15.03.2018, 09:48 Uhr

Präzisionstherapie Linearbeschleuniger am Klinikum Traunstein erneuert

(Foto: Ralf Reuter)(Foto: Ralf Reuter)

So beeindruckend die äußere Erscheinung auch ist: Sie lässt nur im Ansatz erahnen, welche hochmoderne Technik der erneuerte Linearbeschleuniger im Klinikum Traunstein in seinem Inneren birgt.

TRAUNSTEIN „Wir können unsere Patienten mit gut- und bösartigen Tumoren nun noch präziser, schneller, effizienter und schonender behandeln“, freut sich Dr. Thomas Auberger, Chefarzt der Abteilung Strahlentherapie und Radioonkologie am Klinikum Traunstein. „Damit bekommen unsere Patienten einen Behandlungsstandard, wie ihn nicht einmal alle Universitätskliniken haben.“

Rund 80 Patienten werden täglich in der Strahlentherapie behandelt. Rund 70 Prozent von ihnen leiden unter Krebserkrankungen, der Rest hat überwiegend orthopädische Problematiken. Mit der Inbetriebnahme des neue Dimensionen in der Behandlung eröffnenden Geräts kann die 1968 zunächst mit einem Kobaltgerät ausgestattete Strahlentherapie am Klinikum ihren Patienten nun noch über die Möglichkeiten der 1988 und 2005 installierten Linearbeschleuniger hinausgehende Therapien auf dem neuesten Stand von Forschung und Technik anbieten. Dr. Thomas Auberger und  Projektleiter Jörg Schneider haben das aufgerüstete, hochkomplexe High-Tech-Gerät in den letzten Monaten präzise eingerichtet und die Software mit den in der Abteilung bereits eingesetzten Programmen vielseitig digital vernetzt.

Als Hochleistungslinearbeschleuniger ist dieser mit modernster, hochintelligenter Technik zur Abgabe hoch präziser Strahlendosen, zur Patientenpositionierung und mit einem integrierten bildgebenden Verfahren, der Computertomographie, ausgestattet. „Dies ermöglicht uns die tägliche Kontrolle der Lagerungsgenauigkeit des Patienten, der Position des Tumors und der möglichen Veränderungen der Anatomie des Patienten“, so Dr. Auberger. „Der Mensch ist ja kein unbeweglicher Würfel und daher ist es eine große Herausforderung, das zu bestrahlende Tumorfeld so präzise wie möglich zu treffen und zugleich das umliegende Gewebe bestmöglich zu schonen.“ Damit ist es nun auch möglich, darauf zu reagieren, dass sich Organe im Brust- und Bauchbereich während des Atmens verschieben. „Ein typisches Anwendungsbeispiel für die atemgesteuerte Strahlenbehandlung, das Gating, ist die Bestrahlung eines Mammakarzinom auf der linken Seite“, so Jörg Schneider. „Das Gerät bestrahlt den Tumor hier nur in der Phase des Einatmens, um das Herz der Patientin so optimal wie möglich zu schonen.“ In der Ausatemphase stoppt das Gerät, um beim nächsten Einatmen dann wieder zur bestrahlen.

„Der nächste Schritt ist dann das Tracking“, so Dr. Auberger. „Diese permanente Anpassung der Bestrahlungsfelder an die Tumorposition eignet sich zum Beispiel bei Tumoren in der Lunge oder der Leber.“ Beim Tracking-Verfahren folgt die Strahlung dem Tumor, sie bewegt sich synchron mit ihm. Das ermöglicht eine millimetergenaue Bestrahlung. So kommt neben Lage, Form und Ausdehnung des Tumors mit dem Faktor Zeit eine vierte Dimension zum Tragen. Die intensiven, kurzen 4-D-Bestrahlungen des Geräts ermöglichen den Patienten kürzere und schneller wirksame Behandlungstermine. Optimal ergänzt wird der Beschleuniger schließlich durch einen ebenfalls erneuerten, hochmodernen Lagerungstisch, auf welchem der Patient in jeder beliebigen Position bestrahlt werden kann.


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