27.04.2020, 10:46 Uhr

Pandemie Eine Herausforderung – Familienleben in Krisenzeiten

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Mitte März änderte sich unser Alltag radikal. Eben noch steckten wir im üblichen Alltag: am Morgen die Kinder und sich selbst fertig machen, Zwischenstopp bei Kindergarten oder Schule, in die Arbeit und beruflich Leistung bringen, nach Hause kommen und dort kochen wie auch aufräumen, mit den Kinder spielen und selbst einem Hobby nachgehen, Freunde und Verwandte treffen, Erledigungen wie der Wocheneinkauf oder ein Gang zum Amt.

Landkreis Kelheim. Nebenbei galt es natürlich noch die Beziehungen zu Partner oder Freunden zu pflegen, sich also liebevoll um seine Mitmenschen zu kümmern und last but not least: die Selbstfürsorge. Plötzlich war alles anders … Von Hier auf Jetzt gab es keine Kinderbetreuung mehr, bestenfalls noch Notgruppen. Schule findet hauptsächlich zu Hause statt und muss organisiert werden. Viele Berufstätige arbeiten im Homeoffice, während die Kinder im Haus oder im Garten herumtollen und ihrer wohlverdienten Kindheit frönen. Da kann es schon mal sein, dass Arbeitsabläufe von Mama oder Papa gestört werden und man sich deswegen gleich überlegt zu arbeiten, wenn die Kids im Bett sind. Doch manch andere dürfen ihrer beruflichen Tätigkeit überhaupt nicht nachgehen, weil sie nicht systemrelevant sind und somit massiven finanziellen Einbußen ausgesetzt sind – oft reicht es bis zur Arbeitslosigkeit oder Privatinsolvenz.

Kinder vermissen ihre Freunde, gewohnten Abläufe, Strukturen und Abwechslungen in der Freizeitgestaltung – den Erwachsenen geht es nicht anders. Doch das Leben geht weiter. Wir alle müssen weiter machen, und besonders Eltern von minderjährigen Kindern müssen diesen besonders in Krisenzeiten einen möglichst „normalen“ Alltag bieten. Doch was kann man angesichts massiver Einschränkungen tun? Das Gelassenheitsgebet von Reinhold Niebuhr gibt uns gute Anhaltspunkte, wie wir damit umgehen können: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Wir können nichts daran ändern, dass wir keine gewohnten Abläufe leben können. Wir können Schule und das Spiel mit den Freunden nicht ersetzen. Wir können nicht dasselbe bieten und leisten, wie vor der Krise. Aber wir können uns und unserer Familie einen sehr großen Gefallen tun und unsere Ansprüche herunter schrauben. Auch die Kinder sollten in dieser Zeit nicht dieselbe Leistung erbringen müssen wie zuvor. Also üben wir uns darin zu erkennen, was unser Bestes ist, das wir geben können – das variiert von Tag zu Tag. Was darüber hinausgeht, können wir eben nicht leisten! Besinnen wir uns auf das Wesentliche, was ist uns wirklich wichtig in dieser Zeit? Das sind nicht die Hausaufgaben und Projektarbeiten, das Erledigen des Haushalts und berufliche Höchstleistungen. Es geht darum emotional füreinander da zu sein. Offen miteinander über Sorgen, Ängste, Frustrationen sprechen zu können und zu überlegen, wie man damit am besten umgeht.

Es gibt kein Patentrezept, das für alle passt. Jeder muss für sich und seine Familie prüfen, was funktioniert und hilft. Die einen erleben Erleichterung dadurch, dass sie keine vorgegebene Tagesstruktur einhalten müssen und können nun genießen, in den Tag hinein zu leben. Die anderen brauchen auch weiterhin feste Abläufe und sollten sich daher ihren eigenen Tagesplan schreiben. Kinder ab dem Kindergartenalter finden es meist sogar ganz spannend, wenn sie zusammen mit den Eltern ihren Tag schriftlich oder bildlich planen. Das hilft ihnen auch, sich auf Anstehendes einstellen zu können und die Fähigkeit der Vorausplanung zu schulen.

Die Selbstfürsorge der Eltern sollte auch – soweit möglich – nicht dauerhaft zu kurz kommen. Denn wenn es den Eltern gut geht, dann geht es auch ihren Kindern gut. Psychische Belastungen schwingen immer mit im Kontakt mit den Kindern, auch wenn sie nicht ausgesprochen werden. Man ist leichter reizbar, ungeduldiger, hat weniger Verständnis. Merken Kinder jedoch, dass das Elternteil gut auf sich achtet und Papa oder Mama dabei noch erklärt, wie man das genau macht, dann können Kinder anhand ihres Vorbildes lernen, gut für sich zu sorgen. Wer zu zweit ist, sollte sich häufiger abwechseln bei der Kinderbetreuung, um dadurch Freiräume für die Selbstfürsorge zu schaffen. Alleinerziehende sollten ihre Prioritäten noch einmal überprüfen und für diese Krisenzeiten radikal aussortieren, was nicht sein muss. Vielleicht lassen sich auf diese Weise kleine Auszeiten schaffen.

Für Menschen, die psychisch vorbelastet sind oder nun akut in eine psychische Krise rutschen, bietet die Beratungsstelle für seelische Gesundheit auch weiterhin Beratung an. Aufgrund der Corona-bedingten Situation derzeit nur unter der Telefonnummer 09441/ 50 07 26 oder per Mail an spdi@caritas-kelheim.de. Gemeinsam werden Möglichkeiten erörtert, wie die Selbstfürsorge aussehen kann. Bei Fragen rund um das Thema Familie und Kinder bis zum dritten Lebensjahr berät die Koordinierende Kinderschutzstelle (KoKi) unter der Telefonnummer 09441/ 207 53 40 und per Mail an koki@landkreis-kelheim.de.


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