21.03.2020, 12:14 Uhr

Lagebericht Corona-Quarantäne im Paradies


Weltumsegler sitzt mit Crew in Malaysia fest.

Bayern/Malaysia. Leere Straßen, viele geschlossene Geschäfte und leere Supermarktregale – dieses Bild ist derzeit das vorherrschende seit dem Erlass von Beschränkungen zur langsameren Verbreitung des Corona-Virus. Auch in vielen Staaten Südostasiens wurden mittlerweile drastische Beschränkungen verhängt, die sich auch auf die Pläne des 78-jährigen Weltumseglers Gangerl Clemens aus Roding im Bayerischen Wald auswirken.

Seit Mitte März ist seine neue Crew an Bord, Günther Englert (54) aus Abensberg und Rainier Ramisch (34) aus Roding, mit der er für diese Woche den Start einer sechswöchigen Segelreise von Malaysia über das indonesische Borneo bis nach Bali geplant hatte. Beide waren zuvor über Singapur und Thailand eingereist, doch auch dort wurden mittlerweile Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus ergriffen. „Jeweils am Tag nach unserer Ankunft wurden hinter uns die Grenzen dichtgemacht, zumindest für Reisende aus den am schlimmsten betroffenen Ländern. Wir hatten sozusagen Glück, dass wir Gangerl's Schiff noch erreichen konnten“, berichtet Crewmitglied Günther Englert.

Die Segler beschreiben auch, dass das öffentliche Leben in Thailand und Malaysia ganz normal zu sein schien und auch das Zielland Indonesien noch keine Beschränkungen erlassen hatte. Deswegen wurden für die lange Segelreise noch große Mengen an Lebensmittel auf dem Schiff gebunkert. Doch dann die bittere Meldung des Auswärtigen Amtes über Indonesien: Für Reisende, die sich 14 Tage vorher in Deutschland aufgehalten haben, gilt aktuell ein Einreise- und Transitverbot. Die Segler dürften also nicht an Land anlegen oder könnten sogar ohne Anzeichen auf COVID-19 zusammen mit Infizierten in Quarantänezentren verbracht werden – ohne Kontakt nach außen. Die vorherrschenden Zustände in indonesischen Krankenhäusern weichen stark von deutschen Standards ab, Patienten werden aus Kapazitätsgründen oder Vorgabe des Infektionsschutzes teils gar nicht mehr behandelt, wie das Auswärtige Amt weiter berichtet.

Der Rückflug der beiden Mitsegler wurde bereits gestrichen, weswegen sie sich nun mit einer neuen Situation arrangieren müssen: Quarantäne auf einer (fast) einsamen Insel! Menschenleere Palmenstrände, türkisblaues Wasser und intakte Korallenriffe mit großem Fischreichtum bei sonnigem Wetter um die 32 Grad. „Es bleibt uns nichts anderes übrig, als die derzeitigen Beschränkungen hier auszusitzen. Es gibt mehrere wunderschöne Inseln in unserem Gebiet, gerade liegen wir vor Pulau Kapas in der Nähe des ostmalaysischen Festlands. Das Schiff macht immer viel Arbeit, außerdem sind wir intensiv mit meinem nächsten Buch beschäftigt, das im September herausgegeben wird. Doch zur Abwechslung können wir Schnorcheln, Tauchen, Fischen und den Buckel in die Sonne strecken. Es könnte schlimmer sein! Über die Klopapierkrise können wir da nur lachen“, so Kapitän Gangerl. Wie die Segler die langen Tage der Zwangsquarantäne erleben, postet Gangerl regelmäßig in kurzen Videos auf Facebook und Instagram.


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