03.02.2020, 16:52 Uhr

Dennis Schmidt lebt derzeit in China Ein Burgkirchner und das Coronavirus

(Foto: privat)(Foto: privat)

Dennis Schmidt verfolgt die aktuelle Lage in China und berichtet täglich auf Youtube

BURGKIRCHEN/CHINA. Dennis Schmidt ist 28 Jahre alt, in Burgkirchen aufgewachsen, Student der Wirtschaftsinformatik in München. Seit sechs Monaten lebt er in China - in der Stadt Hangzhou, rund 600 Kilometer vom „Virusherd“ Wuhan entfernt - um seine chinesischen Sprachkenntnisse auszubauen.

Vor zwei Wochen hat er in China das erste Mal von dem tödlichen Coronavirus gehört. „Davor wusste niemand von diesem gefährlichen Virus, der sich in einem Fisch- und Wildmarkt in der Stadt Wuhan ausgebreitet hat“, berichtet Dennis .

Etwa 5 Millionen Menschen haben Wuhan noch vor der Verbarrikadierung der Stadt verlassen. Diese große Anzahl an Ausreisenden ist auf das Chinesische Neujahr zurückzuführen, dem größten Fest des Jahres – vergleichbar mit Weihnachten. Zu dieser Zeit reisen Chinesen scharenweise durchs ganze Land, um in ihre Heimatstädte zu kommen. Das verkompliziert die Eindämmung des Virus erheblich. Wuhans Bürgermeister habe eingeräumt, die Öffentlichkeit sei zu spät über den Virus informiert worden.

„Das Leben hier hat sich auch außerhalb Wuhans stark verändert“, so Schmidt. „Man sieht fast niemanden mehr auf der Straße ohne Maske und ununterbrochen erreichen uns neue Nachrichten auf unserem Smartphone über die aktuelle Lage. Es wird strikt von jeglichen unnötigen Verlassen des Hauses oder gar Reisen abgeraten.“

Viele seiner deutschen Mitschüler verlassen derzeit das Land, weil die Zukunft ungewiss ist. In einem Telefonat mit der Deutschen Botschaft in Peking wurde ihm gesagt, die Botschaft wisse nicht, inwieweit die Verkehrsmittel in China weiter eingeschränkt werden. Man müsse damit rechnen, dass die freie Bewegung noch weiter von der chinesischen Regierung verringert wird. Die Stadt Wuhan ist vollständig abgesperrt worden. Flughäfen, Züge, öffentliche Verkehrsmittel und Autobahnen wurden geschlossen. British Airlines und Lufthansa haben bereits alle ein- und ausgehenden Flügen nach China gestrichen.

Dennis Schmidt verfolgt die aktuelle Lage in China und berichtet täglich auf Youtube über die aktuellen chinesischen Medien und Sozialen Netzwerke in China - https://youtu.be/UhQQpKqONGI.

Eines der größten Probleme, die die Menschen aktuell in ganz China haben, sei die Verknappung der so dringend benötigten Masken. China habe eine maximale tägliche Produktionskapazität von 20 Millionen Masken pro Tag, teilte die Regierung mit. Der derzeitige Mangel ist darauf zurückzuführen, dass die Arbeiter wegen Chinesisch Neujahr in ihre Heimat zurückgekehrt sind, Rohstoffbestellungen und Maschinen wurde heruntergefahren. Selbst wenn Mitarbeiter ihre Urlaube vorzeitig beenden würden, dürfen neu produzierte Maksen erst nach 14 Tagen die Produktion verlassen, hat Dennis erfahren.

Die explodierte Nachfrage treibt die Preis für die Masken in die Höhe. „Die Preise hier sind von umgerechnet 2 bis 3 Euro auf fast 25 Euro für 10 Stück gestiegen, auch online schießen die Preise in die Höhe.“

Nachdem Alibaba, vergleichbar mit Amazon, gegen diese Preise vorgeht, haben einige Verkäufer die Express-Liefergebühr auf über 120 Euro angehoben. Es gebe auch Verkäufer, die gebrauchte Masken aufkaufen, neu verpacken und sie als fabrikneu zu verkaufen oder sie verlangen eine Anzahlung, um anschließend dem Käufer mitzuteilen, dass die Masken aktuell nicht geliefert werden können. Die Anzahlung bekommt der Käufer aber nicht zurück.

Eine andere Methode, um mit der Coronavirus-Epedemie Profit zu machen, istder Verkauf der Kundendaten. Verkäufer werben mit niedrigen Preisen der Masken, damit diese gekauft werden. Anschließend wird der Käufer kontaktiert und gebeten die Bestellung zu stornieren, da die Masken derzeit nicht geliefert werden könnten. So kommt der Verkäufer an Name und Adresse des Käufers und kann diese auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Die Chinesen werden derzeit über solche illegale Methoden in den Sozialen Netzwerken aufgeklärt.

Während wegen des Coronavirus das Leben der normalen Menschen eingeschränkt worden ist - durch Verschiebung des Schul- und Semesterstarts, sowie die Verlängerung des Arbeitsurlaubes - wird in Internetunternehmen das sogenannte 996 weiter verstärkt. 996 bedeutet die Menschen arbeiten von 9 Uhr morgens bis 21 Uhr nachts und das sechs Tage die Woche. Wegen der hohe Konkurrenz der Internetfirmen in China ist diese Arbeitszeit Gang und Gäbe.

Da das Internet im Gegensatz zur SARS-Epidemie im Jahr 2002 heute eine wichtigere Rolle spielt, sind die Internetunternehmen gezwungen, mehr Verantwortung zu übernehmen. Sie bieten die Möglichkeit Geld zu spenden, bieten kostenlose Produkte an und stellen Dienste und Informationen bereit, um sich vor dem Coronavirus zu schützen.

Dennis wollte eigentlich noch weitere sechs Monate in Hangzhou Chinesisch lernen. Danach wollte er seine Arbeit als Softwareentwickler in China fortführen. „Die nächsten Tage werden zeigen, ob ich meine Pläne wegen Corona ändern werde“, sagt der Burgkirchner.

Diesen Sonntag wurde über eine Stadt, die rund 300 Kilometer von Schmidts Wohnadresse entfernt ist, eine Ausgangssperre verhängt.


0 Kommentare