08.02.2018, 10:01 Uhr

„Wir kommen immer!“ 25.000 Einsätze hatte der BRK-Rettungsdienst 2017

Markus Mühlbauer, Leiter des BRK-Rettungsdienstes beim BRK in Deggendorf. (Foto: Hannes Lehner)Markus Mühlbauer, Leiter des BRK-Rettungsdienstes beim BRK in Deggendorf. (Foto: Hannes Lehner)

Auch starkes Übergewicht ist kein Problem für den Rettungsdienst. Ab etwa 160 Kilo kommt der Schwerlastrettungswagen zum Einsatz.

DEGGENDORF Vergangene Woche zog die für die Landkreise Straubing-Bogen, Deggendorf und Regen zuständige Integrierte Leitstelle (ILS) Jahresbilanz. Rund 175.000 Anrufe gingen 2017 ein, 82.992 Mal musste daraufhin Alarm ausgelöst werden. Auch der Rettungsdienst des BRK im Landkreis Deggendorf hatte alle Hände voll zu tun. Die Deggendorfer verfügen dabei noch über eine Besonderheit: Spezialfahrzeuge zum Transport von stark übergewichtigen Patienten.

Ein zunehmend größer werdender Anteil der Patienten in der Notfallrettung und im Krankentransport leidet unter einem erheblichen Übergewicht. Diese Tatsache stellt den Rettungsdienst teilweise vor erhebliche logistische und materielle Probleme. Denn nicht alle Rettungswachen sind für diese Patienten ausgestattet.

„In ganz Bayern verteilt, gibt es rund zehn Schwerlastrettungswägen“, sagt Karl Maurus von der ILS. Alleine zwei davon stehen in Deggendorf. Zwei deshalb, weil ein Fahrzeug schon etwas älter ist und als Reserve dient.

Laut Maurus liegt die Grenze in etwa bei Patienten mit einem Gewicht ab 160 Kilogramm, je nach Körpergröße und Volumen. Denn ab einem gewissen Gewicht stoßen die Sanitäter auch körperlich an ihre Grenzen. Sie können den Patienten schlichtweg kaum mehr heben. In dem Schwerlastrettungswagen (S-RTW) dagegen lässt sich die Trage hydraulisch anheben oder absenken. Zudem sind die Fahrzeuge mit eigens einer Reihe sinnvoller Transport-Hilfsmittel für stark übergewichtige Patienten ausgestattet.

Rund 100 Einsätze für die Spezialfahrzeuge

Vor einem Einsatz wird abgeklärt, ob ein Schwerlastrettungswagen notwendig ist. „Zu 90 Prozent wird der S-RTW bei Krankentransporten eingesetzt“, erklärt Markus Mühlbauer, Rettungsdienst-Leiter beim BRK in Deggendorf. „Die Patienten und vor allem deren Statur sind also vorher bekannt.“ Rund hundertmal wurde der Schwerlastrettungswagen im vergangenen Jahr eingesetzt.

Die Fahrzeuge sind zwar in Deggendorf stationiert, etwa zwei Drittel der Einsätze spielen sich aber außerhalb des Landkreises ab. Denn die Regener oder Straubinger haben keinen S-RTW.

Insgesamt verfügt der Rettungsdienst des BRK Deggendorf über 14 Fahrzeuge. Vier davon sind in den vier Rettungswachen Deggendorf, Plattling, Osterhofen und Hengersberg rund um die Uhr für die knapp 118000 Einwohner des Landkreises Deggendorf im Einsatz.

Und die Arbeit nimmt zu. „Im vergangenen Jahr gab es rund 25.000 Alarmierungen“, so Mühlbauer. Der Rettungsdienst stößt zunehmend an seine Grenzen. Das liegt zum Teil auch an der heutigen Erwartungshaltung. Die Oma fährt mitunter noch selbst mit dem Taxi ins Krankenhaus, um ja niemandem zur Last zu fallen. „Das sehen wir oft am Krankenhaus. Wir helfen den Leuten dann rein“, bestätigt Mühlbauer.

Manche der jüngeren Generation dagegen rufen wegen jedem Zimperlein den Rettungsdienst. Im Rettungswagen wollen sie sich dann nicht einmal auf die Trage legen. Und manchmal fahren die Angehörigen mit dem Auto hinterher. „Damit wir nicht falsch verstanden werden, wir kommen immer und helfen jedem“, betont Mühlbauer. Doch manchmal sollte die eigene Erwartung vielleicht doch überdacht werden.

Ein weiteres Problem macht den Rettern ungleich mehr zu schaffen. Die Zahl der Übergriffe auf Rettungskräfte nimmt drastisch zu. Erst kürzlich kam es zu massiven Ausschreitungen nach dem Eishockeyspiel zwischen Deggendorfer SC und EV Landshut. Dabei wurde auch ein Rettungssanitäter des BRK Deggendorf beim Rettungsdiensteinsatz angegriffen und verletzt.

„Die Übergriffe sind überwiegend auf Alkoholeinfluss zurückzuführen“, weiß Mühlbauer. Betrunkene gab es zwar schon immer, aber heute wird den Rettungskräften oft bei weitem nicht mehr der nötige Respekt entgegengebracht. Während man früher froh war, wenn die Retter eintrafen, kann es heute durchaus passieren, dass die Betroffenen ungehalten sind, weil es wegen der Einsatzlage etwas länger gedauert hat. Keiner hat mehr Zeit und die Aggressionen nehmen zu.


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