22.01.2020, 12:45 Uhr

Das Öl aus Cannabis CBD beruhigt seine Nerven und hat Joachim Unger geholfen

Er schwört drauf: Joachim Unger mit ein paar Tropfen CBD-ÖL auf dem Handrücken. (Foto: Christa Latta)Er schwört drauf: Joachim Unger mit ein paar Tropfen CBD-ÖL auf dem Handrücken. (Foto: Christa Latta)

Drei Jahre hatte der Neuöttinger Schmerzen, warf Pillen ein wie Bonbons. Jetzt tropft er die Beschwerden weg

NEUÖTTING. Im Juli 2016 hat ein schwerer Bandscheibenvorfall Joachim Ungers Spanienurlaub abrupt beendet. Die vom Orthopäden angeratene Operation konnte sich der selbstständige Kraftfahrer zeitlich nicht leisten. Danach war es für eine OP zu spät. Drei Jahre lang litt er unter ständigen, schweren Schmerzen, hatte taube Füße und Lähmungserscheinungen. „Die würde ich meinem ärgsten Feind nicht wünschen“, sagt der 55-Jährige.

Mit Hammerpillen vom Neurologen bekämpfte er seine Schlaflosigkeit, wachte aber trotzdem wie erschlagen auf. Spritzen und starke Schmerztabletten halfen ihm mehr schlecht als recht über den Tag. Als Zeitungsausfahrer muss er jeden Tag stundenlang hinter dem Steuer seines Transporters sitzen, schwere Zeitungsbündel ein- und ausladen.

CBD-Öl ist nicht einfach Hanf-Öl

Er wollte weg von den Medikamenten, die ihm nicht richtig helfen konnten. Und vor rund drei Monaten hat er das auch geschafft. Joachim Unger las von einem Produkt aus Cannabis, das ohne zu berauschen, die Nerven beruhigt und so Linderung bei verschiedensten Krankheiten bringen kann. Keine Heilung, das war ihm klar.

Dieses sogenannte CBD-Öl fand er bei Carsten Graz in Reischach. Der 44-Jährige war wegen Rückenproblemen selbst jahrelang Schmerzpatient, bekam Morphium, konnte nicht mehr arbeiten. Auf Reha in Berchtesgaden bekam er 2012 von einem älteren Mitpatienten ein paar Tropfen CBD-Öl und nach nur wenigen Minuten entspannte sich sein Körper, der Dauerschmerz ließ nach. Seit dieser Erfahrung nimmt Graz das Öl regelmäßig. Mittlerweile verdient er damit auch seinen Lebensunterhalt. Als „KannaNol“ entwickelt, vertreibt und verkauft er die CBD-Tropfen, Kapseln und Bonbons zusammen mit seiner Frau.

Bei seinem ersten Besuch in Reischach war Unger verwundert: „Es war wie in einer Arztpraxis“ – und schränkt ein – „wie früher, als sich der Arzt noch Zeit nehmen konnte.“ Rund zwei Stunden dauerte die ausführliche Beratung, die Aufklärung über CBD und wegen möglicher Wechselwirkungen die Abfrage weiterer Krankheiten. Z.B. darf CDB nicht in Kombination mit Blutverdünnern genutzt werden.

„Ich nehme jetzt keine Schmerztabletten mehr“

Graz empfahl ihm die Einnahme von 6%igen CBD-Tropfen vor dem Schlafengehen. Und siehe da: „Nach drei Nächten bin ich das erste Mal erholter aufgewacht“, erinnert sich der. „Ich hab gemerkt, da ist was in meinem Körper passiert. Es war, als hätte sich ein Schalter umgelegt. Nach drei Jahren Dahinsiechen hatte mein Leben wieder Qualität.“

Wenn er wieder mal stärkere Schmerzen hat, nimmt Unger zwei, drei 10%ige CBD-Tropfen und erlebt einen Tag ohne Schmerzen. „CBD war für mich der letzte Strohhalm, um nicht lebenslänglich Schmerztabletten mit enormen Nebenwirkungen nehmen zu müssen“, ist er sich sicher. „Ich nehme keine Tabletten mehr. Mir hat es geholfen.“ Und er spart auch noch Geld. Denn die Zuzahlungen und der Selbstkauf von Schmerzmitteln waren monatlich teurer als die CBD-Tropfen.

Erste Reaktion ist oft: Wo hast deine Hanfplantage?

Auch in seinem Freundeskreis wurde CBD schon getestet – nach den ersten typischen Fragen, wo er denn seine Drogenplantage hätte, etc: „Mir hat keiner etwas Negatives darüber berichtet.“

Es gebe rund 7.000 Studien über die schmerz- und angstlindernde und entzündungshemmende Wirksamkeit von CBD-Produkten, sie wirkten bei rund 300 Krankheiten, aber nicht bei jedem Menschen, so Graz: „Ungefähr 5 Prozent der Menschen sprechen nicht darauf an.“

Angst, von dem Auszug der weiblichen Hanfpflanze, rauschig oder sogar abhängig zu werden, müsse keiner haben. „CBD wirkt auf die Nerven, beruhigt und fährt den Körper runter, ist aber nicht psychoaktiv und löst keinen Rausch aus wie ein Joint“, versichert Graz.

Joachim Unger ist es ein Bedürfnis, für CBD zu werben: „Es muss endlich in die Köpfe der Leute, dass es hilft und Cannabis nichts Böses ist. Jeder sollte sich selbst ein Bild davon machen, z.B. beim Tag der offenen Tür in Reischach am 25. Januar oder unter Kannanol.de.“ Auch einige Reischacher seien bereits zufriedene CBD-Konsumenten.

Arzt: „Dem einen hilft´s, dem anderen nicht“

Wie beurteilt ein Arzt diese Präparate aus Cannabis – nur Geschäftemacherei oder wirksame Helfer? Dazu Dr. Jan Döllein, Sprecher der Hausärzte im Landkreis: „Ich denke nicht, dass CBD ein Präparat für alle ist, die Wirkung ist völlig inhomogen. Der eine meint, es hilft, dem anderen hilft es nicht. Wenn jemand damit gute Erfahrungen macht, sage ich Super. Einen Versuch damit zu machen, ist es sicher wert.“

Können CBD-Produkte schädlich sein? Dr. Döllein: „Nach dem jetzigen Stand der Wissenschaft schadet es nicht.“


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