05.04.2019, 21:35 Uhr

Großprojekt Auf der Suche nach dem Gartenschläfer

(Foto: Sven Buechner)(Foto: Sven Buechner)

Bisher kaum beachtet schrumpfen die Bestände des Gartenschläfers in Bayern ebenso wie in Deutschland. Mit dem sechsjährigen Großprojekt „Spurensuche Gartenschläfer“ will der Bund Naturschutz gemeinsam mit der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung den Rückgang stoppen.

BAYERN Dafür muss zunächst erforscht werden, warum die Art zurückgeht. Im Naturpark Fichtelgebirge sind die seltenen Bilche noch zu finden. Dort gab es heute eine Schulung für die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer bei der Sammlung von Spuren der Gartenschläfer.

Der kleine Verwandte des Siebenschläfers ist in vielen Regionen fast unbemerkt an den Rand des Aussterbens geraten. Warum, ist vollkommen unklar. „Mit diesem Projekt wollen wir helfen, den dramatischen Rückgang der Gartenschläfer zu stoppen“, so Uwe Friedel vom Naturschutzreferat des Bund Naturschutz. „Dafür müssen wir nun zunächst so viele Daten wie möglich sammeln. Wir freuen uns über weitere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer bei der Suche nach den Gartenschläfern.“ Das Projekt läuft seit Oktober 2018 und wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit sowie vom Bayerischen Naturschutzfonds gefördert.

Der zu den Nagetieren zählende nachtaktive Gartenschläfer ist eine Schlafmaus beziehungsweise ein Bilch und lebt ausschließlich in Europa. Seine Gesichtszeichnung, die an Zorros Maske erinnert, macht ihn unverwechselbar. Seit Jahrzehnten werden starke Rückgänge seiner Bestände verzeichnet. In vielen Regionen ist er bereits ausgestorben. Deshalb ist es höchste Zeit, die Ursachen dafür zu erforschen und die richtigen Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Aktuelle Untersuchungen gibt es in Bayern nur aus dem Fichtelgebirge, wo die Gartenschläferbestände seit 2013 erforscht wurden. Strukturreiche Wälder in höheren Mittelgebirgslagen sind die bevorzugten Lebensräume des Gartenschläfers in Bayern.

Im ersten Projektschritt wird nun untersucht, wo es überhaupt noch Gartenschläfer gibt. Erste Hinweise auf das Vorkommen des nachtaktiven Bilchs können beispielsweise Nester oder Haare in Vogelbrutkästen liefern. Eine gezielte Suche kann dann mit Spurtunneln erfolgen, in denen die Tierchen ihre Fußabdrücke hinterlassen oder mit auf Futterköder ausgerichteten Wildtierkameras. Mit Hilfe von Haar- oder Kotanalysen können dann weitergehende wissenschaftliche Fragestellungen beantwortet werden.

Mit Hilfe der Daten werden durch die Senckenberg Gesellschaft und Schlafmaus-Experten der Universität Gießen mögliche Ursachen des Rückgangs untersucht: Von einer genetischen Verarmung bis zu Krankheiten und Parasiten oder Einflüssen der Klimaveränderung. Aus den Ergebnissen werden dann Schutzmaßnahmen entwickelt und mit dem Bund Naturschutz und den Landesverbänden in Thüringen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vor Ort umgesetzt.


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