15.06.2020, 09:49 Uhr

Historische Bedeutung 35 Jahre „Schengener Abkommen“ – der Ort der Unterzeichnung schippert in Regensburg über die Donau


Dem Schengener Abkommen kommt in diesen Tagen eine besondere Bedeutung zu: Nicht nur, dass im Zuge der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie die europäischen Länder ihre Grenzen vorübergehend geschlossen und Grenzkontrollen eingeführt hatten. Die Unterzeichnung des Schengener Abkommens auf der heutigen „MS Regensburg“ jährte sich am Sonntag, 14., Juni zum 35. Mal.

Regensburg. „Die wenigsten Regensburger wissen offenbar, dass wir mit der ,MS Regensburg‘ so ein geschichtsträchtiges Fahrgastschiff in unserer schönen Stadt haben, während uns sogar extra deswegen schon Touristen aus Brüssel besucht haben“, sagt Susanne Völkl, Geschäftsführerin der Regensburger Personen-Schifffahrt Klinger. Die „MS Regensburg“ der Klingerflotte nimmt in der Geschichte der Europäischen Union eine nicht unbedeutende Rolle ein: Am 14. Juni 1985 haben Vertreter der fünf EU-Mitgliedsstaaten Deutschland, Frankreich, Belgien, Niederlande und Luxemburg auf dem Schiff, welches damals noch den Namen „Princesse Marie-Astrid“ trug und auf der Mosel fuhr, das Schengener Abkommen unterzeichnet. Das Schiff lag damals in dem kleinen luxemburgischen Winzerdorf Schengen vor Anker, im von Luxemburg, Deutschland und Frankreich gebildeten Dreiländereck. Die Gemeinde Schengen war für dieses historische Ereignis ausgewählt worden, da sie mit ihren Nachbargemeinden Perl (Deutschland) und Apach (Frankreich) einen Knotenpunt in der Mitte Europas bildet. Das Schengener Abkommen sieht vor, die Kontrollen im Personen- und Warenverkehr in den gemeinsamen Land-, Luft- und Seegrenzen abzuschaffen. Schengen gilt seit Unterzeichnung des Abkommens vor 35 Jahren als „Synonym für einen Raum ohne Grenzkontrollen“ Weitere Länder sind dem Abkommen in der Folgezeit beigetreten.

Auch die „MS Regensburg“ feiert Geburtstag

Am 14. Juni jährte sich nicht nur die Unterzeichnung des Schengener Abkommens, auch die „MS Regensburg“ feiert ihren 35. Geburtstag. „Die Unterzeichnung des Schengener Abkommens war gleichzeitig auch die Inbetriebnahme des damals brandneuen Fahrgastschiffes“, verrät Völkl.

Die Regensburger Reederei Klinger hat das historisch so bedeutsame Fahrgastschiff im Jahr 2003 vom Zweitbesitzer, der Personenschifffahrt Rössler aus Assmannshausen am Rhein gekauft und nach Regensburg geholt. Am 1. August 2003 wurde das Schiff auf den Namen „MS Regensburg“ getauft. Seitdem wird das über 40 Meter lange Ausflugsschiff mit insgesamt 300 Passagierplätzen im Innen-und Außenbereich für Fahrten von Regensburg zur Walhalla und weiter nach Bach an der Donau und wieder zurück eingesetzt, in der Regel zweimal täglich. „Normalerweise zählen wir mit unserer ganzen Flotte etwa 60 Abfahrten jede Woche und haben viele Einheimische und Touristen aus aller Welt an Bord“, sagt Völkl und ergänzt wehmütig: „Zur Zeit liegen unsere ,MS Regensburg‘ und drei weitere Schiffe allerdings still in der Werftstraße. Regulär wären wir am 4. April in die Sommersaison gestartet und dürfen nun ja erst seit Ende Mai wieder fahren. Seitdem sind wir täglich mit der ,Johannes Kepler‘ in eingeschränktem Fahrplan unterwegs. Wir sind dankbar für alle Gäste, die wir wieder haben. Doch es sind noch zu wenige, sodass es sich derzeit nicht lohnt, weitere Schiffe fahren zu lassen.“ Völkl ist jedoch zuversichtlich und will versuchen, bald wieder mit der „MS Regensburg“ wieder den Walhalla- Verkehr aufzunehmen.

Ursprünglich wollte die Personenschifffahrt Klinger den Geburtstag der „MS Regensburg“ und das Jubiläum des Schengener Abkommens groß feiern. Zu der 35-Jahrfeier am 14. Juni waren eine Filmvorführung, Vorträge und ein buntes Rahmenprogramm angedacht. Aufgrund der aktuellen Lage im Zuge der Corona-Pandemie wurden die Feierlichkeiten jedoch abgesagt.

Bedeutung des Schengener Abkommens „In einem vereinten Europa ohne Grenzkontrollen reisen zu können, war lange der Traum der Europäer. 1985 wurde das Europa ohne Schlagbäume vereinbart, 1995 wurde es Realität. Heute gehören dem Schengen-Raum bereits 26 Staaten mit 400 Millionen Einwohnern an“, beschreibt die Europäische Kommission den Stellenwert des Schengener Abkommens auf ihrer Internetseite. Seit Inkrafttreten des Schengener Abkommens war der Schengen-Raum wohl noch nie in solch

einem Ausmaß wie während der Corona-Pandemie 2020 abgeschottet und die Reisefreiheit der EU-Bürger derart eingeschränkt worden. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sollen die jüngst eingeführten Binnengrenzkontrollen nun zum 15. Juni 2020 beendet werden. „Ein kleinerer Teil wird das bis Ende Juni tun. Damit erfolgt auch die Beendigung der Quarantäne, so dass man beim Wechsel zwischen den Ländern in Europa nicht mehr in Quarantäne muss. Damit wird die volle Freizügigkeit wiederhergestellt", sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer am 5. Juni. Seehofer wolle dem Kabinett dazu diese Woche einen Vorschlag machen.


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