05.02.2019, 12:29 Uhr

Jung gefreit, nie gereut Eheleute Starflinger 50 Jahre in Liebe vereint


„Des hoit koane zwoa Jahr“ gaben viele den Jungvermählten mit auf den Weg: Weit gefehlt!

HAIMING. Heute - am 6. Februar - feiern sie ihre Goldene Hochzeit. Als Waltraud und Alois Starflinger 1969 geheiratet haben, da war das schon was Besonderes: Die Braut war gerade einmal 17 Jahre und der Bräutigam 19 Jahre jung. „Zu der Zeit war man erst mit 21 Jahren volljährig. Deshalb benötigten wir das Einverständnis unserer Eltern. Die haben sich auch um alle erforderlichen Formalitäten gekümmert, weil sie eingesehen haben: Für mich musste es der oder keiner sein“, lacht Waltraud Starflinger. Und Alois verrät, dass ihm die Waltraud schon im Schulbus aufgefallen ist, einfach weil sie „so a liab‘s Madl war“.

Kennengelernt haben sich die Zwei aber erst bei einer Silvesterparty im Marktler Strasser-Saal: „Da durfte ich das allererste Mal in Begleitung meines Bruders ausgehen“, erzählt die Piesingerin. Ihre „Laufbahn“ als Single-Partygirl war jedoch kurz, denn der Alois aus Daxenthal ergriff seine Chance - und seine damalige Begleiterin musste allein nach Hause gehen. Schon bald fuhr das junge Paar in einer weißen Hochzeitskutsche in Winhöring zur Kirche und feierte eine große Hochzeit – und das nicht etwa wegen einer Schwangerschaft, sondern einfach, weil sie ihre große Liebe halt schneller gefunden hatten als die meisten anderen.

Doch dann ging´s auch gleich herunter von Wolke Sieben auf den harten Boden der Tatsachen: „Nachdem wir die Hochzeitsfeier bezahlt hatten, waren wir quasi pleite“, erinnern sich die beiden: „Wir haben ganz arm angefangen, der Hof war 350 Jahre alt und das Holz am Haus schon verfault. Anfangs hatten wir nur zwei Stuben soweit hergerichtet, dass man halbwegs drin wohnen konnte.“

Aber die zwei krempelten die Ärmel hoch und arbeiteten hart. Alois war als Anlagenbauer auf Montage unterwegs, kümmerte sich nebenbei um seine Fischzucht und ackerte jedes Wochenende auf dem Hof. Waltraud steuerte als Verkäuferin ihren Teil zur Familienkasse bei: „Oft kamen wir gerade so über die Runden, aber Geld war nie ein Thema, über das wir gestritten haben.“ Streit gab´s freilich auch bei den Starflingers, nie aber eine Ehekrise: „Wenn´s nicht mal kracht, muss einer ja ein Depp sein“, ist die temperamentvolle Waltraud noch heute überzeugt.

Trotz all´ der Plackerei hat es das Paar nie versäumt, sich auch die schönen Seiten des Lebens zu gönnen: „Wir sind an den Wochenenden ausgegangen wie andere Gleichaltrige auch - halt einfach zu zweit.“ Und auch die Welt haben sie sich angeschaut - natürlich gemeinsam und später mit den beiden Kindern.

Die Geburten von Sohn und Tochter, da sind sich Waltraud und Alois einig, zählen zu den schönsten Momenten in ihrem Eheleben, auch wenn bei der ersten Entbindung um Waltrauds Leben gebangt werden musste.

Heutzutage, so scheint es den Starflingers, brechen Ehen oft viel zu schnell auseinander. Ihr Tipp, wie man gemeinsam auch schwierige Zeiten meistern kann, lautet: „Man muss miteinander reden, immer über alles reden.

Und man muss auch mal zurückstecken: Wenn man nur mit dem Kopf durch die Wand will, funktioniert das nicht. Und schließlich: Das Schlimmste ist zu glauben, man könnte woanders noch was Besseres verpassen. Was man hat, das sollte man pflegen ...“

Das stattliche Anwesen und die Verbundenheit der Familie sind der Lohn dafür, dass die beiden Haiminger in den vergangenen fünfzig Jahren unbeirrt zueinandergestanden haben. „Wir sind schon sehr stolz darauf, was wir gemeinsam geschafft haben“, bekennt das Jubelpaar freiweg.

Wünsche für die Zukunft: Dass alles bleibt, wie es ist

Für die Zukunft haben Waltraud und Alois eigentlich nur einen Wunsch: „Dass wir gesund bleiben und noch viele Jahre miteinander verbringen und miterleben können, wie sich unsere Enkelkinder entwickeln, die uns die größte Freude bereiten. So wie es jetzt ist, ist es einfach am schönsten!“

Und warum wollten die Zwei ihre Liebesgeschichte so gern in aller Öffentlichkeit erzählen? „Weil wir den jungen Leuten zeigen wollen, dass es sich lohnt, um eine Beziehung zu kämpfen und daran zu arbeiten“, so die Starflingers unisono. Und Alois fügt mit einem vergnügten Schmunzeln an: „Und weil wir denen, die uns keine zwei Jahre gegeben haben, zeigen wollen: Da sind wir immer noch - gemeinsam ...“


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