26.03.2020, 17:09 Uhr

Corona-Krise in Griechenland Auch im Süden Europas wird Klopapier gehortet


Nummernvergabe vor dem Supermarkt, Erlaubnis-SMS vor dem Verlassen der Wohnung, heißlaufende Leitungen bei den Kaffee-Lieferanten, gähnende Leere an paradiesischen Stränden – so sieht das Leben in der Corona-Krise momentan in Griechenland aus. Ein Einblick in das Leben meiner Schwiegerfamilie ...

Regensburg/Karditsa. Bereits seit zwei Wochen sitzen meine Schwiegereltern, Theofanis und Kleopatra, mit ihrer Enkelin in dem kleinen Häuschen in Zentrum der griechischen Stadt Karditsa fest. Von ihren Kindern – meinem Mann und meiner Schwägerin – wurden sie mit Anbruch der Corona-Pandemie dazu quasi gezwungen. Denn meine Schwiegereltern sind bereits über 80 Jahre alt und haben diverse Vorerkrankungen, die sie zur Gruppe der stark gefährdeten Menschen werden lassen. Die Angst treibt alle zu diesem rigorosen Schritt, den meine Schwiegerfamilie schon vor zwei Wochen gegangen ist und der den Griechen nun per Gesetz auferlegt wurde.

Denn die Griechen haben seit Montag, 23. März, Ausgangssperre. Wer aus dem Haus möchte, muss zunächst eine SMS an die Hotline der Regierung senden und um Erlaubnis fragen. Die Bestätigung oder auch ein vorgedrucktes Papier mit den erforderlichen Daten ist bei Verlassen der Wohnung ebenso wie der Personalausweis oder Pass mitzuführen. Gründe das Haus zu verlassen sind ähnlich wie in Deutschland. Man darf den Arzt aufsuchen, einkaufen gehen oder den Hund Gassi führen. Wer ohne Erlaubnis auf den leeren Plätzen „herumlungert“, riskiert ein Bußgeld von 150 Euro.

Die Schulen und Universitäten sind wesentlich früher als in Deutschland landesweit geschlossen worden. Was zur Folge hatte, dass die Straßencafés und Bars am darauffolgenden Tag bis auf den letzten Platz gefüllt waren. Die Menschen in dem sonnenverwöhnten Land sind eben freiwillig auch eher uneinsichtig. Die Regierung zog prompt hinterher und ließ Restaurants, Caféterien, Bars schließen. Seither laufen die Telefonleitungen der Kaffee-Lieferanten mehr als heiß, denn auf seinen Kaffee vom Lieblingscafé verzichtet kein Grieche gerne. Und so wird der Espresso für einen Euro oder auch der Eiskaffee für 1,50 Euro von den flinken „Delivery-Boys“ bis zur Haustüre gefahren.

Ebenso wie in Deutschland begann spätestens nach diesem Schritt der Regierung ein Ansturm auf die Supermärkte. Auch hier wurden Nudeln, Reis und natürlich Klopapier zur begehrtesten Ware. Damit sich jedoch nicht so viele Menschen auf einmal bei den Discountern aufhalten, wurde die Kundenzahl beschränkt. Je nach Fläche des Supermarktes werden seither am Eingang Nummern von Security-Mitarbeitern vergeben, um zu gewährleisten, dass die Höchstzahl nicht überschritten wird. Und so flitzt momentan nur meine Schwägerin frühmorgens nach der Nachtschicht in den Supermarkt, um alle lebenswichtigen Waren für die gesamte Familie einzukaufen und auf der Veranda ihrer Eltern abzustellen. Ihre Tochter sieht sie nur vom Balkon des Nachbarhauses aus oder per Skype, denn sie fürchtet, sich in der Arbeit mit dem Coronavirus anstecken zu können. Würde ihre Tochter bei ihr bleiben und wie üblich, wenn es die Schicht nicht anders zulässt, von Oma und Opa betreut werden, wäre die Mühe um Quarantäne umsonst.

Und so ist das Leben von Großeltern und Enkelkind momentan eben auf das kleine Häuschen und die Veranda beschränkt. Meine Nichte Nasia schielt dann gelangweilt zum Klassenkameraden im Nachbargarten rüber und erfreut sich lediglich der Gesellschaft ihres kleinen Katers. Meine Schwiegermutter schwingt in der Küche den Kochlöffel und lässt die Übertragung des Gottesdienstes im Fernsehen auf vollster Lautstärke laufen und mein Schwiegervater Theofanis schraubt mit müden Augen an seinem klapprigen Drahtesel rum, mit dem er sonst stets mehrfach am Tag für Kleinstbesorgungen in die Stadt gefahren ist. „Bald“, lächelt er und tätschelt den Sattel seines Gefährtes. Hoffentlich.


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