12.08.2020, 12:56 Uhr

Nachruf Wir trauern um einen engagierten Kollegen

Alexander Auer im Einsatz – er war da, wenn es aus der Region etwas zu berichten gab.  Foto: privatAlexander Auer im Einsatz – er war da, wenn es aus der Region etwas zu berichten gab. Foto: privat

Wenn es mal wieder gekracht hatte auf der A3, wenn Bomben gefunden wurden oder ein Haus in Flammen stand – dann war er zur Stelle. Alexander Auer, ein freier Fotograf, der mit seinen Bildern und Videos auch die Wochenblatt-Verlagsgruppe unterstützte. Am Sonntag, 9. August, starb Alexander Auer mit nur 24 Jahren bei einem tragischen Unfall in seiner Heimatgemeinde Sinzing im Landkreis Regensburg.

Sinzing. Um 10.36 Uhr erreichte am Sonntag die Meldung der Polizeiinspektion Nittendorf über einen tödlichen Unfall in Sinzing die Redaktion: „Tödliche Verletzungen erlitt ein Motorradfahrer, der am Samstag, 8. Juli, kurz vor 23 Uhr, in Sinzing den Minoritenweg in südlicher Richtung befuhr. Er verlor aus bislang noch nicht bekannten Gründen in einer leichten Rechtskurve die Kontrolle über sein Motorrad, stürzte und prallte gegen einen ordnungsgemäß abgesicherten Pflanztrog. Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen durch Ersthelfer und den Rettungsdienst verstarb der 24-jährige Mann noch an der Unfallstelle.“

Eine Meldung, wie uns schon viele erreicht haben – und doch war diesmal alles anders. Das Todesopfer: Alexander Auer, ein geschätzter Kollege.

Auch in Sinzing ist das Entsetzen groß. „Ich bin immer noch geschockt“, sagt Bürgermeister Patrick Grossmann am Montagabend. Er sei mit den Gedanken bei den Angehörigen, es stellten sich so viele Fragen. Die Feuerwehr und das BRK seien oft auf der nahen Autobahn im Einsatz. Diese Einsätze seien nicht immer einfach, aber wenn man die Beteiligten kennt, sei es umso schwerer. „Das ist kein guter Tag für Sinzing“, sagt Grossmann bedrückt.

Bei der Feuerwehr und dem Rettungsdienst werde man nun viele Gespräche führen, „viel reden, das ist gut für die Verarbeitung“, sagt Grossmann. Dem stimmt auch Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer zu, er hatte bereits Kontakt zum Kommandanten der Sinzinger Wehr. Den Einsatzkräften stehe der Notfallseelsorger zur Seite, falls das gewünscht wird.

Alexander Auer habe die Arbeit der Feuerwehren im Landkreis begleitet, sie ins richtige Licht gerückt. Durch sein „nettes und angenehmes Wesen“ sei er überall beliebt gewesen, so Scheuerer. Das zeigt sich bereits am Sonntag. Als sich langsam herumspricht, wer da in Sinzing verunglückt ist, färben sich die Profile der Feuerwehren und der Rettungsdienste aus Stadt und Landkreis Regensburg – und darüber hinaus – schwarz. Trauer macht sich breit in dem sozialen Netzwerk. Kerzen und schwarze Schleifen werden gepostet.

Viele teilen die Worte des Kreisbrandrates: „Die Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises Regensburg trauern um einen Freund, Kameraden und Förderer unserer Feuerwehren. Er hat durch seine rücksichtsvolle, professionelle Art der Foto- und Video-Berichterstattung unsere Feuerwehren bei einer Vielzahl von Einsätzen als Foto- und Videojournalist begleitet. Die Zusammenarbeit war stets rücksichtsvoll gegenüber dem Einsatzgeschehen. Durch seine freundliche Art kam es auch zu vielen persönlichen Kontakten. Lieber Alex, ruhe in Frieden.“

In Sinzing macht man sich nun Gedanken, wie mit den Pflanztrögen im Minoritenweg umgegangen werden soll. Bürgermeister Grossmann berichtet, diese seien vor zehn Jahren auf Antrag der Anwohner aufgestellt worden, um die Geschwindigkeit der Fahrzeuge zu reduzieren. Man darf hier nur 30 km/h fahren, doch die übersichtliche Straße verleitete den ein oder anderen, etwas schneller unterwegs zu sein. Die Pflanztröge und gelegentliches Blitzen hätten ihren Dienst erfüllt, sagt Grossmann. Nun aber müsse man sich fragen, ob sie auch weiterhin hier richtig platziert sind. Man werde das Unfallgutachten abwarten und dann diese Frage klären. Und auch hier ist der Schleier der Trauer spürbar, die über den Schilderungen des Bürgermeisters liegt ...

Nachruf

Es ist Sonntagvormittag, ich bin etwas später als sonst aufgestanden, sichte die Mails, die seit Samstagabend in den Wochenblatt-Postfächern gelandet sind. Um 10.36 Uhr erreicht uns die Pressemeldung der Polizei aus Nittendorf. Ein tödlicher Motorradunfall – in Sinzing. Ich wundere mich kurz, dass unser freier Fotograf Alexander Auer keine Bilder geschickt hat, er wohnt doch in Sinzing. Vielleicht hat er Urlaub, denke ich, und stelle die Meldung mit einem Symbolbild online.

Im Laufe der nächsten beiden Stunden fällt mir auf, dass immer mehr Feuerwehren, deren Fanseiten auf Facebook ich geliked habe, ihre Profilbilder durch Schwarz-Weiß-Bilder ersetzen, schwarze Schleifen tauchen überall auf. Irgendetwas muss passiert sein. Ich gerate ins Grübeln. Kurz vor 13 Uhr trifft es mich dann völlig unvorbereitet. Ein Sportler, mit dem ich auf Facebook befreundet bin, postet die schreckliche Nachricht: „R.I.P., Alex! Du bleibst immer in meiner Erinnerung! Danke für alles!“, schreibt er. Für einen kurzen Moment setzt das Denken aus, das kann nicht sein, das darf nicht sein. Doch nun geht alles ganz schnell, immer mehr Postings tauchen auf, die das Unfassbare bestätigen. Unser geschätzter Kollege Alexander Auer ist tödlich verunglückt.

Ich kenne Alex noch aus seinen Anfängen als Blaulichtreporter. Er war immer zur Stelle, wenn es Einsätze in der Region gab. Hochwasser, Bombenfunde, Unfälle – Alex war da und lieferte die Infos, Fotos und Videos von den Einsatzstellen. Man konnte sich auf ihn verlassen. Im Laufe der Jahre wurde aus dem Kollegen ein Freund, der auch noch mitten in der Nacht eine Facebook-Nachricht schickte, wenn er (neue) Infos zu einem Ereignis hatte. Wir werden ihn schmerzlich vermissen!

Lieber Alex! Wir sagen Danke für alles, was Du für uns getan hast! Wir werden Dich nicht vergessen! Mach‘s gut, Alex, ruhe in Frieden!


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