21.08.2019, 06:13 Uhr

Kotze, Chaos, Klopapier Helgas wilde Nächte in der Disco-Toilette

Seit gut sieben Jahren arbeitet Helga Bauermann als Klofrau im Stars in Straubing. Ihre denkwürdigen Erlebnisse hat sie im Buch “Lassen Sie mich durch – ich bin Klofrau“ verewigt. (Foto: Casdorf)Seit gut sieben Jahren arbeitet Helga Bauermann als Klofrau im Stars in Straubing. Ihre denkwürdigen Erlebnisse hat sie im Buch “Lassen Sie mich durch – ich bin Klofrau“ verewigt. (Foto: Casdorf)

Helga Bauermann (62) ist Klofrau in der Disco Stars in Straubing – jetzt packt sie aus über ihren bizarren Arbeitsalltag …

STRAUBING Wenn an den Wochenenden hunderte Nachtschwärmer in der Straubinger Diskothek Stars feiern, dann ist Helga Bauermann mittendrin. Nicht, um zu tanzen, zu flirten oder Cocktails zu schlürfen. Sie muss arbeiten. Die 62-Jährige ist Klofrau im Stars. „Man erlebt sehr viel da drin“, sagt sie. So viel, dass man mit den größtenteils bizarren Erlebnissen ein Buch füllen könnte. Und genau dies hat Helga Bauermann nun getan.

Alles begann Ende 2012 mit einer Stellenanzeige im Wochenblatt (Foto unten), wo nach einer Toilettenfrau gesucht wurde. Helga Bauermann, schon damals eine erfahrene Reinigungskraft, bewarb sich – und ergatterte den Job.

Jedes Wochenende verrichtet sie seitdem Dienst im WC der Großraum-Disco im Gäubodenpark. Nicht viele, die sie um ihren Arbeitsplatz beneiden. Ob Nachtschwärmer, Märchenprinzen oder Disco-Queens – auf den Toiletten tun sich so manche (ästhetische) Abgründe auf. „Manchmal kann man nur den Kopf schütteln“, erzählt die 62-Jährige. Es ist wahrlich kein Job für Zartbesaitete.

Doch nicht nur im Kampf mit menschlichen Hinterlassenschaften ist Helga gefordert. Sie ist Zuhörerin, Ratgeberin, Kummerkasten-Tante. Verzweifelte, Missverstandene und einfach nur Redselige schütten ihr Herz aus. „Manchmal bin ich fast so etwas wie Mutter Theresa“, schmunzelt sie. Und wenn sie mal von einem Gast rüde angegangen wird, dann kontert sie eben mit einem kessen Spruch. Ihr Motto lautet: „Man darf hier nicht auf den Mund gefallen sein.“

Skurrile Ereignisse, davon gab es in den letzten Jahren einige. Der junge Mann, der an der Wand des Pissoirs das Küssen für das bevorstehende Date übte. Jener Besucher, der fatalerweise seine Zigarette mit Pfefferspray anzünden wollte. Oder die liebestolle Dame, die versuchte, die Herrentoilette zu stürmen. In Helgas Reich gibt es nichts, was es nicht gibt.

Durch eine Stellenanzeige im Wochenblatt wurde Helga Bauermann 2012 auf den Job als Disco-Klofrau aufmerksam (Foto: WB)

Eines Tages sprachen sie zwei Kolleginnen von der Bar an: „Was Dir passiert, das solltest Du mal niederschreiben.“ Und Helga legte los. In gut einem Jahr brachte die gebürtige Gelsenkirchenerin, die mit ihrem Mann Ernst in Mitterharthausen (Gemeinde Feldkirchen) lebt, die denkwürdigsten Anekdoten auf der Stars-Toilette zu Papier. Die Kolleginnen von der Bar, Studentinnen an der Uni Regensburg, übernahmen das Lektorat, stellten den Kontakt zu einem Verlag her.

Helga Bauermanns Erinnerungen sind jetzt in dem Buch „Lassen Sie mich durch – ich bin Klofrau“ (Isegrim Verlag) erschienen. Mit deftigen Formulierungen beschreibt sie auf 144 Seiten ihren Arbeitsalltag. Es wird Klartext gesprochen, schonungslos. Auf einem Disco-WC ist kein Platz für verklärende Lyrik. Mit ihrem Taschenbuch hat die schreibende Putzfrau einen echten Überraschungscoup gelandet. Das Interesse ist riesig. „Ich hätte nie gedacht, dass es so einschlägt“, freut sie sich.

Kotze, Chaos, Klopapier – den Job als Toilettenfrau im Stars will Helga Bauermann natürlich weitermachen, denn: „Das Team und die meisten Gäste sind super.“ Und außerdem steht sie total auf die Musik-Auswahl, vor allem dann, wenn bei der Eventreihe „Rock like Roxy“ die Evergreens der 90er durch den Tanztempel dröhnen. „Das hält mich jung“, sagt die dreifache Mutter, die übrigens stolze Oma von zehn (!) Enkeln und sogar Ur-Großmutter ist. Ganz nebenbei bieten die mitunter turbulenten Wochenenden in der Straubinger Party-Hochburg jede Menge Inspiration für die Jung-Autorin.

Wie geht‘s weiter nach dem Erstlings-Werk? „Ich weiß noch nicht, ob es eine Fortsetzung gibt“, lächelt die 62-Jährige, „aber ich mache mir weiterhin fleißig Notizen.“


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