05.01.2021, 11:34 Uhr

Jahreswechsel „Ein sehr emotionales Jahr“ – Redakteur Stefan Schmidbauer blickt auf 2020

 Foto: Stefan Schmidbauer Foto: Stefan Schmidbauer

Vermutlich geht es einigen wie mir, wenn sie auf das zu Ende gehende Jahr zurückblicken: Das Beste an 2020 ist, dass es nun bald vorbei ist. Denn all zu viel haben die vergangenen zwölf Monate nicht auf der Haben-Seite.

Straubing. Mein Jahr war geprägt von Emotionen. War ich zu Beginn des Jahres noch erstaunt darüber, wie schnell eigentlich die ersten 20 Jahre (!) des neuen Jahrtausends an mir vorübergeflogen sind, wurde diese Erkenntnis schnell von Angst abgelöst. Die schlimmen Bilder aus Bergamo, wo Corona-Tote mit Militärlastwagen abtransportiert wurden, haben wir alle noch vor Augen. Kurz darauf erreicht das Virus Deutschland und die Ereignisse überschlagen sich. Lockdown, Kurzarbeit, Kontaktbeschränkungen, Alltagsmasken, Katastrophenfall, steigende Infektionszahlen. Gute Nachrichten werden Mangelware. Und doch gibt es zu Beginn der Pandemie auch ein starkes Gefühl des Zusammenhalts. Pflegekräfte werden zu Helden des Alltags, Menschen finden trotz Abstandsgebot neue Wege zueinander. Die ersten Wochen der Pandemie machen mir nicht nur Angst, sondern zeigen mir auch immer wieder Szenen, die mich tief beeindrucken.

Um so trauriger macht es mich im Lauf des Jahres, mit ansehen zu müssen, wie dieser Zusammenhalt in der Gesellschaft immer mehr Risse bekommt. Verschwörungstheorien machen die Runde, plötzlich ist „querdenken“ angesagt. In den sozialen Medien reichen wenige Schlagworte, um im Handumdrehen schlimmste Streitereien auszulösen. Besonders bei den Themen Masken und Impfung scheint Streit vorprogrammiert. Immer wieder überlege ich, ob es nicht sinnvoller wäre, meinen Facebook-Account stillzulegen. Doch aus journalistischer Sicht geht das leider kaum.

Andere Umstände, wie die Absage des Straubinger Gäubodenfestes, finde ich persönlich zwar schade, sind für mich jetzt kein Weltuntergang. Viel schlimmer trifft mich ein Ereignis am Ende des Jahres. Schweren Herzens müssen wir Abschied von unserem geliebten „Abocci“ nehmen. Das trifft mich sehr hart, denn schließlich habe ich es diesem tapferen Schäferhund zu verdanken, mit meiner Frau Bianca zusammengekommen zu sein. Eine Wochenblatt-Reportage über den Polizeihund hat uns vor fünf Jahren zusammengebracht. Von dem Tag an war „Abocci“ für mich mein bester Freund. Ende November aber waren seine Kräfte aufgebraucht und es hieß Abschied nehmen. Doch der tapfere Krieger bleibt unvergessen und es vergeht kein Tag ohne einen lieben Gedanken an ihn. Mit „Aboccis“ Abschied mischt sich von da an auch Trauer zu den vielen Emotionen des Jahres. Doch zu den negativen Gefühlen wie Angst, Wut, und Niedergeschlagenheit kommen auch Dankbarkeit und Hoffnung. Dankbarkeit für viele Menschen, die Tag für Tag über sich hinauswachsen, um anderen zu helfen. Dankbarkeit für einen treuen Freund und die vielen wunderbaren Momente, die er meiner Frau und mir geschenkt hat. Und Hoffnung. Hoffnung auf ein besseres 2021. Ein neues Jahr in dem wir uns an das Gute erinnern und hoffentlich das Schlechte der vergangenen Monate überwinden und wieder gut machen können. Oder sogar besser ...


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