05.09.2019, 08:41 Uhr

Digitale Diätpille Vor allem Männer nehmen mit Apps ab

(Foto: 123rf.com)(Foto: 123rf.com)

Zwei Drittel aller Nutzer von Fitness-Trackern ändern ihr Verhalten.

REGEN Ob als Armband, verbunden mit diversen Funktionen einer Uhr, oder im Handy – die Aufzeichnung von Gesundheitsdaten wird immer beliebter und führt bei der überwiegenden Mehrheit zu einer gesünderen Lebensweise. Laut einer aktuellen forsa-Umfrage unter 1002 Personen zwischen 18 und 50 Jahren im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse bestätigen zwei Drittel aller Nutzer von sogenannten Fitness-Trackern und entsprechenden Apps, dass sie durch die Kontrolle ihrer eigenen Daten ihr Gesundheitsverhalten geändert haben. Die häufigste Verhaltensänderung findet in puncto Bewegung statt: 85 Prozent der Befragten, die ihr Verhalten umgestellt haben, bewegen sich deutlich mehr. Erstaunlich ist das Ergebnis, dass vor allem Männer dank der Apps stärker auf eine ausgewogene Ernährung achten (42 Prozent) und dadurch sogar weniger essen (26 Prozent). Auch jede dritte Frau erwägt durch Apps eine Ernährungsumstellung, aber nur 13 Prozent reduzieren auch die Essensmenge. Um die Schlafqualität zu steigern, gönnen sich beide Geschlechter gleichermaßen mehr Ruhephasen (30 Prozent).

„Wenn Versicherte unterstützt durch Apps mehr auf ihre Gesundheit achten und Fitness-Tracker auf diese Weise zu einer gesünderen Lebensweise beitragen, ist das aus Krankenkassensicht positiv zu bewerten“, sagt Ralf Haag, Sportwissenschaftler bei der KKH. Die Idee, Gesundheitsdaten per Smartphone zu kontrollieren, finden heute mehr als zwei Drittel der Befragten gut, im Jahr 2015 war es nur jeder Zweite. Vor allem die jüngere Generation der 18 bis 29-Jährigen steht dem Trend positiv gegenüber (78 Prozent). Auch die Zahl der Nutzer hat sich in den vergangenen vier Jahren verdoppelt. Laut der Umfrage hat inzwischen nahezu jeder dritte Bürger im Alter von 18- bis 50 Jahre (32 Prozent) einen Fitness-Tracker oder eine Gesundheits-App für sein Smartphone. 2015 waren es nur 14 Prozent der Befragten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will solche digitalen Angebote in Zukunft stärken. Das Bundeskabinett hat dafür Anfang Juli einen Gesetzesentwurf verabschiedet, der vorsieht, dass Ärzte Gesundheits-Apps zukünftig auf Krankenkassenkosten verschreiben dürfen. „Inzwischen gibt es eine Vielzahl an Anbietern und Produkten, die allerdings oft noch nicht evaluiert sind. Interessierte Nutzer sollten sich deshalb im Vorfeld gut über das Angebot informieren und auf den Schutz ihrer personenbezogenen Daten achten“, rät Haag. Um die Sicherheit der Apps zu verbessern, soll laut Spahns Plänen zukünftig eine rasche Zulassung über das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ermöglicht werden. Den Ersatzkassen geht dies jedoch nicht weit genug. Sie halten ein zweistufiges Verfahren für sinnvoller, in das auch der gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten und Krankenkassen einbezogen wird, um den Nutzen der Applikationen in einem zwölfmonatigen Erprobungsverfahren zu bewerten.

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat 1.002 Personen zwischen 18 und 50 Jahren vom 24. Mai bis 3. Juni 2019 sowie vom 11. bis 18. Dezember 2015 bundesweit repräsentativ befragt.


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