30.04.2019, 05:51 Uhr

„Wir erwischen die Leute nicht“ Kippen, Kaugummi und Co. – keine Chance gegen Straubings Müllsünder?

Zigarettenkippen in der Simon-Höller-Straße (Foto: Casdorf)Zigarettenkippen in der Simon-Höller-Straße (Foto: Casdorf)

Müllsünder treiben auch in Straubing ihr Unwesen, doch es ist offenbar kaum möglich, die schwarzen Schafe zur Rechenschaft zu ziehen.

STRAUBING Ob die weggeschnippte Zigarettenkippe, der einfach stehengelassene Kaffeebecher oder der ausgespuckte Kaugummi – viele deutsche Städte sehen sich mit der Vermüllung ihrer Straßen, Grünflächen und Gehwege konfrontiert. Verschiedene Kommunen haben nun mit verschärften Kontrollen und höheren Geldbußen für Umweltsünder reagiert. Auch in Straubing ist die Verschmutzung öffentlicher Plätze ein großes Problem. Doch die Müllsünder zu schnappen, ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. „Wir erwischen die Leute nicht, die zum Beispiel Kaffeebecher oder Zigarettenkippen wegwerfen“, sagt Evi Hagn, Leiterin des Straubinger Umweltamtes.

Dass auch in der Stadt ein Müllproblem herrscht, bemerken nicht nur die Passanten, sondern besonders die Mitarbeiter der Straßenreinigung. „Das Problem existiert schon länger“, sagt Marina Schießl von der Straubinger Stadtentwässerung und Straßenreinigung (SER), „aber es ist im Lauf der Jahre schlimmer geworden.“ Im Innenstadtbereich seien zum Beispiel regelrechte Zigarettenkippen-Hotspots festzustellen, zum Beispiel im Bereich Steinergasse, Burggasse oder Spitzwegwinkel. Umweltamtschefin Evi Hagn fallen besonders die vielen ausgespuckten Kaugummis in der Bahnhofstraße auf.

Die Stadt Straubing orientiert sich an den Richtlinien, die im bayernweiten Bußgeldkatalog „Umweltschutz“ geregelt sind. „Abfälle unbedeutender Art“ (z.B. Taschentuch, Lebensmittelreste, Pappbecher, Inhalt von Aschenbechern) werden mit einer Geldbuße von 20 Euro geahndet – theoretisch jedenfalls. Wenn man die Verursacher nicht feststellen könne, „dann kann auch kein Verfahren durchgeführt werden“, so Hagn. Diesem Problem sieht man sich auch bei größeren Umweltsünden (Fäkalien, Bauschutt, Elektroschrott etc.) gegenüber.

Ausnahmen bestätigen die Regel: Vor einigen Jahren habe in Straubing ein Schuldirektor Schüler angezeigt, die immer wieder ihre Kippen in die Gegend geworfen hätten. Und tatsächlich wurden die Unbelehrbaren damals zur Kasse gebeten. „Das waren 15 Euro“, erinnert sich Hagn an die Höhe des Verwarnungsgeldes, „und die haben sie auch gezahlt.“ Im letzten Jahr, so die Amtschefin, sei ein Mann von seinen Nachbarn angezeigt worden, weil er seinen Müll im Garten vergraben habe. Auch dieser Umweltsünder sei zur Rechenschaft gezogen worden.

Allerdings, ein Großteil der Delikte bleibt ungeahndet. Und jede Menge Klein-Abfall verschandelt den Straubinger Innenstadtbereich. Besonders verhasst bei den Mitarbeitern der Straßenreinigung seien die lästigen Zigarettenstummel in den Fugen des Kopfsteinpflasters: „Die Kippen dort rauszukratzen, ist sehr zeitaufwändig“, weiß Marina Schießl. Ein weiteres Problem, mit dem sich die SER-Mitarbeiter konfrontiert sehen: Privater Hausmüll, der in den öffentlichen Mülleimern am Stadtplatz entsorgt wird. Erlaubt ist das nämlich nicht, aber auch hier gilt: „Die Verursacher zu finden, ist schwierig“, so Schießl.

Könnte eine intensivere Überwachung helfen, um der Müllproblematik in Straubing Herr zu werden? Seitens der Stadt gebe es „keine Bestrebungen, eigene Kontrolleure einzusetzen“, sagt Hagn.

Keine Kontrolle, keine Sanktionen für schwarze Schafe – es hat den Anschein, dass man dem Treiben der Müllsünder ohnmächtig gegenüber steht.


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