11.02.2020, 12:14 Uhr

Radon schädigt die Lunge Burgkirchen hat Kindergärten und Schulen auf Radon getestet


Als erste und einzige Gemeinde im Landkreis Altötting hat Burgkirchen Radonmessungen durchführen lassen - auf eigene Kosten

Burgkirchen. Als bisher einzige Kommune des Landkreises hat Burgkirchen an der Alz seinen Kindergärten und Schulen auf die mögliche Belastung mit dem Edelgas Radon untersuchen lassen.

Radon, das sich mit „Edelgas“ so schön anhört, wird eingeatmet und kann bei zu hoher Belastung die menschliche Lunge schädigen. Radon-222 macht ein Viertel der uns umgebenden natürlichen Strahlung aus. Pro Jahr sterben rund 5.000 Menschen in Deutschland infolge einer zu hohen Radonbelastung. Sechs bis zehn Prozent aller Lungenkrebsfälle gehen auf das Konto von Radon.

Besonders in Gebäuden, die auf steinigen, zerklüfteten Untergründen stehen, kann die Radonbelastung in „erdberührten“ Innenräumen wie Keller und Erdgeschoss hoch sein. Das Gas steigt aus der Erde auf. Als Referenzwert - einen Grenzwert gibt es noch nicht - werden in Deutschland 300 Bequerel pro Kubikmeter Luft angesetzt. In Schweden gelten 200, die WHO fordert sogar 100.

Nach der neuen Strahlenschutzverordnung von 2018 wird es gemäß § 127 künftig Pflicht für Arbeitgeber werden, die Konzentration von Radon-222 an Arbeitsplätzen in Innenräumen messen zu lassen, „wenn sich der Arbeitsplatz im Erd- oder Kellergeschoss eines Gebäudes befindet“. Das betrifft „festgelegte Gebiete“, die aber derzeit noch gar nicht festgelegt sind. Das könnte noch einige Monate dauern. Da Radon in Bayern in einem Gebiet zwischen Alpen und Ingolstadt vermehrt auftritt, wird auch Burgkirchen ein „Vorsorgegebiet“ werden.

10 % der Lungenkrebsfälle von Radon ausgelöst

Trotzdem hat sich die Gemeinde Burgkirchen schon 2018 dazu entschlossen, Radon in ihren Kindergärten und Schulen messen zu lassen. „Aus Pflichtgefühl unseren Kindern gegenüber und auch den Erwachsenen, die dort arbeiten“, so Burgkirchens Erster Bürgermeister Johann Krichenbauer.

Von März 2018 bis März 2019 wurden in Kellerräumen, im Erdgeschoss und teilweise im ersten Stock sogenannte „Dosimeter“ angebracht. Durchgeführt wurde die Untersuchung vom Ingenieurbüro Bergmann aus Altötting.

Meist lagen die ermittelten Werte weit unter dem Referenzwert von 300. Einige knapp darüber. Nur der Handarbeitssaal der Grundschule Hirten war mit 1.274 bq/m3 einsamer Spitzenreiter.

Was sich im ersten Moment dramatisch anhört, kann Fachmann Bergmann aber entkräften: „Durch ausreichendes Lüften oder auch eine Zwangsbelüftung kann auch in diesem Raum der Wert wieder unterschritten werden.“

Es wurde festgestellt, dass der Handarbeitssaal nur wenige Stunden pro Woche genutzt wird und deshalb über das gesamte Messjahr auch nur wenig belüftet wurde. Deshalb soll hier bei gezieltem Lüftverhalten eine Nachmessung erfolgen.

Burgkirchen wird in nächster Zeit auch seine gemeindlichen Gebäude - Bauhof und Wasserwerk, Bürgerzentrum, Freibad, Kläranlage und Rathaus - auf Radon messen lassen.

Bürgermeister Krichenbauer ist sich sicher: „Das wird in Zukunft eine Riesenthema. Jeder Arbeitgeber wird in Zukunft diese Messungen durchführen müssen.“

Von den jetzt vorgelegten Ergebnissen war er fast „angenehm“ überrascht, denn eine untersuchte Privathäuser in Burgkirchen wiesen eine deutlich höhere Belastung auf.

Die Kosten der jetzt gemachten Messungen in Kindergärten und Schulen träg die Alzgemeinde allein. Es gibt dafür keine Zuschüsse.

Wer jetzt sein Eigenheim auf Radon testen lassen will, muss bei drei Messpunkten mit Kosten von rund 150 Euro für Messung samt Auswertung rechnen. Übrigens: Die Strategie der Energieeinsparverordnung, die unsere Häuser immer dichter macht, sorgt für steigende Radonwerte, vor allem in sanierten Altbauten. Auch hier ist also zumindest regelmäßiges Lüften angesagt.