22.06.2020, 14:15 Uhr

Corona-Auflagen Gastro-Vorsitzender Markus Schmelmer – „der Abstand ist die größte Herausforderung“

Unbeschwert im Restaurant sitzen? Aktuell ist das eher nicht der Fall. Foto: Iakov Filimonov/123rf.comUnbeschwert im Restaurant sitzen? Aktuell ist das eher nicht der Fall. Foto: Iakov Filimonov/123rf.com

„Nach meinem Kenntnisstand sind die meisten Betriebe durch den Lockdown gekommen“, sagt Markus Schmelmer, BHG-Kreisvorsitzender Straubing-Bogen. In seinem Hotel Gut Schmelmerhof in St. Englmar lief „das Geschäft über die vier Tage ab Vatertag schleppend, seit 30. Mai läuft es besser, da wir das Hotel geöffnet haben“. 48 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten im „Schmelmerhof“ – „wir haben keinen entlassen und alle Mitarbeiter sind wieder an Board“, sagt Markus Schmelmer.

St. Englmar/Straubing. So gute Nachrichten gibt es aber nicht aus allen Betrieben: „Laut Videokonferenz mit dem Tourismusverband Ostbayern ist die Ausfallquote von Betrieben derzeit nicht genau ermittelbar, jedoch geht eine vorsichtige Schätzung von 30 Prozent aus, die es nicht schaffen werden.“ Und: „Es gab Betriebe, die aufgehört haben in der Krise, weil sie keine Nachfolger haben bzw. schon zu alt sind. Kurzarbeit haben alle Betriebe angemeldet und beantragt“, sagt Schmelmer.

Mit der Wiedereröffnung haben die Gastronomen einiges an Auflagen zu erfüllen: Mund-Nasen-Schutz, Plexiglasabtrennungen, Hygiene-Desinfektionsspender sind Themen, mit denen man sich befassen muss. „Der Abstand ist die größte Herausforderung – auf der einen Seite durch die wenigeren Gäste bedingt durch den erforderlichen Abstand und auf der anderen Seite der damit weniger zu erzielende Umsatz.“ Neue Laufwege mit Einbahnstraßenregelung mussten gefunden werden. Und: „Das größte Problem für die Mitarbeiter ist die Maskenpflicht, zum Beispiel acht Stunden auf der Terrasse bei Sonnenschein – oder in der Küche am heißen Herd!“ Gäste haben es da etwas einfacher. Sie müssen auf dem Weg zu ihrem Tisch die Maske tragen, ebenso, wenn sie sich im Lokal bewegen, um zum Beispiel auf die Toilette zu gehen. Und auch beim Verlassen der Gaststätte muss die Maske wieder getragen werden. Am Tisch selbst darf sie abgesetzt werden.

Markus Schmelmer bittet um Nachsicht, wenn er auf die Einhaltung der Vorgaben pocht: „Im Restaurant merken wir deutlich die gesetzlichen Vorgaben durch den Mindestabstand und das Kontaktverbot von mehr als zwei Haushalten, da hier Familienfeiern jeglicher Art nicht buchen dürfen. Wir dürfen auch Familienfeiern nicht zusammen setzen an einen gemeinsamen Tisch, was auch Buchungen abhält. “ Nicht jeder aber will einsehen, dass er sich an die Regeln halten muss: „Am Pfingstmontag war das Verhalten aufgrund des schönen Wetters von manchen Gästen leider nicht sehr vorbildlich in Bezug auf Maskenpflicht und Warten auf einen Platz. Wir wurden regelrecht überrannt.“

Auch bei der Erhebung der Gästedaten muss alles nach den Vorgaben gehen: „Die Erhebung der Daten ist Pflicht und muss ausgefüllt werden. Dies wollen nicht alle Gäste machen – sie schreiben dann ,Micky Maus‘ oder ,Thomas Mustermann‘ rein. Dies können wir nicht unterbinden, wir sind nicht die Polizei. Wir handhaben es so: Alle Gäste, die reservieren, brauchen es am Tisch nicht mehr ausfüllen, da wir die nötigen Daten bereits bei telefonischer Anmeldung abfragen. Damit müssen nur Gäste ausfüllen, die nicht angemeldet waren. Dies erleichtert den bürokratischen Ablauf enorm.“

Für Schmelmer ist klar: Der Staat muss nochmals aktiv werden für die Gastronomie! „Wir wünschen uns von der Politik eine weitere Unterstützung in Form eines Rettungsschirmes. Die Darlehen waren eine gute kurzfristige Lösung, insofern die Betriebe diese von den Hausbanken durchgereicht bekommen haben, sie sind aber keine endgültige Lösung!“ Denn: Die Rückzahlung der Kredite wird viele Betriebe erneut vor Probleme stellen. „Hier muss die Politik noch Lösungen anbieten sonst werden noch viele Betriebe in den kommenden Jahren sterben, da sie dies nicht erwirtschaften können. Alternativ müssen Gastronomen die Preise erhöhen, um die zusätzlichen Gewinne zu erwirtschaften – oder sie müssen Kosten in dieser Höhe einsparen. Beides wird schwierig sein aus Marktsicht.“


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