11.04.2017, 13:34 Uhr

Gastkommentar der Woche

Barrierefrei ist das Zauberwort

Kürzlich war ich wieder mal Zaungast bei einem Spatenstich. Ich geh da gerne hin, denn das ist ein Signal dafür, dass wieder ein paar Leute mehr eine Wohnung in Deggendorf finden. In den vergangenen Jahren gab es ja überwiegend Spatenstiche für Studenten, und manche Deggendorfer haben schon gemosert, ob man denn überhaupt so viele Appartements für junge Leute brauche. Tatsächlich habe ich aber noch von keiner Studentenbude gehört, die leer steht. Kunststück, bei 6000 Studierenden.

Deggendorf ist Vorreiter

Inzwischen aber werden immer mehr Wohnungen für Familien und Senioren gebaut. „Barrierefrei“ heißt das Zauberwort. Der bayerische Ministerpräsident kann sich freuen über die Anstrengungen der Bauwirtschaft, denn fast ohne sein Zutun wandelt sich zumindest Deggendorf in eine barrierefreie Stadt. Genau das hat er versprochen: „Bis 2023 ist Bayern barrierefrei“, hat er in seiner Regierungserklärung vom November 2013 verkündet. Und keiner hat's geglaubt. Aber inzwischen sehe ich gute Chancen, dass das Ziel erreicht wird. Und weil Deggendorf so vorbildlich mitzieht, gab's vom Sozialministerium ein schmuckes Taferl: „Bayern barrierefrei. Deggendorf macht mit“.

Die Stadt hat ja dank der Landesgartenschau viel getan dafür, dass Hindernisse für Behinderte und Senioren verschwinden. Denken sie nur an die Lifte auf allen Bahnsteigen, an die „Rennbahn“ am Donauufer, an die Laufbänder zwischen den Stolpersteinen der Stadtplätze, an abgesenkte Gehsteige und vieles mehr. Und wo es noch Nachholbedarf gibt, drängen der Behinderten- und der Seniorenbeirat auf Abhilfe.

Barrierefreies Wohnen, das heißt Lift vom Keller bis zum Dach, das heißt Duschkabinen ohne Stufen, das heißt Vermeidung aller Stolperschwellen. Ganz ohne Treppen geht es ja meistens nicht, aber zumindest gibt's dazu einen Handlauf und evtl. eine Rampe für Rollstuhlfahrer.

Die Architekten kennen noch viel mehr Tricks, wie man Wohnungen bequem für alle bauen kann, auch für Menschen mit Handicaps. Und gut 50 solcher Wohnungen entstehen an der Pater Fink Straße. Weil sie alle unterschiedlich groß werden, kann man davon ausgehen, dass hier mal ein bunter Generationenmix leben wird – ein „Mehrgenerationenhaus“ ganz ohne verschwurbelte Zielvorgaben. Und das ist gut so.

Die kleinen Baumeister

Davon wollte ich aber gar nicht erzählen, sondern wie lustig das war bei dem Spatenstich. Denn in einer Ecke des Grundstücks schaufelten drei kleine Arbeiter begeistert auf einem Erdhaufen herum: Es waren die Enkelkinder des Bauherrn, zünftig ausgestattet mit kleinen Helmen, mit kleinen Schaufeln und mit Baggern. Man hat gesehen, wieviel Spaß es ihnen macht, da zu arbeiten. Dass die Kinder und Enkelkinder mit auf solche Feste genommen werden, ist ein Zeichen für einen grundlegenden Wandel in der Gesellschaft: Kinder sind wieder willkommen. Sie stören nicht, sondern sie bereichern jede Feierlichkeit. Weil's mir so gut gefallen hat, habe ich nach den Namen der kleinen Baumeister gefragt: Das war der selbstbewusste Alois Erl, der in 4. Generation diesen Vornamen trägt, und seine Schwestern Lieselotte und Rosalie. Der stolze Papa und die Onkels waren natürlich auch da, die Großeltern und der Urgroßopa. Wunderbar, wenn die Zukunft eines Unternehmens so offensichtlich schon frühzeitig gesichert wird.

Höchstes Lob im Internet

Die Sache mit den Kindern beim Spatenstich passt hervorragend zu einer weiteren Meldung, die ich in dieser Woche im Internet gelesen habe: „Es geht auch nett: Das ist Deutschlands familienfreundlichste Wohnungsanzeige“ titelte Focus online über das Inserat, das die Stadt Deggendorf aufgegeben hat. Da hat unser Oberbürgermeister natürlich gestrahlt.

Anlass für dies überregionale Lob waren die Konditionen, zu denen die Stadt das neue Doppelhaus in Fischerdorf vermietet. Sie erinnern sich: Wo einst die Moschee der islamischen Gemeinde stand, hat die Stadt familiengerechte Wohnungen mit je 155 Quadratmeter gebaut. Bald werden sie bezugsfertig. Und je mehr Kinder eine Familie mitbringt, desto günstiger ist die Miete. Sie verringert sich bei drei Kindern von 1160 auf 850 Euro. Das ist wirklich kinderfreundlich – und nachahmenswert.


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