Berichtsjahr

feststellen: Es wurden insgesamt zehn Veranstaltungen durchgeführt, fünf am Gabelsberger-Gymnasium Mainburg, zwei an der Eduard-Staudt-Schule in Kelheim und je eine an der Mittelschule in Mainburg, der Aventinus-Mittelschule in Abensberg und am Donau-Gymnasium in Kelheim. „Der Bereich Sexualpädagogik ist für uns ein ebenso wichtiger Teil unserer Arbeit wie die Beratung,“ betonte Simone Beck, stellvertretende Leiterin von „Donum Vitae“ Landshut und für die Außensprechstunden in Abensberg, Kelheim und Neustadt zuständige Beraterin. „Wir erreichen dadurch sehr viele Kinder und Jugendliche. Mit unseren sexualpädagogischen Angeboten tragen wir dazu bei, dass sich das Verhütungsverhalten der Jugendlichen in Deutschland verbessert hat und immer weniger Minderjährige ungeplant schwanger werden.“ Im Repertoire sind Themen wie „Freundschaft, Liebe, Sexualität“ für siebte bis neunte Klassen, „Spannende Mädchenjahre“ speziell für Mädchen von zehn bis zwölf Jahren, „Liebe, love, amour“ für junge Flüchtlinge, „Ungeplant schwanger – was nun?“ zu den §§ 218/219 StGB. Angeboten wird auch ein Lehrerworkshop für die vierte bis sechste Jahrgangsstufe. Unter anderem für diese Projekte erhielt die Beratungsstelle das Qualitätssiegel „Werte im Fokus“.

Nach wie vor war und ist „Donum Vitae“ mit der Bevollmächtigten für den Landkreis Dr. Gudrun Weida beteiligt an der Durchführung der vierteljährlichen ökumenischen Abschiedsfeier mit Sammelbestattung an der von ihr 2007 mit initiierten Grabstätte auf dem Kelheimer Waldfriedhof.


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