22.08.2019, 11:05 Uhr

Niveau unverändert Jedes dritte Baby in Bayern per Kaiserschnitt geboren

(Foto: Odua Images/123rf.com)(Foto: Odua Images/123rf.com)

Krankenkasse warnt: Kaiserschnittgeburten nur bei medizinischer Notwendigkeit sinnvoll.

BAYERN In Bayern wurde im vergangenen Jahr jedes dritte Baby per Kaiserschnitt geboren. Demnach erblickten laut Versichertendaten der KKH Kaufmännische Krankenkasse 33,1 Prozent der Neugeborenen per Sectio das Licht der Welt. Damit blieben die Kaiserschnittgeburten gegenüber 2018 auf unverändertem Niveau (33,0 Prozent). Im bundesweiten Vergleich liegt Bayern leicht über dem Durchschnitt. Deutschlandweit betrug die Kaiserschnittquote im vergangenen Jahr laut KKH-Daten 31,6 Prozent.

Kaiserschnitte werden in erster Linie zur Risikominderung in Erwägung gezogen, um das ungeborene Leben zu schützen. Denn die Sectio hat den Vorteil, dass das Ungeborene nicht dem Stress einer natürlichen Entbindung durch den Geburtskanal ausgesetzt ist. Dennoch kann genau dieser Geburtsprozess wichtig für die spätere Entwicklung des Kindes sein. Es gibt Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen einem erhöhten Risiko für Allergien und Immunschwächen bei Kaiserschnittkindern vermuten.

Der Kaiserschnitt kann zudem auch Nachteile für die Mutter nach sich ziehen. Es können im Nachgang Komplikationen wie Blutungen oder Wundheilungsstörungen auftreten. Auch der psychologische Effekt, das Kind nicht auf natürlichem Weg entbunden zu haben, sei laut KKH nicht zu vernachlässigen. Gynäkologen, Hebammen und Schwangere sind inzwischen für das strittige Thema sensibilisiert. „Nur bei medizinischer Notwendigkeit ist die Durchführung eines Kaiserschnittes sinnvoll. Schwangere sollten sich gut mit ihrem behandelnden Arzt oder ihrer Hebamme beraten und alle Vor- und Nachteile abwägen“, rät Robert Deindl vom KKH-Serviceteam in Deggendorf.

Auch die bessere Planbarkeit der Geburten aufgrund von Personalengpässen in den Geburtskliniken gelten als Grund für die hohen Kaiserschnittraten der vergangenen Jahre. Laut Bundesgesundheitsministerium wurde Anfang des Jahres ein Gutachten zur stationären Hebammenversorgung in Auftrag gegeben, das die Versorgungssituation in Deutschland umfassend darstellen und analysieren soll. Um den Hebammenberuf attraktiver zu machen und die Personalsituation in den Kreißsälen zu verbessern, hat Bundesgesundheitsminister Spahn ein Gesetz auf den Weg gebracht, das die Einführung eines dualen Studiums für Geburtshelfer vorsieht. Die Hebammen sollen besser auf die gestiegenen Anforderungen in der Geburtshilfe vorbereitet werden. Ob sich die akademisierte Hebammenausbildung in Zukunft auch auf die Entwicklung der Kaiserschnittquote auswirken wird, bleibt abzuwarten.


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