06.03.2019, 11:44 Uhr

Fasten beginnt im Kopf Regelmäßiges Fasten tut Körper und Geist gut

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Aschermittwoch beginnt traditionell die Fastenzeit. Für viele fällt damit der Startschuss für eine Fastenkur. Sie verzichten eine Zeit lang auf bestimmte Speisen, Getränke und Genussmittel, um den Körper zu regenerieren und bewusst zu leben. Gleich ob Heil-, Intervallfasten oder Fasten mit Säften: „Der entscheidende Schlüssel für erfolgreiches Fasten ist, dass man es wirklich will und sich darauf einlässt“, sagt Dr. Anja Luci, Ernährungsexpertin der KKH Kaufmännische Krankenkasse.

DEGGENDORF Was passiert während des Fastens im Körper?

Der Körper fährt bei starker Nahrungsumstellung wie beim Heilfasten von 100 auf null runter. Das kann anfangs als sehr zehrend und anstrengend erlebt werden. Grund dafür ist, dass sich der Energiekreislauf ändert. Der Körper wird gezwungen, benötigte Glukose selbst zu produzieren. Erst bedient er sich der Proteinspeicher in der Muskulatur, dann baut er Fett ab. So verliert man an Gewicht. Auch das Hungergefühl lässt nach. An seine Stelle tritt ein Hochgefühl, da das Gehirn mehr Serotonin produziert, das gute Laune macht.

Kann ich von heute auf morgen mit dem Fasten loslegen?

Bei einigen Fastenarten wie dem klassischen Heilfasten oder dem Saftfasten ist das keine gute Idee. Hierfür sollte der Körper unbedingt auf den Nahrungsentzug vorbereitet werden. Für die sogenannten Entlastungstage empfehle ich wenig Fleisch, Fett und Salz und möglichst keinen Zucker, kein Weißmehl, Koffein und Nikotin. Stattdessen Leichtverdauliches auf den Speiseplan setzen wie gedünstetes Gemüse, Reis und Obst. Während der Fastenkur gibt es dann nur Flüssiges – maximal 500 Kalorien pro Tag in Form von Wasser, Kräutertees, Obst- und Gemüsesäften sowie Brühe.

Viele fasten, um dauerhaft ein paar Kilo abzunehmen. Ist das erfolgsversprechend?

Auch hier kommt es auf die Methode an. Beim Heil- oder Saftfasten können ein paar Pfunde purzeln. Die sind jedoch meist schnell wieder auf den Hüften. Nachhaltig Gewicht zu verlieren, klappt am besten mit einer konsequenten Ernährungsumstellung. Das Intervallfasten kann dafür ein guter Einstieg sein.

Beim Intervallfasten muss man weder auf sein Lieblingsgericht noch auf Süßes verzichten. Eine empfehlenswerte Fastenart?

Der wesentliche Vorteil des Intervallfastens gegenüber anderen Methoden, die sich über maximal zehn Tage erstrecken, ist: Es lässt sich unkompliziert und langfristig in den Alltag integrieren. Dabei darf man in einem bestimmten Zeitfenster wie gewohnt essen, danach folgt eine längere Essenspause, in der unser Körper Fett abbaut. Am beliebtesten ist die 16:8-Methode, bei der man wechselweise acht Stunden isst und 16 Stunden pausiert. Wer zum Beispiel um sieben Uhr frühstückt, muss sich ab 15 Uhr enthalten und aufs Abendbrot verzichten. Wichtig ist, während des verkürzten Mahlzeitenfensters nicht öfter oder größere Mengen zu essen.

Wie schafft man es, Versuchungen zu widerstehen und durchzuhalten?

Fasten muss man wirklich wollen. Hilfreich ist es, gemeinsam zu fasten, dann auch reichlich Wasser und ungesüßten Tee zu trinken, wenn einen der Hunger überkommt, zu zuckerfreien Kaugummis zu greifen und sich zu bewegen. Das lenkt ab und ist obendrein gesund.

Welche positiven Effekte hat Fasten für unseren Körper?

Fasten tut Körper und Geist nachweislich gut. Der Blutdruck sinkt, der Blutzuckerspiegel stabilisiert sich, Cholesterin- und Entzündungswerte verbessern sich, Rheumabeschwerden werden gelindert, das Gewicht geht runter und die Stimmung rauf. Fasten lehrt darüber hinaus, andere Prioritäten zu setzen und mit weniger zufrieden zu sein.

Kann und sollte jeder fasten?

Das strenge Heilfasten sollte immer ärztlich begleitet werden. Kindern, Untergewichtigen, Kranken, Schwangeren und Stillenden rate ich generell vom Fasten ab.


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