28.02.2019, 13:54 Uhr

Höhere PFOA-Werte nachgewiesen PFOA - Ergebnisse der Blutuntersuchung von Kindern liegen vor

(Foto: Christa Latta)(Foto: Christa Latta)

Das Blut von 47 Kindern im Alter zwischen drei Monaten und acht Jahren wurde untersucht

LANDKREIS ALTÖTTING. Eltern von Kindern unter sieben Jahren, die in den von PFOA betroffenen Gemeinden des Landkreises Altötting leben, war vom Gesundheitsamt des Landkreises angeboten worden, nach einer Beratung bei ihrem/r Haus- oder Kinderarzt/-ärztin den PFOA-Gehalt ihres Kindes im Blut und weiterer perfluorierter Substanzen im Zeitraum vom 1. November bis zum 15. Dezember 2018 kostenfrei messen zu lassen.

Interesse zeigten daran auch die Eltern von sieben Kindern im Alter zwischen sieben bis acht Jahren. Sie konnten ebenfalls von dem Angebot Gebrauch machen. Insgesamt wurde das Blut von 47 Kindern im Alter zwischen drei Monaten und acht Jahren untersucht.

Die Ergebnisse der Analysen liegen nun vor. Sie liegen im Rahmen des Erwarteten. Aufgrund der zurückliegenden Belastung des Trinkwassers wurden im Blut der Kinder höhere Gehalte an PFOA nachgewiesen als bei Kindern aus Regionen ohne eine PFOA-Quelle (z.B. München). Trotz der erhöhten Werte besteht aber nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen keine Gesundheitsgefahr. Dies wurde den Eltern bereits mitgeteilt. Das Gesundheitsamt steht den Eltern jederzeit für ein persönliches Beratungsgespräch zur Verfügung.

Alle anderen perfluorierten Substanzen wurden gar nicht bzw. nur in einigen Proben in geringen Konzentrationen nachgewiesen. Die Konzentrationen an ADONA, dem PFOA-Ersatzprodukt, lagen für alle Kinder unter der Bestimmungsgrenze des analytischen Verfahrens. Der Mittelwert des PFOA-Gehaltes in den 47 Blutproben aus dem Belastungsgebiet des Landkreises Altötting lag bei 20,40 µg/l Blutplasma. Einzelergebnisse wurden aus Datenschutzgründen nur den jeweiligen Eltern mitgeteilt. Im Vergleich zu den Kindern lagen die mittleren PFOA-Konzentrationen in der zurückliegenden Hauptuntersuchung bei Personen im Alter zwischen 7 und 85 Jahren bei 24,64 µg/l.

Zu Messungen von PFOA im Blut von Kindern liegen weltweit nur wenige Ergebnisse vor. So wurde bei Kindern aus München im Alter von 6 Monaten Gehalte im Mittel von 8,0 µg/l und im Alter von 19 Monaten von 5,1 µg/l gefunden. Auf den Färöer-Inseln wurden mediane Gehalte von 8,2 µg/l (11 Monate), 6,1 µg/l (18 Monate) und 3,8 µg/l (60 Monate) gemessen. In einer umfangreichen Untersuchung im Umfeld eines PFOA-Produzenten in den USA (mit hohen Trinkwasserbelastungen) lagen die Mittelwerte bei 33,7 µg/l (24 Monate), 42,8 µg/l (36 Monate), 38,0 µg/l (48 Monate), 37,3 µg/l (60 Monate), 39,1 µg/l (72 Monate) und 37,1 µg/l (84 Monate).

Der Mittelwert des PFOA-Gehaltes in den 47 Blutproben aus dem Belastungsgebiet des Landkreises Altötting überschreitet den HBM-I-Wert von 2 µg/l Blut. Dieser Wert stellt nach Einschätzung der Human-Biomonitoring-Kommission am Umweltbundesamt eine Grenze dar, ab der vermehrte Vorsorgeanstrengungen angezeigt sind: Die Ursache der Belastung sollte ermittelt und minimiert werden. Im vorliegenden Fall ist dies durch die Absenkung des PFOA-Gehaltes im Trinkwasser bereits geschehen.

Maßnahmen zur Senkung des PFOA-Gehalts

Vorrangig ist die Sanierung des Trinkwassers als Hauptquelle. Die dazu bereits ergriffenen Maßnahmen müssen auch in Zukunft konsequent beibehalten werden. Da PFOA sich im Körper nicht verändert und nur langsam mit einer Halbwertszeit von ca. drei Jahren wieder ausgeschieden wird, nimmt die Abnahme der Blutwerte längere Zeit in Anspruch. Es ist damit zu rechnen, dass sich die PFOA-Werte in dem Belastungsgebiet des Landkreises Altötting im Verlauf der kommenden Jahre an die übliche Hintergrundbelastung angleichen werden. Eine wirksame und sinnvolle medizinische Maßnahme zur Beschleunigung dieses Prozesses ist derzeit nicht bekannt.

Weitere Informationen sind der Homepage des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit unter www.lgl.bayern.de/kleinkinduntersuchung zu entnehmen.

Über PFOA

Von 1968 bis 2008 wurde möglicherweise krebserregendes PFOA am Standort Chemiepark Gendorf von dort ansässigen Industrieunternehmen eingesetzt. Behördlich genehmigt gelangte es in die Luft, in die Alz und ins Grundwasser. PFOA wurde für schmutz- und wasserabstoßende Beschichtungen bei Textilien und für die Beschichtung von Töpfen und Pfannen produziert.


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