05.05.2020, 16:53 Uhr

Corona-Pandemie Wie sieht es mit meiner Urlaubsreise 2020 aus? – Die Tourismusbranche steht in den Startlöchern

Rita Henke in ihrem Reisebüro in Donaustauf.  Foto: Ursula HildebrandRita Henke in ihrem Reisebüro in Donaustauf. Foto: Ursula Hildebrand

Im Reisebüro von Rita Henke in Donaustauf im Landkreis Regensburg ist es still, obwohl jede Menge zu tun ist. Normalerweise arbeiten neben der Chefin hier drei Mitarbeiter – alle drei sind seit dem 1. April in Kurzarbeit, „um die Arbeitsplätze zu erhalten“, sagt Henke. Das Coronavirus und der verordnete Shutdown machen ihr zu schaffen.

Donaustauf. Rita Henke ist seit 25 Jahren in der Tourismusbranche tätig, im neunten Jahr führt sie nun das Reisebüro in Donaustauf. Seit Wochen kreisen viele Gedanken durch ihren Kopf: „Wie erhalte ich das Reisebüro am Leben, wie rette ich die Arbeitsplätze, wie kann ich mich schnellstmöglich um die Kunden kümmern, sodass jeder beruhigt ist und es für jeden die gewünschte Lösung gibt?“ Denn: Nicht nur, dass aktuell keine Reisen verkauft werden können – nein, Henke muss sich auch um die vielen Kundinnen und Kunden kümmern, die schon gebucht hatten. Dabei geht es um Reisen „zwischen März 2020 bis Oktober 2021“, sagt Henke. Und hier sind dann auch Provisionen, die für bereits geleistete Arbeit bezahlt wurden, wieder zurückzuzahlen. Problematisch sei auch, „dass sich der Stand alle paar Tage ändert und es keine einheitliche Regelungen für alle Veranstalter gibt“, bis Mitte Juni seien die Reisen abgesagt, Kreuzfahrten bereits bis Ende Juni, eine kostenlose Umbuchung der Juni-Reisen auf neue Termine und Ziele, teilweise bis in den Sommer 2021, sei möglich, so Henke. Viele Kunden fragen bereits nach ihren Sommerreisen: „Da raten wir, erstmal abzuwarten, wenn man jetzt stornieren würde, wäre es auf jeden Fall kostenpflichtig.“ Henke stößt dabei auf viel Verständnis: „Wir haben ganz liebe Kunden, sie machen uns Mut“, sagt sie gerührt.

Auch mit neuen Regelungen hat die Branche zu kämpfen, so soll es von Seiten der Reiseveranstalter Gutscheine statt Bargeld geben – „die Gutscheinlösung ist nicht rechtens“, sagt Henke. Nach geltendem Recht müsse ein Kunde innerhalb von 14 Tagen sein Geld vom Veranstalter zurückbekommen, „alles andere ist nicht in Ordnung“. Aktuell lassen die meisten Veranstalter den Kunden die Wahl zwischen einer Rückzahlung und einem Gutschein. Problematisch sei auch das Thema Flüge. „Wenn der Kunde einen Flug kauft, egal bei welcher Fluggesellschaft, muss er den Flug sofort bezahlen. Im schlimmsten Fall sind Kunden ein ganzes Jahr in Vorleistung gegangen für einen Flug, der jetzt nicht stattfindet.“ Und: Das Geld sei nicht abgesichert gegen Insolvenz! „Das ist eine Katastrophe, das muss dringend geändert werden“, sagt Henke. Seit Jahren weise man auf diesen Missstand hin und werde mit dem Argument, man könne das nicht weltweit regeln, vertröstet. Jetzt habe man die Chance, endlich eine neue Regelung zu finden, denn alle Airlines sind – im wahrsten Sinne des Wortes – derzeit am Boden. Die politisch wichtigste Lösung für den Tourismus sei der vom Staat aufgelegte Reise-Rettungsfonds, der Vorschlag liege bereits in Berlin „und müsste dringend verhandelt und umgesetzt werden“, so Henke. Dieser Fonds, der die Verbraucher-Ansprüche begleicht, berücksichtigt alle Branchenpartner, ohne dabei die Unternehmen zu belasten. Der Fonds stellt dem Staat als Schuldner enorme Rückeinlagen in Aussicht. Im Gegenzug zahlt der Veranstalter die aus den Reisegeldern noch nicht ausgegebene Anteile für Reiseleistungen wie Beförderung und Beherbergung in den Fonds ein. „In jedem Falle wäre gewährleistet, dass der Fonds nach wenigen Jahren ohne weitere Verluste für den Bund als Schuldner wieder aufgefüllt ist! Und nicht nur das: Dieser Fonds könnte sogar für die Neuregelung des Insolvenzschutzes mit Blick auf die korrekte Umsetzung der EU-Pauschalreiserichtlinie erweitert werden.“

Henke bedauert, dass die Tourismusbranche oft unterschätzt werde. Es gibt in Deutschland 10.000 Reisebüros mit 40.000 Mitarbeitern und 3.000 Reiseveranstalter, insgesamt sind fast drei Millionen Beschäftigte mit einem Gesamtumsatz von 96,8 Milliarden Euro im Tourismus tätig, Henke vergleicht dies mit der Automobilindustrie – „zum Vergleich: da sind es gut 800.000“, sagt sie. Und wenn wir nicht reisen können, geht es nicht nur um Hotels – „sondern auch um Freizeitparks, Reisebüros, Reiseveranstalter, Souvenirhändler, Busunternehmen, Taxiunternehmen, Reiseleiter, Restaurants, Messeveranstalter, Konzert- und Showunternehmen, Schausteller ...“

Die Pfingstferien schätzt Henke eher schwierig ein, eventuell sei Urlaub in Ferienhäusern oder kleinen Hotels möglich. In den Sommerferien könnten Inseln oder einzelne Ziele wieder möglich sein. Im Herbst und Winter könnte es dann vielleicht wieder normal laufen, hier könne man aktuell auch buchen. Ziele im eigenen Land sind da sehr beliebt: „Reiseziel Nummer 1 ist Deutschland, vielleicht kann man im Sommer auch wieder nach Österreich oder auch Holland. Ich denke, dass es ganz stark mit den Ferienhäusern los geht“, hier sei Abstand möglich.

Und dass es bald wieder los geht, das hofft Henke sehr, denn irgendwann sind die Reserven aufgebraucht ...


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