01.07.2020, 09:12 Uhr

Party-Stopp in Straubing „Für die gesamte Szene ist es ein harter Kampf“


Ausgebremst durch Corona: Die Event- und Partyszene im Raum Straubing hat schwer zu leiden. Die Organisatoren vom Strandfestival The Beach können ein Lied davon singen ...

Straubing. Die Corona-Krise hat die Welt bis ins Mark getroffen. Die Sorge vor einer erneuten Zunahme der Infektionen, einer zweiten Welle gar, prägt das politische Handeln in Deutschland. Besonders deutlich wird der vorsichtige Kurs bei Großveranstaltungen, die, darauf haben sich Bund und Länder verständigt, bis auf wenige Ausnahmen bis Ende Oktober untersagt bleiben. Auch Straubing muss wegen der Pandemie in diesem Sommer auf bel(i)ebte Besucher-Highlights verzichten. Im Wochenblatt sprechen Robert Schwaiger (36) und Markus Holzapfel (31), die Organisatoren des Straubinger Strandfestivals „The Beach“, über die Pandemie, die Absage, und die ungewisse Zukunft der Event- und Partybranche.

Herr Schwaiger, Herr Holzapfel, seit 2014 organisieren Sie in Straubing das Strandfestival „The Beach“. Viele tausend Besucher feierten in den vergangenen Jahren auf der Trabrennbahn im Straubinger Süden mit. Heuer hat Ihnen Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie groß ist die Enttäuschung über die Absage?

Robert Schwaiger: Die Enttäuschung ist sehr groß, da „The Beach“ für unsere gesamte Crew immer ein ganz besonderes Ereignis ist. Wir als Veranstalter, aber auch alle Helfer gehen unter dem Jahr den verschiedensten Berufen nach und kommen in der gesamten Zusammensetzung nur selten zusammen. Für den Auf- und Abbau und das Event nehmen sich alle extra Urlaub, um gemeinsam mit den Gästen etwas Großartiges auf die Beine zu stellen und ein einzigartiges Erlebnis zu haben.

Im April erfuhren Sie von dem Verbot aller Großveranstaltungen in Bayern und Deutschland. Wie weit waren zu diesem Zeitpunkt die Vorbereitungen für „The Beach“ 2020, ursprünglich geplant für den 25. Juli?

Markus Holzapfel: Wir hatten die Situation bereits ab Mitte März im Auge und haben deshalb beschlossen, den Ticketvorverkauf erst nach weiterer Klarheit der Situation zu starten. Letztendlich mussten wir uns von dem Vorhaben dann aber leider recht schnell verabschieden.

Sind Sie denn auf vorab geleisteten Kosten sitzengeblieben?

Schwaiger: Wir konnten uns zum Glück mit allen beteiligten Firmen einigen, dass bereits erfolgte Bookings und Mietvereinbarungen aufgrund höherer Gewalt nicht zustande kommen beziehungsweise verschoben werden.

In Deutschland, auch in der Region Straubing, sind die Infektionszahlen in den letzten Wochen gesunken, zahlreiche Lockerungen traten in Kraft. Dagegen bleiben Großveranstaltungen bis Ende Oktober tabu. Haben Sie Verständnis für den Beschluss von Bund und Ländern?

Schwaiger: Natürlich denkt man darüber nach, ob alle Maßnahmen und auch die zeitliche Dimension richtig gewählt wurden. Letztendlich geht es aber um unser aller Sicherheit und deshalb können wir das Vorgehen und auch die langfristigen Regelungen absolut nachvollziehen.

Holzapfel: Für uns als Veranstalter, die das Ganze im Nebenberuf ausüben, ist die Situation aber natürlich wesentlich leichter zu managen als für viele andere Kollegen der Branche, deren Geschäftsgrundlage nun über Monate hinweg vollständig zum Erliegen kommt.

Hatten Sie die Hoffnung , dass „The Beach“ als Freiluftveranstaltung dennoch durchgeführt werden könnte, mit einem an die Pandemie angepassten Konzept, zum Beispiel Besucherreduzierung, personalisierten Eintrittskarten zur Kontaktnachverfolgung und Hygienemaßnahmen?

Holzapfel: Da waren wir von Anfang an so realistisch, dass für uns ausgelassenes Feiern und die notwendigen Vorkehrungen nicht unbedingt zusammenpassen. Daher sind wir momentan der Meinung „Ganz oder gar gar nicht“. Falls die Corona-Situation aber noch wesentlich länger anhält, haben wir bereits entsprechende Konzepte für eine passende Umsetzung unserer Events ausgearbeitet.

DJs, Caterer, Gewerbetreibende – an „The Beach“ hängen auch Existenzen. Wie haben Ihre Geschäftspartner die Absage aufgenommen?

Schwaiger: Bezogen auf unser Festival waren die Reaktionen äußerst professionell. Allerdings wissen wir natürlich aus den persönlichen Gesprächen, dass die Veranstaltungsbranche mit am stärksten von der aktuellen Krise betroffen ist und dass bereits jetzt einige Unternehmen um Ihre Existenz kämpfen.

Sie haben langjährige Erfahrung mit der Organisation von Party- und Clubevents. Bis auf Weiteres bleiben wegen der Corona-Pandemie Diskotheken geschlossen, Betreiber stehen vor dem Aus. Befürchten Sie ein großes Discosterben in der Region?

Schwaiger: Konkretes wissen wir hierzu nicht. Fest steht aber, dass es für die gesamte Szene ein harter Kampf ist und auch bleibt.

Viele Events in Stadt und Landkreis Straubing, gerade für junge Leute, sind in den letzten Jahren verschwunden. „The Beach“ dagegen hatte bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie einen festen Platz im Straubinger Terminkalender. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Festivals?

Holzapfel: Wir sind froh, dass „The Beach“ und das besondere Konzept so erfolgreich angenommen werden. Uns war es von Anfang an wichtig, nicht nur auf ein hochkarätiges und abwechslungsreiches Musikprogramm, sondern auch auf viel Sport und Action zu setzen. Die Mischung aus aktuellem Sound, Pool-, Strand-, Schaum- und Sport-Party gibt uns insofern recht und kommt seit nun fast sieben Jahren gut bei unseren Gästen an.

Schwaiger: Das stimmt. Dazu kommt: Wir entwickeln uns von Festival zu Festival weiter und so nutzen wir auch die momentane Zwangspause, um für das kommende Jahr noch mehr Abwechslung für unsere Besucher auf die Beine zu stellen.

Gibt‘s 2021 also ein Comeback?

Beide:Wenn es nach uns geht, auf jeden Fall!


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