05.12.2017, 10:48 Uhr

Echt dufte: Backen mit wilden Kräutern


Seit 2015 arbeitet die Medizinische Fachangestellte als Kräuterpädagogin.

RUHMANNSFELDEN Elke Weindl aus Ruhmannsfelden hat sich schon immer für die Tiere ihrer Heimat und die Natur interessiert. Durch ein verletztes Rehkitz ist sie in die Welt der Kräuter eingetaucht. „Diese faszinierende Welt der Heilpflanzen und ihre Heilwirkung haben mich nie wieder losgelassen“, so die 44-Jährige, und deshalb hat sie eine Ausbildung zur Kräuterpädagogin gemacht. Mit Erfolg. Seit 2015 hält sie ihr Zertifikat in den Händen und gibt ihr Wissen an Kinder und Erwachsene weiter.

Mit der Qualifizierung zur Kräuterpädagogin hat Elke Weindl die fachlichen und methodischen Voraussetzungen erworben, um Dienstleistungen und Produkte rund um das Thema Kräuter entwickeln zu können. Klingt im ersten Moment etwas trocken und langweilig, ist aber richtig spannend! Ökologie traditioneller Wildkräuter, Verwendung in der Ernährung und überlieferte Volksheilkunde sind nur drei der Themenbereiche, mit denen sich die Pflanzenexperten auskennen müssen. Kräuterpädagogen sind quasi Botschafter der Natur. Sie kennen zahlreiche Wildkräuter und deren Wirkung.

„Ich versuche, den Menschen zu zeigen, welche ,Unkräuter‘ im Garten gegessen werden können, dass diese vorzüglich schmecken und was aus diesen Kraftpaketen alles zu machen ist“, erzählt Elke Weindl von ihrer Arbeit. Dafür bietet die Kräuterpädagogin verschiedene Kurse an. Von Kräuterwanderungen über Kinder-Naturerlebnistage, Wildkräuter-Salbenkurse, Binden von Kränzen und Wildkräuterkörben bis hin zu verschiedenen Koch- und Backkursen rund um das Thema Wildkräuter.

Die Kräuter für ihre Arbeit wachsen zum größten Teil im eigenen Garten. Aber sie ist auch in den Gärten von Freunden willkommen zum „Unkraut jäten“, wie sie es selber nennt. Und so sammelt sie sich in den Sommermonaten einen großen Vorrat an heimischen Wildkräutern. Zum Teil werden die Naturschätze gleich frisch verarbeitet, zum anderen jedoch für die Herbst-Winterzeit aufbewahrt. Dafür legt Elke Weindl die Kräuter zum Beispiel in Öle ein oder hängt sie zum Trocknen auf. Wenn sich die Natur dann zum Schlafen legt und es kaum mehr Wildkräuter auf den Wiesen und in den Gärten zu finden gibt, verlegt die Kräuterpädagogin ihre Arbeit nach innen: „Die gesammelten und getrockneten Kräuter werden geräuchert, ich stelle Salze her, die Kräuteröle sind fertig, aus denen ich nun Salben braue und natürlich gebe ich gerade jetzt Backkurse.“

Backen auf die wilde Art

Einer davon heißt „Plätzchenbacken auf wilde Art“ und fand am 25. November auf dem Erlebnisbauernhof Zeintl in Schöfweg statt. Doch was muss man sich unter dem „wilden Plätzchenbacken“ vorstellen? „Hier kommen mal ganz andere Plätzchen auf den Teller“, so Elke Weindl. Rosenlebkuchen, Mädesüßtaler oder Löwenzahnsterne nennt die 44-Jährige als Beispiele. Bei all diesen süßen Versuchungen kommen selbst hergestellte Wildkräuterzutaten wie Rosenzucker, Rosenhonigauszug, Mädesüßzucker, Mädesüßgelee, Löwenzahnmarmelade oder Brennnesselsamen zum Einsatz.

Und auch wenn die Zutaten etwas exotisch oder ungewöhnlich sind, die Plätzchen sind trotzdem sehr lecker und intensiv im Geschmack. So duftet der Rosenlebkuchen herrlich nach Rosen und die Mädesüsstaler schmecken wunderbar nach Marzipan oder Bittermandel. So wie der charakteristische Geschmack und Duft des Mädesüsses eben ist.

Und noch einen Vorteil haben diese „wilden“ Weihnachtsleckereien. Sie schmecken nicht nur, sondern sind wegen ihrer Heilwirkung auch besonders gesund. Mädesüß setzten schon die Germanen gegen Schmerzen ein. Denn die Pflanze enthält Vorläufersubstanzen der Salicylsäure und kann daher Beschwerden lindern, die typischerweise bei einer Erkältung auftreten. Und auch die Königin der Blume, die Rose, besitzt Heilwirkungen. Sie hilft nachweisbar gegen leichte Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenbereich sowie bei Entzündungen.

Der Löwenzahn besitzt eine ausgeprägte blutreinigende Kraft. Er regt sämtliche Verdauungsorgane sowie Nieren und Blase an, dadurch werden alte Schlacken ausgeschieden und der Körper entgiftet. Aus den gleichen Gründen kann er auch bei Rheumatismus helfen.

Das die Brennnessel zu einer der bewährtesten Heilpflanzen im Garten zählt, ist bekannt. Aber auch die Samen der Wunderpflanze sind wahre Powerkörner. Heutzutage werden sie sogar als Superfood bezeichnet. Bereits unsere Vorfahren wussten um die heilende und gesunde Wirkung von Brennnesselsamen. Sie wurden speziell Frauen als Kräftigungsmittel verabreicht. Man beobachtete eine aphrodisierende Wirkung von Brennnesselsamen. Außerdem kann man die kleinen Körner bei Harnwegstörungen einsetzen. Die Harnwege werden gut durchspült und darüber hinaus die Bildung von Blasen- und Nierensteinen vorgebeugt. Durch die zusätzlich anregende Wirkung sind Brennnesselsamen zudem ein bewährtes Mittel bei Müdigkeit und Leistungsschwäche. Auch bei Gicht und Rheuma, Bluthochdruck und Störungen des Verdauungstraktes können Brennnesselsamen helfen.

Neben diesen Heilwirkungen haben diese Kräuterleckereien noch etwas Gutes. Denn beim Genuss von Süßem schüttet unser Körper Glückshormone aus, die die Stimmung aufhellen. Also nicht zögern und herzhaft zugreifen!


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