11.06.2019, 21:39 Uhr

Kontrolle am 13. Mai Tiertransport bei Waidhaus gestoppt – Tiere sind wohlauf, Eigentumsverhältnisse teils weiter unklar


Die Hundewelpen, Vögel und exotischen Säuger, die vier dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossene Tierschutzvereine aus einem illegalen Transport aufgenommen hatten, sind weitgehend wohlauf.

WAIDHAUS Bei der Kontrolle eines belgischen Kastenwagens am 13. Mai bei Waidhaus hatte die Bundespolizei die insgesamt etwa 320 Tiere beschlagnahmt. Die meisten Tiere sind nach wie vor Eigentum des Händlers. Der Deutsche Tierschutzbund und der Deutsche Tierschutzbund Landesverband Bayern fordern Unterstützung für die helfenden Tierschutzvereine und ein härteres Vorgehen gehen die Tierhändler.

„Die Tierschutzvereine haben bei diesem spektakulären Fall nicht lange gezögert und die beschlagnahmten Tiere in ihre Obhut genommen. Keinesfalls dürfen die Tiere, die sich in den Tierheimen und Auffangstationen gerade von ihren Strapazen erholen, am Ende wieder ihrem Eigentümer überlassen werden“, so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Nicole Brühl, Vorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes Landesverband Bayern, ergänzt: „In diesem Fall von Tierhandel liegen erhebliche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, die Tierschutztransportverordnung, das Gesundheitsgesetz sowie bestehende Artenschutzvorgaben vor. Die eingeleiteten Verfahren müssen jetzt auch in entsprechenden Strafen resultieren; die Tiere müssen eingezogen werden.“

Der Fall zeige, dass die Aufnahme vieler Tiere aus beschlagnahmten Transporten für die Tierheime einen großen personellen und organisatorischen Aufwand bedeutet und macht erneut deutlich, wie lukrativ das Geschäft mit Tieren offenbar ist. Der Deutsche Tierschutzbund und sein Landesverband fordern daher häufigere Kontrollen und härtere Strafen für die Verantwortlichen und machen sich für ein Verbot des Tierhandels über das Internet stark. Gleichzeitig braucht es aus Sicht der Tierschützer gesetzlich bindende Regelungen für die Erstattung der Kosten, die den Tierheimen entstehen.

Hundewelpen und 250 Finken in Wunsiedel

Der Großteil der Tiere, 27 Hundewelpen und 250 afrikanische Finken aus fünf verschiedenen Arten, kamen in die Obhut der Tierschützer des Tierschutzvereins Wunsiedel – Marktredwitz und Umgebung, die bei der Beschlagnahmung als erste vor Ort waren. „Rund 20 Finken haben die schlimmen Transportbedingungen – eng zusammengepfercht und ohne Wasser – leider nicht überlebt“, berichtet die Vereinsvorsitzende Eveline Klose. „Die anderen sind zum Glück wohlauf und können – wenn der Händler sein Eigentum aufgibt – auch vermittelt werden.“ Für die Vögel hat das vereinseigene Tierheim Breitenbrunn extra ein komplettes Zimmer leer geräumt.

Die Hundewelpen, darunter drei Möpse, sieben Dackel, acht Französische Bulldoggen, vier Chow Chows, ein Boxer und vier Pudel-Mischlinge, litten unter starkem Wurmbefall und Durchfall, sind aber mittlerweile stabil. „Die Welpen können wir vermitteln, sobald sie alt genug sind bzw. die Quarantäne überstanden ist, weil der ursprüngliche Eigentümer hier zum Glück bereits auf sein Eigentum verzichtet hat“, so Klose. Vorher werden die Welpen noch gechippt und erhalten die notwendigen Impfungen. Tierliebe Interessenten für eine Adoption gibt es bereits.

Exotische Tiere in Pfaffenhofen und München

Exotische Vögel aus dem Transport von Waidhaus landeten auch im Tierheim des Tierschutzvereins Pfaffenhofen: Sechs afrikanische Opalracken leben dort nun in einer großen Voliere. „Wir sammeln täglich frische Äste, da sie sich gern im Dickschicht verstecken“, erzählt die Vereinsvorsitzende Manuela Braunmüller. „Alle sechs sind sehr zutraulich und es geht ihnen jetzt zum Glück wieder ausgezeichnet.“ Da die Haltung besonderer Fachkenntnisse bedarf, will der Verein die Racken nicht vermitteln, sondern ihnen auf dem Tierheimgelände eine Freiflugvoliere bauen. Noch liegt das Eigentum an diesen Tieren allerdings beim Händler. „Wir sind aber keinesfalls dazu bereit, diesem die Tiere wieder zu überlassen“, zeigt sich Braunmüller kämpferisch.

Exotisch geht es auch bei der Münchner Auffangstation für Reptilien zu, die drei Weißwedelhirsche, ein Lisztäffchen, einen Elstertoko, zwei Grünschwanz-Glanzstare sowie 20 Schwarzbrust-Sandflughühner aus dem Transport aufgenommen hatte. „Den Tieren geht es soweit gut, sie haben sich vom Transport erholt“, sagt Fachtierärztin Sabine Öfner von der Reptilienauffangstation. „Wir sind gerade dabei, die nötigen Untersuchungen zu machen, etwa die Tests auf mögliche Parasiten. Wie es dann weitergeht, hängt von der Behörde ab.“ Ähnlich wie bei den anderen Tierheimen ist die Station aktuell nur „Verwahrer“ der Tiere im Auftrag der Behörde, hat also keinerlei rechtliche Handhabe.

Nürnberg übernimmt Gänse und Schwäne

Die vier russischen Kampfgänse und die vier Schwäne, die der Tierschutzverein Noris in Nürnberg aufgenommen hatte, gehören ebenfalls noch dem ursprünglichen Eigentümer. „Bis geklärt ist, wer zukünftig Eigentümer der Tiere sein soll, leben sie auf der Pflegestelle, wo sie sich sichtlich wohl fühlen“, berichtet Robert Derbeck, Vorsitzender des Tierschutzvereins. Auch der Schwan, der bei der Beschlagnahmung den Kopf hängen ließ und scheinbar bereits im Sterben lag, konnte gerettet werden: Die Tierschützer ernährten ihn über eine Sonde; jetzt ist er auf dem Weg der Besserung. Damit sich die Tiere auf dem Außengelände der Pflegestelle frei bewegen können und dennoch nicht wegfliegen, haben die Tierschützer ihnen die Schwungfedern kürzen lassen. „Diese wachsen jedoch wieder nach“, erklärt Derbeck. „Wenn die Schwäne in unser Eigentum übergehen, würden wir sie fliegen lassen – schließlich sind es Wildtiere.“


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