15.05.2018, 12:02 Uhr

Zehn Jahre Bunter Kreis Helfen, damit das Leben gelingt


Der Bunte Kreis am Donauisar Klinikum Deggendorf hat seinen zehnten Geburtstag im Kolpingsaal groß und kunterbunt gefeiert - am Vormittag mit geladenen Gästen aus Politik und Gesellschaft und am Nachmittag mit vielen ehemaligen Nachsorgekindern und deren Familien.

DEGGENDORF Der Bunte Kreis ist eine Nachsorgeeinrichtung zur Beratung und Begleitung für Familien mit kranken oder zu früh geborenen Kindern. Möglichst schon in der Klinik nimmt der Bunte Kreis Kontakt mit den Familien auf und sucht Wege, Kinder nach der klinischen Versorgung so schnell wie möglich in die Familie zu bringen, ohne dabei ein medizinisches Risiko einzugehen. Seit nun mehr zehn Jahren setzt sich der Bunte Kreis für diese Aufgabe ein. Der Bunte Kreis, das sind: die Case Managerinnen Linda Nowak, Claudia Schmitt und Susanne Spranger, die Nachsorgeschwestern Elena Graf, Ramona Lehermeier, Michaela Sacher, Franziska Schmidbauer und Laura Pertler, Kinderarzt Dr. Christian Batzlsperger, Sozialpädagogin Kerstin Marhold-Achatz und Psychologin Claudia Sommerauer.

Den Grundstein für diese wertvolle Arbeit legte Oberarzt Dr. Fritz Neumeier, der dieses ehrgeizige Projekt zusammen mit den Kinderkrankenschwestern Linda Nowak und Franziska Hackl (ehem. Dilly) ins Leben gerufen hat. Ihnen ist es zu verdanken, dass der Bunte Kreis bereits über 500 Familien bei der Nachsorge ihrer Kinder unter die Arme greifen konnte. Die Familien haben dabei einen Anspruch auf Unterstützung als gesetzlich verankerte Regelleistung. Dennoch müssen die Nachsorgeeinrichtungen rund 25 bis 40 Prozent aus eigenen Mitteln zuschießen und können somit auch nur einen Teil der bedürftigen Familien versorgen.

„Seitens der Politik tun wir alles für die Frühchen, was irgendwie möglich ist“, betonte der Stellvertretende Landrat Roman Fischer, der seine Grußworte mit einer Geschichte aus seinem persönlichen Umfeld begonnen hatte. Auch 3. Bürgermeister Hermann Wellner konnte mit einer individuellen Geschichte beitragen. „Hätte es zu dieser Zeit bereits einen Bunten Kreis gegeben, wäre vieles leichter gewesen. Danke, dass es so etwas Tolles gibt und danke für den großartigen Einsatz des gesamten Teams,“ betonte Wellner.

Klinikvorstand Dr. Inge Wolff wandte sich mit ihren Worten direkt an den Bunten Kreis „Sie sind seit zehn Jahren Starthelfer, Sorgenteiler und Tränentrockner und das ganz Besondere daran, Sie werden in der Zeit fast zu einem weiteren Familienmitglied der betroffenen Familien. Dies allein zeigt, welch wertvolle Arbeit Sie leisten und welches Vertrauen die Familien Ihnen entgegenbringen.“ Auch wenn die Klinik in vielen Bereichen finanziell unter die Arme greift, sei der Bunte Kreis auf weitere Unterstützung durch Spenden angewiesen. Ihr Dank gelte daher allen Mitarbeitern des Bunten Kreises, welche sich hier in den Familien engagieren. Sie dankte aber auch den Familien, welche dem Bunten Kreis ihr großes Vertrauen schenken und auch ganz besonders den Spendern und Unterstützern, welche diese wertvolle Arbeit ermöglichen. Dr. Michael Mandl, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin betonte, dass die Einrichtung „Bunter Kreis“ in der Versorgung heutzutage gar nicht mehr wegzudenken sei. Auch wenn die Kassen einen Teil der Kosten tragen, müsse es künftig Aufgabe des Staates sein, den Übergang von der Klinik in das Zuhause der Familien vollständig zu unterstützen.

Andreas Podeswik, Vorstand des Bundesverbandes der Bunten Kreise in Deutschland dankte allen Mitarbeitern und Helfern, welche sich für den Bunten Kreis deutschlandweit engagieren. Bundesweit werden jährlich rund 9.000 Kinder und deren Familien durch 83 Bunte Kreise unterstützt. „Jeder Bunte Kreis in Deutschland müsste sich jedoch eigentlich noch verdreifachen, um alle Kinder, welche bedürftig sind, abzudecken“, betonte er bei seinem Grußwort. „Ohne weitere Unterstützung durch die Kassen, ist dies jedoch nicht möglich“, fügte Podeswik hinzu. Auf das Deggendorfer Team sei er sehr stolz, welche Herausforderungen in den vergangenen zehn Jahren gemeistert wurden und welch tolle Geschichten daraus entstanden sind.

Auch die offizielle Botschafterin des Bundesverbandes Bunter Kreis e.V., Anni Friesinger-Postma, ist eigens für die Jubiläumsfeier nach Deggendorf angereist. Sie ist nicht nur mehrfahre Olympiasiegerin im Eisschnelllauf, sondern auch zweifache Mutter. Mutter zu sein, sei für sie neben den sportlichen Erfolgen das Schönste, was in ihrem Leben passieren konnte. Ihre Mädchen sind beide gesund auf die Welt gekommen. Sie sei sich jedoch bewusst, dass es rund 40.000 Familien jährlich in Deutschland anders ergehe. Es sei für sie deshalb eine Herzensangelegenheit, dass dieser Missstand in unserem Gesundheitssystem bekannt werde und viele Mithelfer gefunden werden.

In ihrem anschließenden Festvortrag betonte Silke Mader, gebürtige Deggendorferin und Vorsitzende der European Foundation for the Care of Newborn Infants (EFCNI), dass Deutschland auf das beste Versorgungsnetzwerk für Frühgeborene weltweit zurückblicken könne. Was sich in der Theorie gut anhöre, gestalte sich in der Praxis oftmals schwierig, denn Familien würden nicht das für sie passende Unterstützungsangebot erhalten. Silke Mader spricht dabei aus eigener Erfahrung. In der 25. Schwangerschaftswoche wurden ihre Zwillinge geboren, nur ihr Sohn überlebte. Nach vier langen Monaten durfte sie ihr Kind endlich mit nach Hause nehmen. Ein normales Familienleben war im Grunde nicht möglich. Sie fühlte sich alleine gelassen. Selbstvorwürfe und ständige Sorgen prägten das Leben der jungen Familie. Sie kämpfte mit allen Mitteln, damit ihrem Sohn die gleichen Möglichkeiten eröffnet werden, wie gesunden Kindern. Diese Erfahrung habe sie geprägt, gestärkt und dazu bewogen, eine Stiftung zu gründen, welche sich europaweit für eine optimale Versorgung von Frühgeborenen und eine nachhaltige Unterstützung derer Familien einsetzt. Wie dies aussehen könne, zeigte sie anhand einer eindrucksvollen Präsentation.

Moderatorin und Kabarettistin Gerti Gehr führte mit geschickten Überleitungen durch die Veranstaltung und hat am Ende mittels eines Wollknäuels ein symbolisches Netzwerk aus Ehrengästen, Vertretern des Klinikums und dem Team des Bunten Kreises geschaffen.

Premiere feierte auch der eigens für das Jubiläum produzierte Imagebeitrag, der nicht nur beim Team des Bunten Kreises für einen emotionalen Höhepunkt bei der Jubiläumsfeier sorgte. Auch die Präsentation einer in den Farben des Bunten Kreises gehaltenen Geburtstagstorte durch ehemalige Nachsorgekinder war ein Highlight der Feierstunde.

Am Nachmittag wurde dann bei Kaffee und Kuchen, mit Kinderanimation, Spiel und Spaß bei bestem Wetter noch mit mehreren Hundert Eltern und Kindern ausgelassen gefeiert. Damit wurde das Fest zu einem großen „Familientreffen“ für den Bunten Kreis.


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