05.04.2019, 08:37 Uhr

Wie bei Asterix und Obelix Straubings Oberbürgermeister und die Farce um den „Passierschein A1“

Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr (hier mit Landrat Josef Laumer): Papierkram von der EU. (Foto: ce)Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr (hier mit Landrat Josef Laumer): Papierkram von der EU. (Foto: ce)

Am Samstag kommt es in Straubing zu einem Höhepunkt des Europawahlkampfs der CSU. Auch Oberbürgermeister Pannermayr spielt dabei eine wichtige Rolle. Jetzt hat er der EU und den Eurokraten den Spiegel vorgehalten.

STRAUBING „Ihr müsst jetzt ganz tapfer sein“: So beginnt Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr einen Beitrag im Sozialen Netzwerk Facebook. Was dann folgt, wirkt wie ein Aprilscherz – ist aber offenbar keiner. Pannermayr wendet sich an die „Freunde in der Partnerstadt Wels“, der 60.000 Einwohner zählenden Stadt in Oberösterreich. Seit 1972 ist Straubing mit Wels verbunden – als Partnerstädte.

Was aber Pannermayr nun schildert, das erinnert stark an den Kult-Comic Asterix und Obelix, die in „Asterix erobert Rom“ auf der Suche nach Passierschein A38 fast verrückt werden. „Seit heute weiß ich, es ist kompliziert - so nennt man das im Beziehungsstatus mittlerweile, glaube ich. Es gibt nämlich die EU-Verordnungen 883/2004 und 987/2009 und wohl auch neue nationale Vorschriften in einigen Ländern dazu“, schreibt er den Freunden aus Wels.

Diese Verordnungen sollen eigentlich Schwarzarbeit und Lohndumping eindämmen. Doch sie könnten nun den Straubinger Steuerzahler teuer zu stehen kommen. „Seit heute bin ich aber offiziell informiert, dass das auch unsere Freundschaft direkt betrifft. Wenn ich euch nämlich offiziell besuche, dann ist das tatsächlich grenzüberschreitende Erwerbstätigkeit“, so Pannermayr. Wenn er die Freunde in Wels besuchen möchte, dann benötige er zukünftig eine sogenannte A1-Bescheinigung. Kann der OB die nicht aufweisen, dann muss er „angeblich bis zu 10.000 Euro Bußgeld zahlen.“ Bitterbös legt der CSU-Politiker nach: „Früher dachte ich immer, man braucht vor allem gültige Ausweispapiere. Aber das ist ja eher fakultativ geworden. Kann man haben, muss man aber nicht. Dafür gibt es ja jetzt die A1-Bescheinigung. Das leuchtet mir schon ein.“

In Deutschland sei laut Pannermayr übrigens die Deutsche Rentenversicherung zuständig für die Bescheinigung. Er müsse zudem jedes Mal eine neue Bescheinigung beantragen, wenn er neuerlich nach Wels fährt. Pannermayr zählt zu den beliebtesten Kommunalpolitikern in Bayern, hat das Straubinger Rathaus der SPD entrissen. Und doch schreibt er auf seinem Facebook-Profil bescheiden: „Wie ist es denn, wenn ich nächstes Jahr bei der Kommunalwahl nicht mehr gewählt werden sollte? Da muss ich ja die Nachfolgerin oder den Nachfolger unbedingt sofort informieren“, so Pannermayr. Früher habe man bei einem Amtswechsel die Amtskette überreicht, „heute wahrscheinlich das Antragsformular für die A1-Bescheinigung.“

Und dann treibt der OB die offensichtlich durchaus humoristisch gemeinte Fragerunde auch noch auf die Spitze. Hintergrund ist nämlich, dass er die mutmaßlich Mitverantwortlichen für die Misere um Bescheinigung A1 am Samstag auch noch als Hausherr vor Ort begrüßen wird. Um 16.30 Uhr wird neben dem Spitzenkandidaten der EVP-Fraktion für die Europawahl, Manfred Weber, auch noch der österreichische Kanzler Sebastian Kurz und Ministerpräsident Markus Söder erwartet. Pannermayr zu Kurz‘ Besuch: „Und jetzt frage ich mich, ob ich ihn fragen soll, ob er eine A1-Bescheinigung dabei hat!“ Dabei wolle er natürlich auch nicht, „dass er dann wegen mir 10.000 Euro zahlen muss. Ein Dilemma, legt Pannermayr nach, das nun vielen blühen könnte. „Früher war ich ja Lehrer und da wäre es mir genauso gegangen. Das gilt angeblich nämlich auch für Lehrer auf Klassenfahrten - ganz ohne Witz.“

Gerettet wird Asterix übrigens vor dem Wahnsinn, indem er ein neues Formular aufspürt. Es handelt sich dabei um Passierschein A39. Allerdings werden die römischen Beamten im Comic dafür irre …