11.12.2020, 08:56 Uhr

Tierischer „Freund und Helfer“ Lebensretter auf vier Pfoten – Celines größter Wunsch ist ein Assistenzhund

Celine ist eine lebensfrohe junge Frau – ein Hund, der auch in Notsituationen helfen kann, wäre eine große Erleichterung.  Foto: privatCeline ist eine lebensfrohe junge Frau – ein Hund, der auch in Notsituationen helfen kann, wäre eine große Erleichterung. Foto: privat

Celine Knipp aus Regensburg ist auf ihren Rollstuhl angewiesen. Wegen Spinaler Muskelatrophie gehört der Rollstuhl zu ihrem Leben – schon ein paar Monate nach ihrer Geburt wurde dieser Gendefekt festgestellt. Heute ist Celine 20 Jahre alt – lebenslustig und voller Freude rollt sie durchs Leben. Doch es gibt eine Sache, die würde alles etwas einfacher machen: ein Assistenzhund!

Regensburg. Dass Tiere einen positiven Einfluss auf viele Menschen haben, das ist bekannt. Sie geben Lebensfreude, verlangen aber auch Pflege. Man lernt, Verantwortung zu tragen – und speziell ausgebildete Hunde sind nicht nur ein Freund auf vier Beinen, sondern echte Helfer. Solch einen Helfer braucht Celine Knipp: „Wenn mein Kopf nach vorne fällt, kann ich nicht mehr atmen. Das erkennt der Hund und stupst ihn mir wieder rechtzeitig in die richtige Position, sodass ich wieder atmen kann“, schildert Celine. Ihr Assistenzhund würde auch lernen, Hilfe zu holen, zum Beispiel über einen Alarmknopf. Dieser Hund müsste sehr viel lernen – und das ist teuer. Alles in allem würde ein Assistenzhund für Celine Knipp wohl annähernd 30.000 Euro kosten.

Aber: Was macht das Tier so teuer? Thomas Gross vom Verein „Patronus-Assistenzhunde“ berichtet: Die Hunde werden schon im Welpen-Alter ausgesucht, in der Regel arbeite der Verein mit Labradoren. „Sie sind familiär und passen zum Menschen“, sagt Gross. Etwa 300 Stunden Training sind nötig, alleine das verschlingt etwa 15.000 Euro. Hinzu kommen natürlich die Kosten für das Tier selbst, ärztliche Untersuchungen und Behandlungen, die Aufzucht und die Unterbringung. Da die Tiere schon in der Anschaffung immer teurer werden, züchtet der Verein mittlerweile auch selbst. Schwierig sei auch, geeignete Hundetrainer zu finden, die am besten einen sozialtherapeutischen Hintergrund haben.

Und nun das Problem, vor dem Celine steht: Assistenzhunde werden nicht als Hilfsmittel anerkannt und somit auch nicht von der Krankenkasse finanziert. Celine muss die Kosten für das Tier und auch die Folgekosten für Futter, Tierarzt usw. ganz alleine tragen. Nur der Blindenführhund gilt in Deutschland als medizinisches Hilfsmittel, das ist in §33 des Sozialgesetzbuchs, fünftes Buch, geregelt. Hier werden meist nicht nur die Anschaffung sondern auch die Folgekosten von der Krankenkasse getragen. Für einen Assistenzhund, wie Celine ihn benötigt, gilt dies nicht.

Seit ihrer Geburt war Celine oft im Krankenhaus, einmal war sie acht Monate am Stück in der Klinik, lag im Sterben, ihre Familie kam, um sich zu verabschieden. Im Kinderhospiz wurde Celine damals, es war im Jahr 2011, wieder aufgepäppelt, der Lebenswille war einfach stärker. Meist kann Celine gut mit ihrer Erkrankung umgehen, sie will kein Mitleid, sondern so akzeptiert werden, wie sie ist. Manchmal fragt sie sich aber auch, warum es ausgerechnet sie getroffen hat.

Seit einem Jahr wohnt Celine in ihrer eigenen Wohnung, ihre Mutter wohnt über ihr und kümmert sich um die 20-Jährige. Unter tags ist auch eine persönliche Assistenz für sie da, die sie bei allem unterstützt, was im Alltag so anfällt. Nachts muss Celine beatmet werden. Ein Intensivpflegedienst kümmert sich dann um sie. Denn: Auch die Atemmuskulatur ist von ihrer Erkrankung betroffen. Es kann zu lebensgefährlichen Situationen kommen, in denen sie schnell Hilfe benötigt.

Aktuell ist Celine viel zu Hause, als Hochrisikopatientin will sie sich der Gefahr nicht aussetzen, mit dem Coronavirus in Kontakt zu kommen. Ihre Mutter geht für sie einkaufen, die Pflegerinnen und Pfleger ziehen sich um, bevor sie zu Celine ins Zimmer gehen. Ab und zu schnappt sie frische Luft auf der Terrasse, „frische Luft ist gut für die Lunge“, sagt Celine. Etwas einsam ist das allerdings schon, Celine würde gerne wieder Freunde treffen und sich mit ihnen unterhalten. Aktuell hält sie über ihr Handy und die sozialen Medien Kontakt zu Freunden.

Auch wenn ein Assistenzhund teuer ist, hat Celine den Wunsch noch nicht aufgegeben. Zumal es bereits einen Hund gäbe, der zu ihr passen würde, schildert Thomas Gross vom Verein „Patronus-Assistenzhunde“. Es sei ein sehr agiles Tier, das bestimmte Dinge für Celine übernehmen könnte. Und vor allem: „Der Hund kann Leben retten“, sagt Gross. Er geht auch davon aus, dass das Tier der ganzen Familie gut tut – beim Spazierengehen zum Beispiel. Damit Celine den ersehnten Hund bekommen kann, ist sie auf Spenden angewiesen, die Krankenkasse zahlt nichts dazu. Wer helfen will, kann sich im Internet unter www.patronus-assistenzhunde.de informieren, hier finden sich auch die Kontaktdaten zum Verein und die Daten des Spendenkontos.

Celine Knipp hofft nun, schon Anfang nächsten Jahres ihren eigenen Assistenzhund in Regensburg begrüßen zu können. Wenn sie daran denkt, dann leuchten ihre Augen vor lauter Vorfreude ...


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