31.07.2019, 13:59 Uhr

„90 Jahre und kein bisserl leise“ Erfinderin der „Widerstandssocken“ gegen die WAA feiert 90. Geburtstag – Glückwunsch, Irmgard Gietl!

(Foto: Anita Alt )(Foto: Anita Alt )

„90 Jahre und kein bisserl leise“, so hörte sich der Gratulationschor des Seniorenbeirates der Stadt Maxhütte-Haidhof an, bei dem Irmgard Gietl bereits seit nahezu zwei Jahrzehnten aktiv mitwirkt.

MAXHÜTTE-HAIDHOF Die Kindheit und Jugend war auch in ihrer Heimat in Heilinghausen durch bittere Armut gekennzeichnet, wie bei so vielen Menschen ihrer Generation. Mit drei Brüdern aufgewachsen, wurde deren treu sorgender Vater durch einen fremdverschuldeten Unfall im Kindesalter von Irmgard aus der Familie gerissen. Aber auch ihre geliebte Mutter verstarb wegen einer harmlosen OP und die Jubilarin musste sie am Tag ihres 19. Geburtstags zu Grabe tragen. Liebevoll wurde Irmgard anschließend von ihrer Tante Anna Brunner aus Leonberg aufgenommen, welche 1966 durch einen ungeklärten Mord ums Leben gekommen ist. 1949 lernte Irmgard bei der Saaleinweihung in Hirschling ihren späteren Ehemann Alois Gietl aus Winkerling kennen. Im Dezember 1951 wurde geheiratet. Nach dem Einzug in das kleine, mit eigenen Händen geschaffene Haus in Winkerling, war das Glück der beiden vollkommen, als dann die Töchter Roswitha und Luise und mit einem zeitlichen Abstand auch noch Heidrun geboren wurden.

Einen guten Ruf bei den fleißigen Pilzsammlern machte sich die Jubilarin, als sie in den Achtziger-Jahren eine große Sammel-Annahmestelle der damaligen Firma Seuss für Pilze, später Hollunder und vieles mehr unterhielt. Seite an Seite mit dem damaligen Landrat Hans Schuierer und tief verbunden mit der Bürgerinitiative gegen den Bau der geplanten WAA in Wackersdorf kämpfte das Ehepaar Gietl an vorderster Front schon von Anbeginn des Hüttendorf-Baus gegen die geplante Wiederaufarbeitungsanlage, kurz WAA. Nach dem erkämpften Aus der WAA wurde Irmgard Gietl nahezu eine Symbolfigur für den Widerstand. Noch heute strickt sie unermüdlich ihre „Widerstandssocken“ und meist verschenkt sie diese an Mitstreiter sogar bis nach Japan. Als Dank für das Aus der WAA, so meint Irmgard, pilgerten so manche Kämpfer nach Altötting. Sie ging stattdessen zur SPD, wo sie immer noch aktives Mitglied ist.

Traurigerweise verstarb ihr Ehemann bereits 1991, der eine große Lücke in der Familie hinterließ. Irmgard Gietl widmet ihr ganzes Leben für Familie, Freunde und Bekannte in herzlicher Bereitschaft. Sie besucht seit Eröffnung des Seniorenheims in Maxhütte-Haidhof regelmäßig die Bewohner, um mit ihnen zu singen, zu musizieren und Erinnerungen auszutauschen. Die große Leidenschaft im Leben der Jubilarin ist der tolle Freundeskreis „ihrer Strickerinnen“, auf deren Gründung sie persönlich seit fast 20 Jahren mit Stolz zurückblicken kann. Jeden Mittwoch (außer im August) treffen sich die fleißigen Strickdamen im Sportheim und haben viel Spaß am flinken „Genadele“ samt gemütlichem Kaffeeklatsch.

Bei bester Gesundheit blieb Irmgard bis heute reiselustig und ideenreich, wenn es um die Gestaltung ihres Alltags geht, an dem jeden Morgen die aktuelle MZ bei einem guten Frühstück gelesen wird.

Ihre Freude war riesig, als sie in der Familienschar zu ihrem 90. Geburtstag von den Töchtern mit Schwiegersöhnen, fünf Enkeln und sieben Urenkeln harmonisch und ein bisschen aufgedreht gefeiert wurde. Zum Jubeltag selbst war Irmgard allerdings mit Reisefreunden in Südtirol unterwegs, sodass mit etwas Verspätung im Maxhütter Sportheim mit dem Seniorenbeirat, den Strickerinnen, derBürgermeisterin Dr. Susanne Plank, dem Altlandrat Hans Schuierer, Wolfgang Nowak von der damaligen Bürgerinitiative Schwandorf stilvoll und mit ehrenden Worten nachgefeiert wurde.


0 Kommentare