19.12.2019, 12:00 Uhr

Weich gekochtes Ei mit Folgen Viele Zeugen im Fall „Bayern-Ei“ erkrankten nach dem Verzehr von Eiern

Eine Zeugin bekam schon zwei Stunden, nachdem sie ein weich gekochtes Ei gegessen hatte, die ersten Beschwerden. (Foto: 123rf.com)Eine Zeugin bekam schon zwei Stunden, nachdem sie ein weich gekochtes Ei gegessen hatte, die ersten Beschwerden. (Foto: 123rf.com)

Im Fall „Bayern-Ei“ sagten am Landgericht Regensburg am Dienstag, 17. Dezember, eine Reihe weiterer Zeugen aus. Unter ihnen war eine von vielen Erkrankten, bei denen nach dem Verzehr von eierhaltigen Speisen Salmonellen in Proben nachgewiesen wurden. Das Gericht versucht nun, herauszufinden, was die Zeugen wann gegessen hatten und woher die Eier möglicherweise stammten – eine äußerst schwierige Angelegenheit, unter anderem deshalb, weil sich ein „normaler Mensch“, wie der Richter zu Bedenken gibt, nicht mehr daran erinnert, was er vor vier oder fünf Jahren an einem ganz bestimmten Tag zu sich genommen hatte.

STRAUBING Eine der erkrankten Zeugen, die am Dienstag aussagte, war eine Frau, die im Juni 2014 als Zimmermädchen in einem Hotel in Österreich tätig war. Bis auf einen freien Tag in der Woche – an den Wochenenden hatte jedoch nie jemand frei – sei sie jeden Tag im Hotel arbeiten gewesen und habe dort dann an jedem Arbeitstag gefrühstückt und zu Mittag gegessen. Die Zeugin begann ihre Aussage mit dem Satz „Es war ein Sonntag, das werde ich nie vergessen, da ist das dann passiert mit dem Ei“. An diesem Sonntag im Juni 2014 habe sie gegen 7 Uhr zusammen mit Kollegen, wie an jedem Arbeitstag, im Hotel gefrühstückt. Da es Sonntag war, gab es für sie ein Ei. Ein weich gekochtes Ei mit Brötchen. Ob sie dazu noch etwas anderes verzehrt hatte, zum Beispiel eine Scheibe Wurst, daran könne sie sich nicht mehr erinnern. Wohl aber an die darauffolgenden Stunden. Außer dem Frühstück hatte sie nämlich an diesem Tag nichts mehr zu sich nehmen können, denn bereits zwei Stunden später fing der Durchfall an. Sie habe sich von Zimmer zu Zimmer geschleppt und dazwischen immer eine Toilette aufgesucht. Bis circa 12.30 Uhr sei sie auf den Zimmern gewesen, dann sei sie in die Wäscherei und habe dort – obwohl es eigentlich sehr warm war – Schüttelfrost bekommen. Danach sei sie nur zwischen Waschbecken und Toilette hin und her und konnte nichts anderes mehr tun oder zu sich nehmen. Am nächsten Tag habe sie beim Betrieb Bescheid gegeben und sei zum Arzt. Zunächst sei die Zeugin, nach eigenen Angaben, nur drei Tage lang krankgeschrieben worden, man vermutete erst einmal eine Magenverstimmung.

Schnell war jedoch klar, dass es nicht bergauf ging. Es wurden Proben genommen und Salmonellen festgestellt. Insgesamt circa vier Wochen war sie krank gemeldet und konnte „nichts essen und nichts trinken, kein Wasser, keinen Tee“, beklagte sich die Zeugin. Außerdem durfte sie nicht zur Arbeit und durfte niemanden in ihre Wohnung lassen, sondern musste isoliert leben. Erst als sie vom Arzt wieder „freigegeben“ wurde, ging sie wieder zur Arbeit. Ab und zu, „bestimmt auch im Juni 2014“, so die Zeugin, habe sie regionale Eier von einer Frau gekauft, aber an dem Tag habe sie „definitiv keines davon gegessen“, beteuerte die Zeugin. Was sie an den Tagen vor diesem Sonntag verzehrt hatte, daran könne sie sich nicht mehr erinnern.

Auch nach der Aussage des nächsten Zeugen, eines Eierlieferanten, bleiben viele Fragen offen, denn offensichtlich kann niemand mit Gewissheit sagen, welche Eier wie, wann und wo und von wem verzehrt wurden. Der nächste Verhandlungstag ist am Freitag, 20. Dezember.


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